Stromzusatzkosten senken und Netzausbau weiter vorantreiben

IHK-Energiewendebarometer 2017 veröffentlicht:

61
Große PV-Freilandanlage in Schramberg. Archiv-Foto: him

REGION (pm) – Die Strom­zu­satz­kos­ten sen­ken und den Netz­aus­bau wei­ter vor­an­trei­ben, das sind auch im Jahr 2017 wei­ter­hin die Top-For­de­run­gen der Unter­neh­men beim The­ma Ener­gie an die zukünf­ti­ge Bun­des­re­gie­rung. Zu die­sem Ergeb­nis kommt die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Schwarz­wald-Baar-Heu­berg auf­grund einer jähr­lich durch­ge­führ­ten deutsch­land­wei­ten Befra­gung von Unter­neh­men aller Grö­ßen und Bran­chen. Dar­über berich­tet die IHK in einer Pres­se­mit­tei­lung:

„Die­ses Ergeb­nis über­rascht uns aller­dings nur wenig. Gera­de die Strom­zu­satz­kos­ten, bestehend aus Umla­gen und Strom­steu­er, sind in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen, was sich lang­sam aber sicher zu einem tat­säch­li­chen Stand­ort­nach­teil für Deutsch­land ent­wi­ckelt. Dass vor die­sem Hin­ter­grund die jüngst von den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern bekannt gege­be­ne Umla­ge zur Finan­zie­rung der Erneu­er­ba­re Ener­gie (EEG-Umla­ge) im Jahr 2018 nicht wei­ter ansteigt, ist zumin­dest ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung“, sagt IHK-Vize­prä­si­den­tin Bet­ti­na Schuler-Kar­goll.

Laut IHK machen die staat­li­chen Abga­ben beim Gewer­be­strom und ins­be­son­de­re bei den Indus­trie­un­ter­neh­men zwi­schen­zeit­lich etwa rund 80 Pro­zent des Prei­ses aus. Beim Pri­vat­strom sind es rund 54 Pro­zent.

„Damit über­stei­gen die Belas­tun­gen auf den Strom­preis sogar die ent­spre­chen­den steu­er­li­chen Belas­tun­gen des Ben­zin­prei­ses. Die Fol­gen der hohen Strom­kos­ten sind, dass sich bereits jedes zwan­zigs­te Indus­trie­un­ter­neh­men in Deutsch­land Gedan­ken über Pro­duk­ti­ons­ein­schrän­kun­gen oder gar einer Ver­la­ge­rung macht. Und anhand der Ergeb­nis­se haben wir eben­falls sehen kön­nen, dass auch in der Regi­on zwi­schen­zeit­lich ein­zel­ne Unter­neh­men ernst­haft sol­che Maß­nah­men in Erwä­gung zie­hen oder lei­der sogar bereits rea­li­siert haben. Das wie­der­um geht zu Las­ten hei­mi­scher Arbeits­plät­ze“, so Bet­ti­na Schuler-Kar­goll wei­ter.

Aber auch das The­ma Ver­sor­gung­si­cher­heit und der dafür not­wen­di­ge Netz­aus­bau ist in den Unter­neh­men ein wich­ti­ges The­ma. Wäh­rend bei der Befra­gung 28 Pro­zent der Unter­neh­men aus dem Län­de ange­ge­ben haben, in den letz­ten zwölf Mona­ten Pro­ble­me bei der Strom­ver­sor­gung gehabt zu haben, war es in der Regi­on schon fast jedes zwei­te der ant­wor­ten­den Unter­neh­men. Und wie die IHK berich­tet, hat das bei eini­gen Betrie­ben auch zu einer Beein­träch­ti­gung der Pro­duk­ti­on geführt. Dabei sind gera­de die sta­tis­tisch nicht erfass­ten Strom­aus­fäl­le unter drei Minu­ten ein häu­fi­ge­res Pro­blem als die Aus­fäl­le über drei Minu­ten.

Aber neben den Sor­gen um die zukünf­ti­ge Ver­sor­gung­si­cher­heit in der Regi­on und den ste­tig stei­gen­den Ener­gie­prei­sen ist die regio­na­le Wirt­schaft auch sehr aktiv, wenn es um das The­ma Ener­gie­ef­fi­zi­enz oder Eigen­ver­sor­gung geht. So haben bereits vie­le Unter­neh­men in eige­ne Ener­gie­ver­sor­gungs­ka­pa­zi­tä­ten inves­tiert oder umfang­rei­che Maß­nah­men zur Stei­ge­rung der eige­nen Ener­gie­ef­fi­zi­enz rea­li­siert.

„Nun ist ganz klar die Poli­tik gefragt, ener­gie­po­li­ti­sche Maß­nah­men und recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen so wei­ter­zu­ent­wi­ckeln oder bei Bedarf auch zu kor­ri­gie­ren, dass die­se für unse­re Unter­neh­men plan­bar und ver­läss­lich sind und in dem beson­ders ihre Aus­wir­kun­gen auf den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg berück­sich­ti­gen wer­den. Dabei muss auch dar­auf geach­tet wer­den, dass nicht in ein­zel­nen Regio­nen Nach­tei­le ent­ste­hen und die­se von der Ener­gie­wen­de abge­hängt wer­den“, fasst Bet­ti­na Schuler-Kar­goll abschlie­ßend zusam­men.

Hin­ter­grund zum Ener­gie­wen­de­ba­ro­me­ter:
Deutsch­land hat sich in den letz­ten Jah­ren zu einem Test­feld für den Auf­bau eines kern­ener­gie­frei­en und CO2-armen Ener­gie­sys­tems ent­wi­ckelt. Da die­se Ener­gie­wen­de ein kom­ple­xes Pro­jekt dar­stellt und von ihr auch die Zukunft des Wirt­schafts­stand­or­tes Deutsch­land abhängt, hat es sich die IHK-Orga­ni­sa­ti­on zur Auf­ga­be gemacht, jedes Jahr die Erfah­run­gen und Ein­schät­zun­gen in den deut­schen Unter­neh­men unter­schied­lichs­ter Grö­ßen und Bran­chen zum Pro­jekt Ener­gie­wen­de abzu­fra­gen.

Grund­la­ge der Aus­wer­tung bil­den die­ses Jahr rund 2.250 ein­ge­gan­ge­ne Ant­wor­ten, davon 335 aus Baden-Würt­tem­berg und 29 aus der Regi­on Schwarz­wald-Baar-Heu­berg (Rück­lauf­quo­te: 37 Pro­zent). Das Ergeb­nis wird in einem jähr­li­chen Baro­me­ter­wert zwi­schen plus 100 und minus 100 dar­ge­stellt. Im Jahr 2017 bewer­ten die befrag­ten Unter­neh­men aus Baden-Würt­tem­berg die Aus­wir­kun­gen auf die eige­ne Wett­be­werbs­fä­hig­keit mit plus 2,9 erneut knapp posi­tiv, für Gesamt­deutsch­land liegt die­ser Wert ledig­lich bei plus 1,0. Die Regi­on Schwarz­wald-Baar-Heu­berg ist hier mit einem neu­tra­len Wert von 0,0 etwas kri­ti­scher. Die Indus­trie­un­ter­neh­men spü­ren dage­gen die Ener­gie­wen­de­kos­ten am inten­sivs­ten. So liegt der zuge­hö­ri­ge Baro­me­ter­wert für Deutsch­land in die­sem Jahr bei minus 11,6.

Diesen Beitrag teilen …