Neue Voba-Fusion geplant: „Zusammen wachsen“

Die Volksbank Donau-Neckar und die Volksbank Schwarzwald-Neckar wollen sich zusammenschließen.

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Fröhliche Gesichter: (hintere Reihe, von links): Frank-Karsten Willer (Vorstand Volksbank Donau-Neckar), Dr. Udo Stefan Schlipf (Vorstandssprecher Volksbank Schwarzwald-Neckar ), Jürgen Findeklee (Vorstandsvorsitzender Volksbank Donau-Neckar), Rainer Fader (Vorstand Volksbank Schwarzwald-Neckar ). Vordere Reihe, von links: Wolfgang Schneider (Aufsichtsratsvorsitzender Volksbank Schwarzwald-Neckar) und Dr. Hans-Joachim König (Aufsichtsratsvorsitzender Volksbank Donau-Neckar ). Foto: pm

TUTTLINGEN/SCHRAMBERG (him/pm) – Die Volks­ban­ken in Tutt­lin­gen und in Schram­berg wol­len sich zusam­men­schlie­ßen. Nach einem geschei­ter­ten Ver­such eines Zusam­men­schlus­ses mit der Rott­wei­ler  Volks­bank  vor knapp drei Jah­ren ver­su­chen die Vor­stän­de nun einen neu­en Anlauf. Dies­mal scheint der Druck noch grö­ßer, denn die Ban­ken haben zu kämp­fen.

Es ist kein Geheim­nis, dass sich das Bank­ge­schäft rasant ver­än­dert“, heißt es in einer von bei­den Kre­dit­in­sti­tu­ten am Mitt­woch­nach­mit­tag ver­brei­te­ten Pres­se­mit­tei­lung. „Die anhal­ten­de Nied­rig­zins­pha­se, stei­gen­de Eigen­ka­pi­tal- und Liqui­di­täts­an­for­de­run­gen, stän­dig neue Regu­la­ri­en und ein dyna­mi­sches Wett­be­werbs­um­feld for­dern in hohem Maße vor allem die regio­nal ver­wur­zel­ten Genos­sen­schafts­ban­ken her­aus.“

Die Volks­bank Donau-Neckar und die Volks­bank Schwarz­wald-Neckar woll­ten die­se Her­aus­for­de­run­gen geschickt nut­zen und sich „als Part­ner auf Augen­hö­he“ zu einer Volks­bank Schwarz­wald-Donau-Neckar  zusam­men­tun. Der Ver­such einer Fusi­on mit Rott­weil war unter ande­rem dar­an geschei­tert, dass die Schram­ber­ger Mit­glie­der fürch­te­ten, von Rott­weil domi­niert zu wer­den. So erhielt der Fusi­ons­plan am 3. Juni 2013 nicht die erfor­der­li­che drei Vier­tel-Mehr­heit. Nun ein wei­te­rer Anlauf mit ande­rem Part­ner.

Dabei sind  die Grö­ßen­ver­hält­nis­se doch recht unter­schied­lich: Die Volks­bank Schwarz­wald-Donau in Tutt­lin­gen kommt auf eine Bilanz­sum­me von gut, 1,2 Mil­li­ar­den Euro, die Volks­bank Schwarz­wald-Neckar in Schram­berg auf knapp 600 Mil­lio­nen Euro, so Tobi­as Haas, Lei­ter Per­so­nal und Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on  der Volks­bank Schwarz­wald-Neckar auf Nach­fra­ge der NRWZ. Den­noch wer­de es zwei Haupt­sit­ze geben und wer­den zwei Vor­stän­de in Schram­berg blei­ben.

Die Zeit ist ide­al dafür, denn bei­de Ban­ken sind wirt­schaft­lich sehr erfolg­reich“, so Dr. Joa­chim König, Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Volks­bank Donau-Neckar. Auch Wolf­gang Schnei­der, Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Volks­bank Schwarz­wald-Neckar freut sich auf die geplan­te Zusam­men­ar­beit: „Die Vor­aus­set­zun­gen sind per­fekt, um jetzt die Wei­chen für mor­gen zu stel­len, aus einer Posi­ti­on der Stär­ke her­aus.“

Das Mot­to für die Fusi­on lau­tet „Zusam­men wach­sen“ – aller­dings gren­zen die Geschäfts­ge­bie­te der bei­den Ban­ken nicht anein­an­der. Dazwi­schen lie­gen die Gebie­te der Volks­bank Rott­weil und das der Voba Deiß­lin­gen.

