Die Bahn hat auf den protest von Geschäftsführerin Bettina Schuler-Kargoll (links) beim Besuch von Staatssekretär Dr. Andre Baumann reagiert. Foto: Moni Marcel

DEISSLINGEN (mm) – Eigent­lich wer­den die Stahl­spä­ne, die die Fir­ma Schuler Roh­stof­fe in Deiß­lin­gen bei den vie­len Fir­men in der Regi­on ein­sam­melt, per Bahn in ita­lie­ni­sche Stahl­wer­ke gelie­fert. Doch der­zeit sta­peln sie sich, denn die Bahn lie­fert seit dem Tun­ne­l­un­glück bei Ras­tatt dem Recy­cling­un­ter­neh­men fast kei­ne Wag­gons mehr.

 

Geschäfts­füh­re­rin Bet­ti­na Schuler-Kar­goll ist stink­sauer. Sie hat den Chef der DB Car­go ange­schrie­ben, sich an das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um gewandt, doch ohne Erfolg. „Die Bahn erzählt uns Lügen­mär­chen!“, und vom Minis­te­ri­um kämen nur net­te Wor­te. „Es pas­siert nichts!“

 

Den Ärger bekam am Don­ners­tag Dr. And­re Bau­mann ab, er ist Staats­se­kre­tär im Umwelt­mi­nis­te­ri­um und besuch­te zusam­men mit der grü­nen Abge­ord­ne­ten Mar­ti­na Braun den Deiß­lin­ger Vor­zei­ge­be­trieb. Bau­mann ver­sprach, sich in Stutt­gart für eine Lösung ein­zu­set­zen, immer­hin sei es ein grü­nes Kern­the­ma, den Ver­kehr von der Stra­ße auf die Schie­ne zu brin­gen. Aller­dings sei es nicht ein­fach, mit der Bahn zu ver­han­deln. „Win­ne Her­mann beißt sich hier regel­mä­ßig die Zäh­ne aus“, so Mar­ti­na Braun, das Bei­spiel Gäu­bahn sei ja bekannt.

 

Bis etwas geschieht, ros­ten die Spä­ne im Hof von Schuler und wer­den damit unbrauch­bar. Zwar ver­sucht man, alles so gut es geht mit LKWs abzu­trans­por­tie­ren, aber das dau­ert. „Wir haben 1999 noch 70 Pro­zent der Waren mit der Bahn trans­por­tiert, jetzt sind es noch 20 Pro­zent“, sagt die jetzt erst mit der Wirt­schafts­me­dail­le des Lan­des geehr­te Geschäfts­füh­re­rin. Und ver­weist auf die Kos­ten für den eige­nen Bahn­an­schluss: „Wir zah­len, damit wir auf die Schie­ne kön­nen.“ Es schei­ne, als sei ihre Fir­ma der Bahn ein Dorn im Auge. Letz­tes Jahr sei sie noch von DB Car­go zur Weih­nachts­fei­er ein­ge­la­den gewor­den, die­ses Jahr nicht mehr.

 

Doch sie und ihre Mann Dr. Diet­mar Kar­goll hat­ten dem Gast aus Stutt­gart auch Gutes zu berich­ten. Jede Men­ge Umwelt- und Kli­ma­schutz steckt in dem Unter­neh­men, Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen, Solar­ther­mie, Abwas­ser­rei­ni­gungs­an­la­gen, Lärm­re­du­zie­rung, eigens ent­wi­ckel­te Gas­hei­zun­gen für die gro­ßen Werk­stät­ten, LED-Lam­pen und natür­lich Recy­cling, die Fir­men­phi­lo­so­phie.

 

Wenn es nach den Schulers geht, soll jetzt noch etwas Neu­es dazu­kom­men: Eine Anla­ge für die Ver­bren­nung von belas­te­tem Alt­holz wie lackier­ten Möbeln bei­spiels­wei­se. Die wur­de von der Fach­hoch­schu­le Inns­bruck ent­wi­ckelt, könn­te in Deiß­lin­gen als Pro­to­typ ent­ste­hen. Kos­ten­punkt sechs Mil­lio­nen Euro, und die dabei ent­ste­hen­de Wär­me wür­de ger­ne der Gips­kar­ton­her­stel­ler Knauf im benach­bar­ten Lauf­fen nut­zen. Denn der braucht viel davon, um die Plat­ten zu trock­nen, und dafür der­zeit Unmen­gen von Gas.

 

Mit der von Schuler geplan­ten Anla­ge bekä­me er genug Wär­me, um auf Gas zu ver­zich­ten. Freu­en wür­de das auch Deiß­lin­gens Bür­ger­meis­ter Ralf Ulb­rich, denn die Gemein­de will bis 2050 kli­ma­neu­tral wer­den, und das schafft man mit dem der­zei­ti­gen Ver­brauch von Knauf nicht. Die bei­den Grü­nen ver­spra­chen, sich für das Pro­jekt ein­zu­set­zen.