Unternehmernetzwerk lädt AfD-Politiker aus – und dessen FDP-Kollege hält zu ihm

Emil Sänze schaltet die Öffentlichkeit ein

24
Emil Sänze. Foto: NRWZ-Archiv

Bei einer Veranstaltung des Unternehmerverbunds "Innovationsnetzwerk Schwarzwald-Baar-Heuberg" ist ein Landtagsabgeordneter der AfD erklärtermaßen nicht willkommen. Darauf reagiert dieser sauer. Diesen bislang telefonisch und per E-Mail privat geführten Konflikt hat der betroffene Politiker nun öffentlich gemacht. Es handelt sich um den Abgeordneten des Wahlkreises Rottweil, Emil Sänze. Sein Gegner in diesem Fall: ein Ex-Aktiver der SPD. Und dann ist da noch ein FDP-Mann, der sich mit dem AfD-Kollegen solidarisch erklärt.

AfD-Mann Emil Sänze wollte morgen die Veranstaltung "Start-ups und Mittelstand: So gelingt Partnerschaft!" besuchen und darf nicht. "Ich muss ihnen leider mitteilen, dass wir einen Vorstandsbeschluss haben, der da aussagt, dass wir niemand von der AfD offiziell hier bei uns haben möchten." Mit diesen Worten weist der Vorsitzende des "Innovationsnetzwerks Schwarzwald-Baar-Heuberg", Armin Frank, Emil Sänzes Ansinnen zurück. Der Abgeordnete reagiert darauf "mit großem Befremden." Er schaltet die Presse ein.

Am morgigen Dienstag, 23. Januar, soll es um die Belebung von Gründungsaktivitäten in der Industrieregion Schwarzwald-Baar-Heuberg gehen. Ein Thema, das den stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag offenbar interessiert hat. Deshalb hat er sich zu der Veranstaltung angemeldet.

Veranstaltung des Innovationsnetzwerks. Foto: pm

Die Antwort des Unternehmervereins fällt deutlich aus: "Sie sind als AfD-Mitglied nicht erwünscht in dieser Veranstaltung." Das spricht Armin Frank, Vorsitzender des Innovationsnetzwerks, auf Sänzes Anrufbeantworter. Dieser lässt eine Abschrift der Nachricht anfertigen und veröffentlicht sie. Gegenüber der NRWZ bestätigt Frank, Sänze mit diesen Worten ausgeladen zu haben. "Der Verein ist frei in solchen Entscheidungen", sagt er auf Nachfrage. Frank ist nach eigenen Angaben ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins und nicht mehr in einem Unternehmen tätig.

Sänze reagiert sauer. "Herrn Frank habe ich bereits telefonisch mein Unverständnis über diese hölzerne und jeglicher Begründung entbehrende Nachricht zum Ausdruck gebracht", schreibt er in einer Stellungnahme.

Weil "nicht nur die Mitgliedschaft des Innovationsnetzwerkes, sondern auch die Öffentlichkeit ein Recht darauf" habe, "von dieser skandalösen Maßnahme zu erfahren", hat Sänze die Medien eingebunden, an erster Stelle die NRWZ. Und die Mitgliedsunternehmen des Netzwerks von A bis Z. Rund 70 an der Zahl. Der AfD-Politiker macht damit das ganz große Fass auf.

Sänze argumentiert: "Wie man an dem Ausschluss-Beschluss erkennen kann, ist das Land politisch tief gespalten, wobei ihr Vorstand sich bemüßigt sieht, einseitig für eine politische Seite Partei zu ergreifen. Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass Armin Frank, ehemaliger Kreisvorsitzender der SPD im Schwarzwald-Baar-Kreis, bei der Mitwirkung an dem Beschluss eine gewisse politische Befangenheit an den Tag gelegt haben könnte."

- Anzeige -

Die "Ausgrenzung von Andersdenkenden" sei jedoch kein Mittel, "die tiefe politische Spaltung des Landes zu überwinden." Vielmehr bezeichnet Sänze das als ein Armutszeugnis für die  politische Kultur. Das "erinnert an düstere Zeiten der Deutschen Geschichte." Sie widerspreche zudem dem Grundsatz der politischen Gleichbehandlung und zeuge von "mangelnder Toleranz nicht nur gegenüber meiner Partei, sondern auch gegenüber den legitimen Interessen und Bedürfnissen breiter Teile der Deutschen Gesellschaft."

Da er, Sänze, als gewählter Abgeordneter Teil eines Staatsorgans sei, nämlich des Landtages, sei der Vorgang besonders kritisch zu sehen.

"Ihr Vorstand sollte Menschen doch nach ihren Taten und nicht einer vermeintlichen verwerflichen Gesinnung, die er in einem Menschen zu erblicken glaubt, bewerten. Sie haben mir nichts vorzuwerfen. Die Begründung für meine Ausladung bleiben sie mir schuldig", schreibt Sänze seinem Kontrahenten ins Stammbuch.

Schließlich sei er gerne bereit, weiterhin den Dialog anzubieten.

Frank lässt das einigermaßen kalt. Er steht zu der Entscheidung, sagt er der NRWZ. Und glaubt auch, dass er den mutmaßlich nun aufkommenden Gegenwind gut aushalten werde.

