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Samstag, 7. Dezember 2019
Start Schram­berg Teu­fel: “Kei­ner darf ver­lo­ren gehen“

Teufel: “Keiner darf verloren gehen“

Wirt­schafts­ge­spräch zur Aus­bil­dung im Länd­li­chen Raum

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Ein Plä­doy­er für eine umfas­sen­de Berufs­aus­bil­dung hielt der ehe­ma­li­ge Prä­si­dent der Indus­­trie- und Han­dels­kam­mer Die­ter Teu­fel am Mitt­woch­abend in der Schal­ter­hal­le der Volks­bank. Zum dies­jäh­ri­gen Wirt­schafts­ge­spräch hat­te die Wirt­schafs­för­de­rung der Stadt Schram­berg ein­ge­la­den.

Wirt­schafts­för­de­rer Man­fred Jung­beck  beton­te, wie wich­tig die Nach­wuchs­för­de­rung der Betrie­be sei und wie die Stadt Schram­berg dies unter­stüt­ze. Er nann­te als Bei­spiel Pfef­fer­MINT. Die­ses Pro­gramm des JUKS³ wol­le Schü­ler für die MINT-Fächer begeis­tern und stel­le direk­te Kon­tak­te zu den Unter­neh­men her. Auch die JAMS am letz­ten April­wo­chen­en­de, die  Aus­bil­dungs­mes­se des HGV und der Wirt­schafts­för­de­rung, wer­de immer wich­ti­ger auch für die Betrie­be: „Wir muss­ten in die­sem Jahr Fir­men ableh­nen, weil wir aus­ge­bucht waren.“

Man­fred Jung­beck

Die­ter Teu­fel stell­te in sei­nem Refe­rat dar, dass die Kam­mern schon seit 100 Jah­ren für die Aus­bil­dung zustän­dig sei­en. Vie­le Län­der ver­such­ten das dua­le Aus­bil­dungs­sys­tem zu kopie­ren, es brau­che aber Erfah­rung und Tra­di­ti­on. „Auch bei Indus­trie 4.0 brau­chen wir eine spit­zen­mä­ßi­ge Aus­bil­dung.“

Teu­fel mahn­te „mehr bil­dungs­po­li­ti­sche Rücken­de­ckung“ an. Die Aus­stat­tung mit Lehr­kräf­ten und Tech­nik an den beruf­li­chen Schu­len las­se zu wün­schen übrig. Er for­der­te Kom­pe­tenz­zen­tren und klei­ne Klas­sen auch für Nischen­be­ru­fe. Die Aus­zu­bil­den­den müss­ten auch digi­ta­le Kom­pe­ten­zen erwer­ben: „Nicht nur ‚wisch und weg‘, son­dern auch Pro­gram­mie­ren.“

Gegen den ”Akademisierungswahn”

Teu­fel wies auf die vom sta­tis­ti­schen Lan­des­amt pro­gnos­ti­zier­ten star­ken Rück­gän­ge bei den Schü­ler­zah­len hin. Des­halb sei es umso wich­ti­ger, ”dass wir das Poten­zi­al in der Regi­on voll aus­schöp­fen”. Einer­seits gel­te es, den „Aka­de­mi­sie­rungs­wahn“ zu bekämp­fen. Oft­mals sei eine soli­de Aus­bil­dung bes­ser als ein Bache­­lor-Stu­­di­um. Teu­fel lob­te daher, dass die Berufs­ori­en­tie­rung auch an den Gym­na­si­en ver­bind­lich wer­den soll. Zum ande­ren soll­ten auch schwä­che­re Schü­ler geför­dert wer­den: “Kei­ner darf ver­lo­ren gehen.“

Schließ­lich plä­dier­te er dafür die Wei­ter­bil­dung zu for­cie­ren. Der IHK sei die beruf­li­che Bil­dung „eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit“. Mit beson­de­ren Ange­bo­ten wie den Azu­­­bi-Aka­­de­­mie, den Bil­dungs­be­ra­tern und Wei­ter­bil­dungs­kur­sen unter­stüt­ze die Kam­mer die Unter­neh­men.

Hef­tig beklag­te sich Teu­fel über den Berufs­bil­dungs­be­richt und die angeb­li­chen Abbre­cher­quo­ten von 25 Pro­zent. Im Bereich der IHK lägen die Zah­len bei einem Pro­zent. Wenn Jugend­li­che in einem Betrieb auf­hör­ten, wech­sel­ten sie meist naht­los in  einen ande­ren Betrieb oder in eine ande­re Bran­che. Die Zah­len ver­un­si­cher­ten die Eltern und Jugend­li­chen.

Zu den Eltern mein­te Teu­fel, sie hät­ten nicht nur das Recht, ihre Kin­der zu erzie­hen, son­dern auch eine Pflicht: „Sie müs­sen rech­nen, schrei­ben und lesen kön­nen und ‚bit­te‘, ‚dan­ke‘ und ‚auf Wie­der­se­hen‘ sagen kön­nen“, mein­te er etwas über­spitzt.

Teu­fel wies auch auf die sozia­le Kom­po­nen­te hin. Einer­seits brauch­ten die Betrie­be Fach­kräf­te. „Aber die Men­schen brau­chen auch einen Beruf, der sie aus­füllt.“

Inter­es­sier­ter Zuhö­rer in der Schal­ter­hal­le der Volks­bank in Schram­berg Fotos: him

In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on mit den etwa 40 Inter­es­sier­ten aus den Betrie­ben, aber auch von den Schu­len ging es unter ande­rem um die Fra­ge, wes­halb an der Berufs­schu­le in Schram­berg kei­ne Mecha­­tro­­ni­ker-Klas­­sen gebil­det wer­den kön­nen und die Aus­zu­bil­den­den von hier statt­des­sen nach Schwen­nin­gen fah­ren müs­sen.

Ein Aus­bil­dungs­lei­ter mein­te, um das Abwan­dern von Fach­kräf­ten zu ver­hin­dern, soll­ten die Unter­neh­men auch dar­an den­ken, Arbeits­plät­ze attrak­ti­ver zu gestal­ten. „Wir dür­fen die Leu­te auch nicht unter­for­dern.“

In sei­nem Schluss­wort erin­ner­te Jung­beck auch an die Ver­ant­wor­tung der Eltern, sich um die Erzie­hung und Aus­bil­dung ihrer Kin­der zu küm­mern.

 

 

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