Rüstungsindustrie: IG-Metall und Betriebsräte fordern verlässliches Verhalten der Politik

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REGION (pm) – Zu einem Mei­nungs­aus­tausch über die aktu­el­le Situa­ti­on im Bereich der sicher­heits- und wehr­tech­ni­schen Indus­trie hat­te die IG Metall-Ver­wal­tungs­stel­le Freu­den­stadt die Spit­zen­ver­tre­ter der Betriebs­rats­gre­mi­en von Heck­ler & Koch in Obern­dorf, Jung­hans micro­tec in See­dorf und Rhein­me­tall in Obern­dorf ein­ge­la­den. Als poli­ti­sche Reprä­sen­tan­ten in der Regi­on und für den Bereich der Ver­tei­di­gungs­po­li­tik stan­den Rai­ner Arnold, der ver­tei­di­gungs­po­li­ti­sche Spre­cher der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, und Sas­kia Esken, die SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te für den Wahl­kreis Calw/ Freu­den­stadt, , Rede und Ant­wort, wie die IG Metall in einer Pres­se­mit­tei­lung berich­tet.

Der 1. Bevoll­mäch­tig­te der IG-Metall, Rei­ner Neu­meis­ter, wies ein­lei­tend dar­auf hin, dass die Situa­ti­on in den wehr­tech­ni­schen Betrie­ben der Regi­on von einer star­ken Ver­un­si­che­rung durch die ver­än­der­te Geneh­mi­gungs­pra­xis für Rüs­tungs­ex­por­te geprägt sei. Dies dürf­te aller­dings nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass in ein­zel­nen Betrie­ben auch eine Rei­he von haus­ge­mach­ten Pro­ble­men die zum Teil pre­kä­re Situa­ti­on in Bezug auf die Beschäf­ti­gung nach­hal­tig ver­schärft habe.

Uwe Kess, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der von Jung­hans micro­tec mach­te in dem Gespräch deut­lich, dass eine euro­päi­sche Abstim­mung für Aus­fuhr­ge­neh­mi­gun­gen zwin­gend not­wen­dig sei. Es sei nicht hin­nehm­bar, dass natio­nal­staat­li­che Ent­schei­dun­gen die Län­der gegen­ein­an­der aus­spiel­ten und dies auf dem Rücken der Beschäf­tig­ten aus­ge­tra­gen wer­de. Eine Posi­ti­on, die die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten tei­len. Auch Rei­ner Neu­meis­ter ver­deut­lich­te, dass in der Gesamt­dis­kus­si­on lang­fris­tig eine euro­päi­sche Sicher­heits­po­li­tik not­wen­dig sei.

Vor wel­chem Hin­ter­grund in der Poli­tik aktu­ell die Ent­schei­dun­gen ablie­fen und dass eine restrik­ti­ve­re Hand­ha­bung von Export­ge­neh­mi­gun­gen in Kri­sen­ge­bie­te eine ein­heit­li­che Linie der Bun­des­re­gie­rung sei, stell­te der ver­tei­di­gungs­po­li­ti­sche Spre­cher der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Rai­ner Arnold, im Gespräch dar. Ros­wi­tha Arm­brus­ter, Betriebs­rats­vor­sit­zen­de von Rhein­me­tall in Obern­dorf (RWM), sprach in die­sem Zusam­men­hang aus­drück­lich die Ver­ant­wor­tung in der Zusam­men­ar­beit von Unter­neh­men und Poli­tik für eine ver­läss­li­che Gestal­tung der Sicher­heits­po­li­tik an. Sie wies dar­auf hin, dass für die Beleg­schaf­ten kon­stant ver­läss­li­ches Ver­hal­ten in der Poli­tik bei Auf­trags­ver­ga­ben ein drin­gen­des Erfor­der­nis sei.

Moni­ka Lan­ge, Betriebs­rats­vor­sit­zen­de von Heck­ler & Koch, wies ein­dring­lich dar­auf hin, dass in einem Land wie der Bun­des­re­pu­blik – mit Bun­des­wehr und Poli­zei und einer Zuge­hö­rig­keit zur NATO – es nicht sein dür­fe, dass die natio­na­le Fähig­keit zur Ver­tei­di­gung und zum Teil auch Kri­sen­be­wäl­ti­gung mit dem Ver­lust von tech­no­lo­gi­schen Fähig­kei­ten selbst ent­spre­chen­de Rüs­tungs­pro­duk­te her­zu­stel­len ein­her­ge­he. Sicher­heit bedin­ge auch eine adäqua­te Bewaff­nung von Sicher­heits­kräf­ten und die­se dür­fe nicht abhän­gig sein von tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen außer­halb Deutsch­lands. So wür­den natio­nal­staat­li­che Inter­es­sen gefähr­det.

Die SPD-Abge­ord­ne­te für den Wahl­kreis Calw/Freudenstadt, Sas­kia Esken, nahm nach eige­nem Bekun­den aus der Gesprächs­run­de die Viel­schich­tig­keit der Pro­ble­ma­tik der sicher­heits- und wehr­tech­ni­schen Indus­trie mit. Außer­dem sei ein der­ar­ti­ger Mei­nungs­aus­tausch wich­tig, um Poli­ti­ker für direk­te Aus­wir­kung von poli­ti­schen Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen auf die Regi­on und die Men­schen vor Ort zu sen­si­bi­li­sie­ren. Die Erkennt­nis­se wer­de sie in den Debat­ten auf poli­ti­scher Ebe­ne ent­spre­chend ein­flie­ßen las­sen.

Und auch Rai­ner Arnold ver­ein­bar­te mit der IG Metall und den Betriebs­rä­ten einen wei­ter­hin kon­ti­nu­ier­li­chen Mei­nungs­aus­tausch zur Situa­ti­on für die Beschäf­ti­gung und für die indus­trie­po­li­ti­schen Ver­än­de­run­gen im Bereich der wehr­tech­ni­schen Indus­trie. Er mach­te auch deut­li­chen, dass das The­ma Rüs­tungs­kon­ver­si­on nicht in eine plat­te For­mel gepresst wer­den kön­ne, son­dern mit­tel­fris­tig auch das The­ma für Unter­neh­men der wehr­tech­ni­schen Indus­trie mit meh­re­ren Stand­bei­nen beinhal­ten müs­se. Dies sei kei­ne kurz­fris­ti­ge Ver­än­de­rung, son­dern viel­mehr sei eine lang ange­leg­te Ver­än­de­rungs­po­li­tik not­wen­dig.

Der 1. Bevoll­mäch­tig­te der IG Metall in der Regi­on, Rei­ner Neu­meis­ter, freu­te sich über den guten und kon­struk­ti­ven Mei­nungs­aus­tausch mit Esken und Arnold. Einen sol­chen zie­he er öffent­li­chen „Hau-drauf-Argu­men­ten“ immer vor. „Denn bei­de Par­tei­en soll­ten bei einem so heik­len The­ma wie der Beschäf­ti­gung im Bereich der sicher­heits­tech­ni­schen Indus­trie immer sach­li­che Gesprä­che füh­ren“, heißt es abschlie­ßend in der IG-Metall-Mit­tei­lung.

 

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