Allerorten ist von Medienwandel die Rede. Beim Abschluss der 41. Deutsch-Schweizer Literaturtage vorigen Sonntag konnte man ihn hautnah erleben: Ihre Kurztexte über Rottweil lasen die Autorinnen und Autoren von Displays ab. Nur einmal raschelte Papier – eine Nachbetrachtung.
Dass es manchmal kein Zurück gibt, hat Wolfgang Schäuble seligen Angedenkens auf die legendäre Formel gebracht: „Isch over“. Damals, als Schäuble während der Griechenland-Krise 2015 ein Ultimatum verdeutlichte, kam es nicht so weit. Bei anderen Themen „isch“ wirklich „over“.
Auch in Sachen Mediennutzung konnte man vorigen Sonntag bei der Abschluss-Matinee der Deutsch-Schweizer Literaturtage in der Werkhalle der Hauser-Saline diesen Eindruck gewinnen. Dieses Finale ist traditionsgemäß ein Schaulaufen eigener Art. Werden die Gäste doch gebeten, ihre Rottweil-Eindrücke in knappe Texte zu gießen. Was dem Vernehmen nach zu schlafarmen Nächten, oft aber auch zu pfiffigen Ergebnissen führt.
Und diese Parade wurde zu einem Update in Sachen Medien. Denn sämtliche Literaten lasen ihre mal nachdenklichen, mal ironiegespickten und allesamt hörenswerten Texte von Digitalgeräten ab: Von Laptops, Tablets – oder gar vom handlichen Smartphone. Was ein bisschen aussah wie: Anruf zum Thema Rottweil.
Bei Elsa Koester hatte die Sache immerhin Stil: Das Knallrot des Smartphones was dasselbe wie das ihres Pullovers. Was im Übrigen auch mit dem Grundton ihrer Rottweil-Reflexionen harmonierte, fragte die „Freitag“-Autorin doch, ob die Stadt zu einer „blauen“ werden wolle.

Und bei Matto Kämpf gab es eine Passung von Performance und Inhalt. Denn Kämpf hatte das Dichten an eine KI delegiert, von der er Texte über Rottweil im Stile Martin Suters, Thomas Bernhards und Shakespeares liefern lies. Diese dann vom Display zu verlesen, war nur konsequent.
Aber ansonsten vermittelte die reine Digitalexistenz der Texte ein wenig den Eindruck des Schnellen und Vergänglichen. Was ja zur kurzen Vorlaufzeit, zum rasch gezimmerten Schriftsteller-Werkstück, durchaus passte. Zugleich aber zu denken gab, leben die Literatur und viele, die mit ihr zu tun haben, doch nach wie vor maßgeblich vom haptischen Buch, das verkauft werden will, um Existenzen zu sichern. Eine ganze Gruppe, papiervernarrte „Young Adults“, entdeckt das gerade für sich – und beschert der Branche neue Hoffnung.

Beim Finale der Deutsch-Schweizer Literaturtage fristete Papier auf dem Podium freilich nur eine Randexistenz. Da wirkte es wie eine ironische Pointe, dass Zehn vor Zwölf die Kunde eintraf, dass ein Zug, auf den zwei Teilnehmer für den Weg weg von Rottweil gesetzt hatten, kurzerhand ausfiel. Die schiere Trägheit der Bahn bildete zur papier- und ortlosen Digitalmoderne einen denkwürdigen Kontrast.

Zumindest einer hielt die Fackel des Greifbaren noch hoch: Der deutsch-spanische Lyriker und Essayist José F.A. Oliver, dem der Zieleinlauf der Textparade zukam. Er ließ zunächst mit einem Rottweiler Miniatur-Esel charmant die Herzen höher schlagen. Und nach seinen eigentlichen, vom Laptop rezitierten Zeilen, zückte er für ein Kurzgedicht noch ein Notizbuch. Kein Anruf, kein digitales Zuflüstern. „Das Gedicht ist – ein Narrensprung“, verlas er vom Papier. Applaus. Und over. Oder?
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