Zu Besuch bei Softfolio digital (von links): Hubert Nowak (Grüne), Uli Bauknecht, Maximilian Forn (Softfolio), Sonja Rajsp (Grüne), Ricco Sauter, Sven Effinger (beide Softfolio) , Astrid Boehm (Grüne) Franziska Bauknecht (Softfolio), Margit Stumpp, MdB und OB Thomas Herzog. Foto: him

SCHRAMBERG  –  Digi­ta­li­sie­rung ist ihr The­ma als Poli­ti­ke­rin – und da sie aus der Kom­mu­nal­po­li­tik und Ober­schwa­ben kommt, inter­es­siert sich die Bünd­nis-Grü­ne Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mar­git Stumpp beson­ders für die Digi­ta­li­sie­rung und ihre Pro­ble­me im länd­li­che Raum.

Der Grü­ne Kreis­ver­band hat­te ihr vor­ge­schla­gen, das Unter­neh­men von Uli Bauknecht in Schram­berg zu besu­chen, denn die­ser ent­wi­ckelt zusam­men mit einem jun­gen Team Soft­ware für Kom­mu­nen und den Ein­zel­han­del. Der Diplom­in­ge­nieu­rin Stumpp kam das gera­de recht. Auch Schram­bergs Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog nutz­te die andert­halb Stun­den, um mit den bei­den und eini­gen Ver­tre­tern der Grü­nen über die digi­ta­le Infra­struk­tur und die Auf­ga­ben der gro­ßen und klei­nen Poli­tik zu fach­sim­peln.

Funklöcher beseitigen

Nach einer Füh­rung durch das Papier- und Waren­la­ger mit Mar­tin Mett­mann traf die Abge­ord­ne­te zwei Eta­gen höher auf Mar­tin Kuh­ner. Der appel­lier­te an Stumpp, sich für den Aus­bau des Mobil­funk­net­zes ein­zu­set­zen. „Für mich gehört das Mobil­funk­netz heut­zu­ta­ge zur Daseins­vor­sor­ge“, ent­geg­ne­te die Grü­ne Abge­ord­ne­te, „und damit in die öffent­li­che Hand.“ Auch OB Her­zog beklag­te, bei Fahr­ten auf der A 81 ent­de­cke er „jedes Mal ein neu­es Funk­loch“.

Uli Bauknecht berich­te­te von sei­ner „klei­nen Start-up-Fir­ma“ soft­fo­lio digi­tal inner­halb des Unter­neh­mens: Fünf jun­ge Leu­te ent­wi­ckeln digi­ta­le Werk­zeu­ge für Kom­mu­nen. Zum einen die City­Hub App, zum ande­ren den Markt­platz Pro­re­gi­on.

CityHub App

Über die City­Hub App könn­te man mit nur einer App durch ganz Euro­pa rei­sen und in jeder teil­neh­men­den Kom­mu­ne kos­ten­los die wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen erhal­ten. Aber auch die eige­nen Bür­ger erfah­ren über einen News­let­ter oder Eil­nach­rich­ten mehr aus ihrer Gemein­de. Beson­ders der Män­gel­mel­der sei erfolg­reich, weil die Ver­ant­wort­li­chen schnell mit­be­kom­men, wo etwas im Argen liegt. „Die Bür­ger­zu­frie­den­heit steigt“, so Bauknecht,  wenn die Bür­ger sähen, ihre Sor­gen wür­den ernst genom­men.

Der Vor­teil der App: Sie ist leicht auf die Bedürf­nis­se der Kom­mu­nen anzu­pas­sen, vie­le ande­re Netz­wer­ke wie Face­book oder Insta­gram las­sen sich damit ver­knüp­fen.  Und sie ist kos­ten­güns­tig. Eine klei­ner Kom­mu­ne wie Lau­ter­bach zahlt ein­ma­lig 1000 Euro und pro Monat 80 Euro und hat ein taug­li­ches Sys­tem. Ande­re ent­wi­ckel­ten eige­ne Apps  für 130.000 Euro, die weit weni­ger könn­ten wie sei­ne City­hub App. „Ich ver­ste­he nicht, war­um jeder meint, er müs­se das Rad neu erfin­den“, so Bauknecht. 150 Kom­mu­nen  hat er schon über­zeugt.

Marktplatz proregion

Das zwei­te Pro­jekt „Markt­platz pro­re­gi­on“ soll als digi­ta­ler Markt­platz den Kun­den­wün­schen ent­ge­gen­kom­men. Bauknecht zitier­te Unter­su­chun­gen, wonach sich 93 Pro­zent der Kun­den im Inter­net vor einem Kauf über ein Pro­dukt infor­mie­ren. Gleich­zei­tig wün­schen sich aber zwei Drit­tel eine per­sön­li­che Bera­tung.

Über das Por­tal pro­re­gi­on kön­nen Ein­zel­händ­ler, Dienst­leis­ter, Hand­wer­ker oder Gast­wir­te ihre Pro­duk­te  vor­stel­len. Sie kön­nen aber auch einen Inter­net­shop inte­grie­ren. Für die Kun­den inter­es­sant wer­de ein sol­ches Por­tal aller­dings erst, wenn 70 bis 80 Pro­zent der Gewer­be­trei­ben­den mit­ma­chen. Der Raum dür­fe nicht zu groß sein, damit sich die Kun­den tat­säch­lich ent­schlie­ßen, vor Ort ein­zu­kau­fen. Auch Kom­mu­nen kön­nen sich dort prä­sen­tie­ren. In weni­gen Wochen möch­te Bauknechts Team auch eine Job­bör­se in den Markt­platz inte­grie­ren.

Bauknecht stellt sei­ne Pro­gram­me vor. Fotos: him

Ob ein sol­ches Markt­platz­an­ge­bot auch für den gan­zen Kreis mög­lich wäre, frag­te Kreis­rat Hubert Nowak. Da sei­en die Ent­fer­nun­gen zu groß: “Es fährt nie­mand von Wehin­gen zum Ein­kau­fen nach Schram­berg“, erwi­der­te Bauknecht. Aber drei Markt­plät­ze auf­ge­teilt in Rott­weil, Obern­dorf und Schram­berg mach­ten Sinn.

Subsidiaritätsprinzip

Für Schumpp ist die Infra­struk­tur von zen­tra­ler Bedeu­tung. Hier müs­se die gro­ße Poli­tik anset­zen. Auch bei der Aus­bil­dung und der Fort­bil­dung sei der Bund gefor­dert. Für wel­che Platt­form sich eine Kom­mu­ne ent­schei­det, oder wel­ches Lern­sys­tem eine Schu­le anschafft, das müss­ten nach dem Sub­si­dia­ri­täts­prin­zip die Gemein­den und Schu­len selbst ent­schei­den. „Die Poli­tik muss gute Bedin­gun­gen für Start-ups schaf­fen“, fin­det Schumpp, „sie soll­te sich aber nicht zu sehr auf der kom­mu­na­len Ebe­ne ein­mi­schen.“

Sie frag­te die jun­gen Mit­glie­der im Team,  woher sie kom­men und wes­halb sie in Schram­berg arbei­te­ten. Die meis­ten stam­men aus der Gegend und haben auch in der Nähe stu­diert. Dass Fach­kräf­te in den länd­li­che Raum zurück­keh­ren oder hier blei­ben, hän­ge auch stark von der Digi­ta­li­sie­rung ab, so Stumpp: „Stich­wort glei­che Lebens­ver­hält­nis­se im Länd­li­chen Raum.“