Schramberger Jobkarte bringt „Power in die Stadt“

Schramberger Jobkarte bringt „Power in die Stadt“

Die Stadt habe zwar keinen Testturm, aber mit der Jobkarte „ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das es so noch nirgends gibt“. Philipp Hilsenbek, bei der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg (IHK) zuständig für die Standortpolitik fand „richtig gut, was Sie hier tun“.

Viele strahlende Gesichter. Die Akteure, die die Schramberger Jobkarte zum Laufen gebracht haben (von links): Wirtschaftsförderer Manfred Jungbeck, Raphael Moosmann (SB), Wolfgang Flaig (KSK Rottweil), Philipp Hilsenbek (IHK), Manuela Klausmann (HGV), Martin Sommer (MS), Susanne Bertele (MS), Udo Schlipf (Volksbank), Christof Michler (MS),Heimo Hübner (MS), Kirsten Moosmann (HGV) OB Thomas Herzog und André Alesi (HGV). Foto: him

Bei der Firma MS Schramberg, einem von Europas führenden Herstellern von Permanentmagneten und Baugruppen, präsentierten Vertreterinnen und Vertreter des Handels- und Gewerbevereins (HGV), der Firma, der örtlichen Banken und der Stadt am Dienstag die neue elektronische HGV-Jobkarte. Was steckt dahinter?

Kaufkraft halten

Etliche Firmen nutzen die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern einen steuer- und sozialabgabenfreien Bonus als Sachleistung zu gewähren. Meist erhalten die Mitarbeiter einen Tankgutschein. So auch seit 2006 zehn Jahre lang bei MS Schramberg. Doch 2015, so erinnert sich Geschäftsführer Heimo Hübner, sei die Personalabteilung mit der Idee gekommen, statt der Tankgutscheine lieber Gutscheine für die HGV-Geschäfte zu verteilen. „Wir wollten für die Stadt und die Mitarbeiter etwas tun.“ Nämlich Kaufkraft in der Stadt halten.  

Ab Juni 2016 gab es die HGV-Papiergutscheine. „Wir haben jetzt ein ‚Trockentraining‘ mit den Gutscheinen gemacht“, so Hübner. Sehr zur Freude der Personalabteilung sei seit Jahresanfang die elektronische Karte am Start. „Eine sehr gelungene Lösung.“ Die Mitarbeiter erhalten jeden Monat ihren Bonus auf die Karte aufgeladen, können das Geld ansammeln und in mehr als 60 Schramberger Geschäften, aber auch in der Stadtverwaltung damit bezahlen.

Die ersten 600 Karten sind verteilt

MS Personalchefin Susanne Bertele und ihr Team haben die knapp 600 Jobkarten  vor Weihnachten an die Mitarbeiter ausgegeben und dabei Fragen beantwortet. „Erste Einlösungen gibt es schon – und die erste Karte ist auch schon verloren gegangen“, erzählt sie lächelnd. Voll des Lobes ist auch der Betriebsratsvorsitzende von MS, Christof Michler: „Die Karte kommt sehr gut an, besonders die Breite, in der man sie nutzen kann.“

André Alesi hat als zweiter Vorsitzender des HGV das Projekt gesteuert. Das Ziel der Karte sei, „die Stadt lebenswert zu erhalten, Power in die Stadt zu bringen“. Er habe lange recherchiert, ob es in Deutschland schon etwas Ähnliches gibt, er habe nichts gefunden. Die Jobkarte entwickelt zu haben, darauf könnten die Beteiligten „mächtig stolz“ sein.

Schrambergs Oberbürgermeister Thomas Herzog berichtete, auch bei der Stadt könne man mit der Karte bezahlen, Theaterkarten beispielsweise. „Alles, außer Bußgeld.“  Die HGV-Vorsitzende Kirsten Moosmann bedankte sich beim MS für die Initiative vor drei Jahren. Nur dank des finanziellen Rückhalts habe es geklappt. Immerhin etwa 300.000 Euro Kaufkraft blieben dank der Gutscheine in der Stadt.

Schulterschluss

Die HGV-Geschäftsführerin Manuela Klausmann ist froh, dass mit der MS-Belegschaft jetzt die Praxistauglichkeit der Job-Karte getestet werde. „Im März kommen drei weitere Firmen dazu.“ Schon mehrere andere Städte und Unternehmen hätten sich nach der Schramberger Jobkarte erkundigt.

Volksbank-Vorstand Dr. Udo Schlipf lobte den „Schulterschluss von HGV, Banken, Stadt und Unternehmen“. IHK-Vertreter Hilsenbek sah bei 11.000 Arbeitsplätzen in Schramberg noch ein „Riesenpotenzial“ für die Jobkarte.  Klausmann ist überzeugt, dass bis Mitte des Jahres die Tausendermarke überschritten werde. Auch die Zahl der Annahmestellen steige, weil die Geschäftsleute sähen, „dass es läuft“.

Alesi will nicht stehen bleiben: „Wir wollen das System einfacher nutzbar machen.“ Aber auch eine Ausdehnung auf mehrere Städte scheint ihm möglich: „Man kann mit Mauern keine Leute gewinnen.“

Info: Bis zu einer Freigrenze von 44 Euro dürfen Unternehmen jedem Mitarbeiter pro Monat eine Sachleistung gewähren. Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer zahlen dafür Steuern- und Sozialabgaben. Für den Mitarbeiter stellt das ein Plus von bis zu 528 Euro im Jahr dar.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 23. Januar 2018 von Martin Himmelheber (him). Erschienen unter https://www.nrwz.de/wirtschaft/schramberger-jobkarte-bringt-power-in-die-stadt/192780