Steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie Arbeitskräftemangel: Mittelstand weiter unter Druck

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Die regionale Wirtschaft startet gedämpft in das neue Wirtschaftsjahr. Zu diesem Ergebnis kommt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg zum Jahresbeginn 2022. Neben den negativen Auswirkungen der Omikron-Variante habe der regionale Mittelstand vorrangig mit zwei strukturellen Herausforderungen zu kämpfen: mit höheren Energiepreisen und einem wachsenden Bedarf an Arbeitskräften. Das berichtet die IHK in einer Pressemitteilung.

„Während unsere Industriebetriebe vor allem durch steigende Energie- und Rohstoffpreisen Ertragsverluste hinnehmen müssen, verstetigt sich der Bedarf an Arbeitskräften branchenübergreifend zu einem Wachstumshemmnis“, so IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos. Der Anteil der Unternehmen, welche aktuell eine gute Geschäftslage verzeichnen, ist im Vergleich zum Jahresende auf 47 Prozent gesunken. Im Herbst berichteten noch 57 Prozent aller IHK-Mitglieder von einer positiven Unternehmenssituation. Für neun Prozent aller IHK-Unternehmen ist die aktuelle Geschäftslage schlecht. Diese Rückmeldung erfolgte insbesondere aus dem regionalen Einzelhandel und der Gastwirtschaft. „Diese Branchen sind wie keine anderen von der Coronapandemie gebeutelt. Die jüngsten Öffnungsschritte sind sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung“, erklärt Hakenjos.

Die Stimmung der Unternehmen sei analog zum Jahresstart 2021 von Lieferengpässen und wachsenden Kosten geprägt, heißt es in der IHK-Mitteilung weiter – aktuell insbesondere durch steigende Preise bei Energie, Rohstoffen und Vorprodukten. Branchenübergreifend verzeichneten alle befragten IHK-Mitglieder aktuell Preisanstiege bei ihren Lieferanten oder Vorprodukten. Bei 98 Prozent aller befragten Mitgliedsunternehmen werden Waren später geliefert, 72 Prozent der Unternehmen müssen ihre Arbeit drosseln. Dies verschlechtert bei neun von zehn Betrieben den Ertrag und erhöht bei ebenso vielen den Planungsaufwand im Unternehmen. 45 Prozent aller befragten Unternehmen gehen von einer Verbesserung der Liefersituation im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres aus.

Ein positives Zeichen laut IHK: die Auftragssituation und die Geschäftserwartungen sind mehrheitlich stabil. Im Vergleich zum Herbst 2021 hat sich die Auftragslage nicht verschlechtert. 87 Prozent der IHK-Mitglieder berichten von wachsenden oder gleichbleibenden Bestellungen. Vergleichbar viele wollen ihre Beschäftigung mindestens halten oder – wenn möglich – ausbauen. 63 Prozent formulieren deshalb gleichbleibend oder positive Geschäftserwartungen an dieses Jahr.

„Für diesen freundlicheren Geschäftsausblick ist zentral, dass der Standort Deutschland seine Energiepreise in den Griff bekommt“, sagt die IHK-Präsidentin. So hätten bei einer bundesweiten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in Berlin IHK-Unternehmen die Risiken steigender Energiekosten skizziert: Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, Zurückstellung von Investitionen pro Klimaschutz und Prozessoptimierung sowie Investitionskürzungen bei Forschung und Entwicklung. Vergleichbare Folgen erwarten die Industrie- und Handelskammern durch den weiter steigenden Bedarf an Arbeitskräften. Hier sehen die Unternehmen die Gefahr steigender Arbeitskosten, eine Einschränkung ihres Leistungsangebotes oder eine Mehrbelastung der Belegschaft.

„Hohe Energie- und Arbeitskosten reduzieren die finanziellen Spielräume für die Investitionen unserer Unternehmen. Das schmerzt. Vor allem, weil die Politik konkret etwas dagegen tun könnte: sei es durch die angekündigte Abschaffung der EEG-Umlage, sei es durch eine mittelstandsnahe Fachkräftepolitik oder ein beherztes Werben für die duale Ausbildung“, so Birgit Hakenjos. Hier müssten in den kommenden Wochen konkrete Verbesserungen folgen, heißt es abschließend in der Pressemitteilung.

In einem Austausch der baden-württembergischen IHKs mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat Hakenjos nach eigenen Angaben zudem auf die teilweise existenzbedrohende Situation der Unternehmen hingewiesen. „Ich freue mich, dass die Landesregierung im Anschluss an unseren Austausch die Lockerungen beschlossen hat. Das ist ein wichtiger erster Schritt für weitere Öffnungen.“

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