Der Rottweiler FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Aden hat sich zu Wort gemeldet. Ans Innovationsnetzwerk, das seinen Kollegen Sänze ausgeladen hat, und an die NRWZ schreibt er:

Sehr geehrte Damen und Herren!

- Anzeige -

Wegen Terminüberschneidung hatte ich mich zu Ihrer Veranstaltung "Start-ups und Mittelstand: So gelingt Partnerschaft!" nicht angemeldet. Nachdem Sie aber den Kollegen Sänze aus dem Landtag ausgeladen haben, was Ihr Recht ist, hätte ich meine Teilnahme abgesagt. Ich bin kein Freund der AfD , aber einen gewählten Volksvertreter des Landkreises Rottweil ohne Begründung auszuladen, ist nach meinem Demokratieverständnis falsch. Durch Ihre Entscheidung bestärken Sie das Gefühl mancher AfD- Mitglieder, sich in einer Opferrolle zu befinden.

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Aden

 

 

 

-->

4 Kommentare

  1. Ich bin mir sicher, man kann dort auf beide Berufspolitiker gut verzichten. Richtige Entscheidung!

  2. Ich finde Ausgrenzung nicht gut und bin der Meinung, dass miteinander
    sprechen mehr bringt als übereinander. In diesem Falle ist das Pikante
    jedoch, dass Herr Sänze etwas für sich einfordert, das er seinerseits
    anderen nicht gewährt. Der Oberausgrenzer beschwert sich, wenn er einmal
    ausgeschlossen wird. Die AfD lässt auf ihren Parteitagen nicht mal die
    Presse zu! Ich kann mich nicht an eine Pressemitteilung des Herrn Sänze
    mit dem Titel „Skandal! Journalisten vom AfD Parteitag ausgeladen!“
    erinnern. Das Gerechtigkeitsempfinden (sich selbst gegenüber) kennt
    anscheinend keine Obergrenze. Aber wehe, ihm widerfährt Böses! Dann
    schwingt er die Moralkeule, da darf bzw. soll die Presse berichten – und
    wehe, sie tut es nicht – „Skandal! Keiner beachtet uns!“, und er geht
    in seiner Opferrolle auf. Apropos Opferrolle: Ich war mal auf einer
    Podiumsdiskussion mit Herrn Sänze – da war er der Einzige, der nicht in
    der Lage war, sich sein Mikrofon an Kopf und Ohr zu befestigen. Sein
    Kommentar: „Die AfD bekommt mal wieder die schlechteste Qualität.“
    Schuld sind halt immer die Anderen.

    Und es gibt noch so viel mehr zu diesem Thema! Auf Sänzes facebook-Seite
    wird vom ach so wunderbaren Tausendjährigen Reich geträumt, aber wehe
    man bezeichnet ihn als Nazi oder auch nur als Rechtspopulist!

    Die AfD organisiert Reisebusse, um mit unflätigen Rufen, allzu oft tief
    unter der Gürtellinie, und Pfeifkonzerten Wahlkampfauftritte von Angela
    Merkel zu behindern – wenn wir aber vor der Rottweiler Stadthalle stehen
    und für den Klimawandel und für Familiennachzug demonstrieren – dann
    geht das ja gar nicht.

    Er fordert höchste political correctness ihm gegenüber, lässt es selbst
    aber allzu gern daran mangeln. Mich hat er schon mehrere Male beleidigt.

    Auch mit dem geltenden Recht zur Parteienfinanzierung nimmt er es nicht
    sehr genau: Auf der Wahlkampfveranstaltung in Rottweil wurde im Foyer
    fleißig Material der AfD-Landtagsfraktion verteilt – das ist verboten!
    Gilt in Sänzes Augen aber nicht für ihn.

    Und überhaupt – das Miteinander ist ihm sehr wichtig. Sieht man ja an
    der AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag: Vor lauter Zank und
    Streit muss man jeden Tag nachzählen, wie viele Abgeordnete denn gerade
    in der Fraktion sind und wer weg ist. Ob die Fraktion noch AfD heißt
    oder schon AfBW oder ganz anders…

    Wenn Ihr denkt ich übertreibe: Auf meiner Homepage gibt’s screenshots.

  3. Ich halte die Aktion von Herrn Frank für eine Sauerei.
    Die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei und es spricht nichts gegen die Teilnahme von AfD-Mitgliedern.
    Es heißt doch immer, man will die AfD mit Argumenten bloßstellen;
    dann tut das auch, und nicht mit Verboten!

  4. Die AfD ist eine respektable Partei. Sie wird von einem üblen Meinungskartell diffamiert und schikaniert.

    Trotzdem hat die AfD im letzten Jahr bei den drei Landtagswahlen und der Bundestagswahl sehr gute Ergebnisse eingefahren. Sie hatte bei allen Wahlen den größten Zuwachs: Saarland:AfD +6,2 %; Schleswig-Holstein: AfD +5,9 %; Nordrhein-Westfalen: AfD +7,4 %; Bundestagswahl: AfD +7,9 %.

    Sie sollte weiterhin gelassen und standfest ihre politischen Positionen halten und sich nirgendwo aufdrängen. Der "Genosse Trend" ist zurzeit an ihrer Seite.

    Ich bin gerne bereit, eine Lanze für die AfD zu brechen. Für mich ist insbesondere wichtig, dass sie sich gegen die Masseneinwanderung stemmt.

    Joachim Datko – Ingenieur, Physiker

Comments are closed.