Die Dele­gier­ten der IG Metall Freu­den­stadt nah­men auf ihrer ers­ten Ver­samm­lung in 2018 den Koali­ti­ons­ver­trag unter die Lupe. Sas­kia Esken MDB war zum The­ma von der IG Metall in das Glat­te­ner Sport­heim gela­den. Dort prä­sen­tier­te Esken die Inhal­te des neu­en Regie­rungs­pa­piers und stell­te sich den Fra­gen der Metal­le­rin­nen und Metal­ler. Die IG-Metall berich­tet dar­über:

In ihrer Ein­lei­tung betont Sas­kia Esken, MdB, der neue Koali­ti­ons­ver­trag tra­ge zu 70 Pro­zent die Hand­schrift der SPD und beruft sich dabei auf Ana­ly­sen von Exper­ten. Ste­cken damit auch 70 Pro­zent sozia­le Gerech­tig­keit drin? In den ers­ten 100 Tagen soll das Rück­kehr­recht von Teil- auf Voll­zeit­be­schäf­ti­gung ein­ge­räumt wer­den. Zumin­dest in Betrie­ben mit mehr als 45 Mit­ar­bei­ten­den soll so ein Aus­stieg aus der Teil­zeit­fal­le, in der bekannt­lich vor allem Frau­en ste­cken, ermög­licht wer­den.

Sas­kia Esken bei der IG Metall. Fotos: pm

Dies trifft auf gro­ßen Zuspruch bei den Dele­gier­ten. Wei­ter soll das Ren­ten­ni­veau auf 48 Pro­zent sta­bi­li­siert wer­den. „Das ist ein wich­ti­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung“, so Uwe Kess, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der bei Jung­hans Micro­tec in See­dorf. Eine Erhö­hung über die „50-Pro­zent-Mar­ke“ sei jedoch uner­läss­lich, meint Kess wei­ter.

Auch die Tat­sa­che, dass man bei der Finan­zie­rung der Kran­ken­ver­si­che­rung wie­der zurück zur Pari­tät wol­le, stimmt die Freu­den­städ­ter Metal­le­rin­nen und Metal­ler opti­mis­tisch. Zur Arbeit­neh­mer­über­las­sung sind, Esken zufol­ge, kei­ne wei­te­ren Regle­men­tie­run­gen in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode geplant.

Doro­thee Diehm, ers­te Bevoll­mäch­tig­te der IG Metall Freu­den­stadt, übt schar­fe Kri­tik: „Die gesetz­li­chen Rege­lun­gen sind nicht aus­rei­chend. Im Gegen­teil, die Lücken sind offen­sicht­lich und wer­den von eini­gen Unter­neh­men jetzt miss­braucht– zu Las­ten der Leih­ar­beit­neh­men­den“. Seit April 2017 gilt eine gesetz­li­che Höchst­über­las­sungs­dau­er von 18 Mona­ten sowie „Equal Pay“ nach neun Mona­ten.

Bei­spiels­wei­se bei der HOMAG Plat­ten­auf­teil­tech­nik in Holz­bronn ist die Ansa­ge der Fir­men­sei­te klar: Nach 18 Mona­ten sei­en die Leih­ar­beit­neh­men­den raus und drei Mona­te spä­ter hole man sie wie­der – ganz ein­fach. „Das ist Geset­zes­um­ge­hung mit Ansa­ge“, so Diehm, „Es kann nicht sein, dass der Gesetz­ge­ber taten­los zuschaut! Fest­an­stel­lun­gen müs­sen wie­der zur Norm wer­den“.

Dar­an will auch die gro­ße Koali­ti­on arbei­ten, indem sie sach­grund­lo­se Befris­tun­gen erschwert und Ket­ten­be­fris­tun­gen abschafft. So heißt es zumin­dest im Koali­ti­ons­ver­trag. Die Regie­rungs­par­tei­en haben sich eini­ges vor­ge­nom­men, das für mehr sozia­le Gerech­tig­keit sor­gen kann. Noch sind dies Absichts­er­klä­run­gen, ent­schei­dend ist, was und wie die Umset­zung in den kom­men­den Jah­ren erfolgt.

Bis dahin wer­den die Betriebs­rä­te den Druck zur Über­nah­me von Leih­ar­beits­be­schäf­tig­ten in den Betrie­ben erhö­hen. „Nach ernst­haf­ten Gesprä­chen mit der Geschäfts­füh­rung wur­den die ers­ten zehn Leih­ar­beits­be­schäf­tig­te in ein befris­te­tes Arbeits­ver­hält­nis über­nom­men.“, so Armin Auer, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der der Fir­ma HOMAG Plat­ten­auf­teil­tech­nik in Holz­bronn.