“Weihnachten für die Aktionäre”

“Weihnachten für die Aktionäre”

Zum 25-jährigen Börsenjubiläum meldet die Gosheimer Maschinenfabrik Hermle AG erneut neue Rekorde. So stieg der Jahresüberschuss 2015 von 45,5 auf 58,8 Millionen Euro. Fast der gesamte Betrag kommt den Aktionären zugute.

GOSHEIM (här) — Da blieb auch dem sonst kritischen Aktionärsvertreter am Mittwoch bei der Hauptversammlung nur Lob: „Weihnachten für die Hermle-Aktionäre“, kommentierte Harald Klein die Erhöhung der Dividenden.

Aber auch die Mitarbeiter werden belohnt. Sie erhalten eine Erfolgsprämie von 70 Prozent eines Monatsgehalts plus einen Einmalbetrag von 500 Euro, der sich an der Dividende orientiert. Wegen der hohen Arbeitsbelastung hatte es bereits Ende 2014 eine Sonderzahlung gegeben.

Finanz-Vorstand Günther Beck, der vor mehr als 500 Aktionären den Geschäftsbericht erstattete, machte die Erfolgsgeschichte von Hermle – trotz der anfänglicher Krisenjahre – am Aktienwert fest. Er lag 1990 bei umgerechnet 16,30 Euro und bewegt sich jetzt, Stand Anfang Juli, bei rund 218 Euro.

Erfolgreich war auch der Generationswechsel an der Spitze. Das machte der langjährige Vorstandssprecher Dietmar Hermle deutlich, der im März 2014 sein Amt abgab und jetzt Vorsitzender des Aufsichtsrates ist. „Der Veränderung verlief harmonisch“, sagte er, „der Vorstand hat die Arbeit nahtlos fortgesetzt.“

Das belegen auch die Zahlen für die ersten fünf Monate 2015. Entgegen dem Branchentrend registrierte Hermle nach Angaben von Beck drei Prozent mehr Aufträge als im Vorjahreszeitraum; sie summieren sich auf fast 150 Millionen Euro. Im gleichen Maß stieg der Konzern-Umsatz auf 130 Millionen Euro. Dabei entwickelte sich das Russland-Geschäft besser als befürchtet. Beck: „Russland ist trotz der Sanktionen nach wie vor ein wichtiger Markt für uns.“ Dagegen seien die Umsätze mit den USA unter den Erwartungen geblieben.

Das operative Ergebnis sei insgesamt „stabil“. Nach der eher zurückhaltendern Erwartungshaltung des Finanzvorstands könnte die Hermle-Rekordserie in diesem Jahr erstmals unterbrochen werden. Für eine „Konsolidierung und Normalisierung“ der Geschäfte“ sprächen mehrere Faktoren: die abkühlende Konjunktur, die Russland-Sanktionen, große Risiken wegen schleppender Reformen und die Probleme in Griechenland und anderer Euro-Staaten. Trotzdem, so Beck auf Nachfrage von Aktionärsvertrter Klein: „Im Euro-Raum sind wir sehr erfolgreich.“

Doch der Finanzvorstand stellte auch heraus, dass Hermle für schwierige Zeiten gerüstet ist. Der zehn Millionen Euro teure Neubau mit 2000 Quadratmetern Produktionsfläche und 1700 Quadratmetern für Büros und Schulungen eröffne neue Möglichkeiten, auch für kostengünstigere Abläufe. Dort finde auch die für Projektgeschäfte und Automatisation zuständige Firma HSL, die sich bisher in Tuttlingen befand, Platz.

Zudem sei es Hermle gelungen, seine Produktpalette durch neueste Technologie-Trends und weitere attraktive Angebote zu erweitern. Nicht zuletzt: „Bankverbindlichkeiten suchen Sie bei uns weiterhin vergeblich.“ Das Eigenkapital habe sich um fast zehn Prozent auf gute 200 Millionen erhöht, und die flüssigen Mittel (Rücklagen) seien von 96,1 auf 96,7 Millionen Euro gestiegen. Das wichtigste Kapital, aber, so Beck, seien die Mitarbeiter: „Nur durch ihr großes Know how und ihren hoch motivierten Einsatz war das außergewöhnlich gute Ergebnis möglich.“

Hermle in Zahlen

Umsatz 2014: 346,6 Millionen (plus 13 Prozent)
Dividende: Die Ausschüttung pro Aktie stieg von 8,05 auf 10,85 Euro.
Bestelleingang 2014: 332 Millionen Euro (minus sechs Prozent).
Die Mitarbeiterzahl ist im vergangenen Jahr von 912 auf 964 gestiegen.
Die Firma HSL, die zum Konzern gehört und von Tuttlingen nach Gosheim ungezogen ist, hat die Zahl der Beschäftigten von 69 auf 77 gesteigert.
106 Lehrlinge bildete Hermle im vergangenen Jahr aus. Das sind 13 mehr als im Vorjahr und alle wurden übernommen.
Für die IT-Sicherheit betreibt Hermle viel Aufwand: Ein von außen simulierter Angriff auf die Daten scheiterte.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 9. Juli 2015 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/wirtschaft/weihnachten-fuer-die-aktionaere/93281