Aus der bis­her bereits sehr erfolg­rei­chen und part­ner­schaft­li­chen Zusam­men­ar­beit sei „vor weni­gen Mona­ten das ers­te Mal die Idee eines Zusam­men­schlus­ses ent­stan­den“, heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung. Nach ers­ten unver­bind­li­chen Gesprä­chen von Auf­sichts­rä­ten und Vor­stän­den sei­en ers­te Visio­nen für die gemein­sa­me Volks­bank Schwarz­wald-Donau-Neckar ent­wi­ckelt und wesent­li­che Eck­pfei­ler für die geplan­te Part­ner­schaft defi­niert wor­den. Die Vor­stän­de hät­ten fest­ge­stellt: „Die Che­mie stimmt!“

Nach Ansicht der Chef­eta­gen sprä­chen vie­le Argu­men­te für den Zusam­men­schluss: „Bei­de Ban­ken sind in indus­tri­ell gepräg­ten, länd­li­chen Gegen­den tätig. Die Anfor­de­run­gen der Kun­den sind ver­gleich­bar.“  Außer­dem ver­füg­ten die Insti­tu­te über eine ähn­li­che Kun­den­struk­tur und eine über­ein­stim­men­de Unter­neh­mens­kul­tur.

Auch betriebs­wirt­schaft­lich mache die Fusi­on Sinn. Mit einer Bilanz­sum­me von 1,9 Mil­li­ar­den Euro, etwa 100.000 Kun­den, einer über­durch­schnitt­li­chen Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung und über 400 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern errei­che die gemein­sa­me Bank eine opti­ma­le Grö­ße. Damit könn­ten sowohl Pri­vat- als auch Fir­men­kun­den ide­al betreut wer­den. „Für unse­re Mit­glie­der und Kun­den ist es wich­tig, dass sie sich mit ihren finan­zi­el­len Ange­le­gen­hei­ten und Anfor­de­run­gen gut auf­ge­ho­ben füh­len.“

Sie wür­den auch nach dem Zusam­men­schluss an den bekann­ten Stand­or­ten die ihnen ver­trau­ten Gesich­ter vor­fin­den. Wei­ter ver­spre­chen die Vor­stän­de der bei­den Ban­ken, dass das das kun­den­ori­en­tier­te Geschäfts­mo­dell fort­ge­setzt wer­den soll. Und wich­ti­ger noch: „Die Erhal­tung der bestehen­den Arbeits­plät­ze“ sei wesent­li­ches Ziel des geplan­ten Zusam­men­schlus­ses. Es wer­de „durch den Zusam­men­schluss kei­ne Ein­schnit­te geben. Alle bis­he­ri­gen Geschäfts­stel­len blei­ben erhal­ten.“

Die bis­he­ri­gen Gesprä­che führ­ten die Vor­stän­de und die Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den sehr ver­trau­lich. Am Mitt­woch­mit­tag infor­mier­ten die Chefs die Mit­ar­bei­ter in Schram­berg und Tutt­lin­gen, so Haas.

Die Auf­sichts­gre­mi­en bei­der Ban­ken hät­ten ein­stim­mig beschlos­sen, ergeb­nis­of­fe­ne Gesprä­che mit dem Ziel eines Zusam­men­schlus­ses auf­zu­neh­men. Der Auf­sichts­rat selbst soll aus den bis­he­ri­gen Auf­sichts­rä­ten zusam­men­ge­setzt sein. Die bis­he­ri­gen Vor­stän­de blei­ben der Bank erhal­ten. Nach Aus­kunft von Jür­gen Fin­de­klee (Voba Donau) wird er Vor­stands­vor­sit­zen­der, Dr. Udo Schlipf (Voba Neckar) sein Stell­ver­tre­ter, Frank-Kars­ten Wil­ler und Rai­ner Fader sind als wei­te­re Vor­stands­mit­glie­der vor­ge­se­hen.

Auch der Auf­sichts­rats­vor­sitz geht an einen Tutt­lin­ger: Dr. Hans Joa­chim König; sei­ne drei Stell­ver­tre­ter wer­den Wolf­gang Schnei­der, IHK-Prä­si­dent Die­ter Teu­fel und der Schram­ber­ger Alt-OB, Minis­te­ri­al­di­rek­tor Her­bert O. Zinell.

Die Ver­tre­ter­ver­samm­lun­gen müs­sen noch zustim­men: Geplant sind Ver­samm­lun­gen in Schram­berg am 22. Juni und in Tutt­lin­gen am 29. Juni. Jetzt gel­te es, die Mit­glie­der, Ver­tre­ter und Mit­ar­bei­ter fun­diert und umfas­send zu infor­mie­ren und für die Vor­tei­le des Zusam­men­schlus­ses zu begeis­tern, heißt es wei­ter. „Die Argu­men­te sind stich­hal­tig.“

Dafür wür­den Auf­sichts­rä­te und Vor­stän­de bei­der Ban­ken wer­ben und Mit­glie­der und Kun­den in den kom­men­den Wochen umfas­send und trans­pa­rent infor­mie­ren. Geplant sei­en sie­ben Mit­glie­der­ver­an­stal­tun­gen im Mai, so Haas, und ab Mit­te April eigens ein­ge­rich­te­te Infor­ma­ti­ons­sei­ten auf den Web­sei­ten der Insti­tu­te. Auch dies eine Leh­re aus der geschei­ter­ten Fusi­on mit Rott­weil. Damals lau­te­te ein Haupt­vor­wurf, es sei hin­ter ver­schlos­se­nen Türen und ohne die Gre­mi­en aus­rei­chend ein­zu­be­zie­hen ver­han­delt wor­den.

 

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