Gefrorene Autoscheiben im Winter: So bekommen Sie wieder freie Sicht

Autor / Quelle: Redaktion/pm
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Morgens ans Auto und die Scheibe ist zugefroren – für viele Autofahrer gehört das im Winter zur täglichen Routine. Besonders ärgerlich wird es, wenn nicht nur die Außenseite vereist ist, sondern auch die Innenscheibe. Doch mit den richtigen Tricks lässt sich das Problem schnell und schonend lösen.

Warum vereist die Scheibe von innen?

Das Phänomen der von innen gefrorenen Windschutzscheibe hat eine einfache Ursache: zu viel Feuchtigkeit im Fahrzeuginnenraum. Diese sammelt sich durch verschiedene Quellen an – nasse Schuhe und Kleidung nach einem Regentag, eingeschleppter Schnee, feuchte Fußmatten oder auch die Atemluft der Insassen. Steht das Auto nachts bei Minusgraden, schlägt sich die Feuchtigkeit auf der kalten Scheibe nieder und gefriert zu einer Eisschicht.

Erste Hilfe bei vereisten Innenscheiben

Der entscheidendste Schritt: Alle Türen für einige Minuten öffnen und das Auto komplett durchlüften. Die trockene, kalte Außenluft nimmt die feuchte Innenluft auf – das ist die Grundvoraussetzung, um das Problem dauerhaft zu lösen.

Bei dicker Eisschicht hilft der klassische Eiskratzer. Dabei sollte man vorsichtig vorgehen, um die Scheibe nicht zu zerkratzen. Eiskratzer mit Sägezahnkante eignen sich besonders für dickes Eis, während eine glatte Kante bei dünneren Schichten ausreicht.

Das beim Abtauen entstehende Schmelzwasser sollte sofort mit einem Tuch aufgenommen werden. Wichtig: Verwendete Lappen oder Handtücher auf keinen Fall im Auto lassen, da sie die Luftfeuchtigkeit wieder erhöhen und das Problem beim nächsten Frost erneut auftritt.

Sanfte Methoden für hartnäckige Fälle

Bei leichter Vereisung kann ein Schwamm ausreichen, um das Eis zu entfernen. Eine besonders schonende Methode ist die Wärmflasche: Mit heißem Wasser gefüllt und auf das Armaturenbrett gelegt, überträgt sie die Wärme langsam von unten auf die Windschutzscheibe. Nach etwa 30 Minuten taut das Eis teilweise oder vollständig auf, und die verbleibende Menge lässt sich deutlich leichter mit dem Eiskratzer entfernen.

Diese Methode ist umweltfreundlich, benötigt keine chemischen Zusätze und funktioniert ohne Kraftaufwand. Die Wärmflasche sollte dabei nie direkt die Scheibe berühren, um Spannungsrisse durch plötzliche Temperaturunterschiede zu vermeiden. Am besten legt man sie vor dem Frühstück aufs Armaturenbrett und nutzt die Wartezeit für andere Vorbereitungen.

Nach dem Freikratzen sollte man Gebläse und Heizung einschalten, um die restliche Feuchtigkeit schnellstmöglich zu beseitigen.

Vereiste Außenscheiben richtig behandeln

Auch die Außenseite der Scheibe benötigt im Winter besondere Aufmerksamkeit. Hier gibt es bewährte Methoden, um das Eis schnell und materialschonend zu entfernen:

Klassischer Eiskratzer: Das mechanische Freikratzen bleibt die schnellste Methode. Dabei sollte man in gleichmäßigen Bewegungen arbeiten und nicht zu viel Druck ausüben. Moderne Eiskratzer mit Messingklinge sind besonders effektiv und schonen die Scheibe.

Enteisungsspray: Diese Sprays lösen das Eis durch Alkohol oder Glykol auf und ermöglichen ein leichtes Abwischen. Sie sind besonders bei dickeren Eisschichten hilfreich. Allerdings sollte man sie nur außen anwenden – im Innenraum können sie gesundheitsschädlich sein und das Material angreifen.

Scheibenenteiser mit Abdeckung: Spezielle Folien oder Überzüge verhindern das Vereisen von vornherein. Sie werden abends über die Windschutzscheibe gelegt und am Morgen einfach abgezogen – die Scheibe darunter bleibt eisfrei.

Vorwärmung per Standheizung: Wer eine Standheizung besitzt, kann das Auto bereits vor der Abfahrt aufwärmen. Das Eis taut dann von selbst ab, während man noch im Warmen frühstückt.

Frostschutz im Wischwasser: Ausreichend Frostschutzmittel im Scheibenwaschwasser verhindert das Einfrieren und hilft beim Entfernen von Eisresten. Das Mischungsverhältnis sollte den zu erwartenden Temperaturen angepasst werden.

Was Sie unbedingt vermeiden sollten

Einige vermeintlich praktische Lösungen können mehr Schaden anrichten als nutzen:

Heißes Wasser: Das Übergießen der Scheibe mit heißem oder kochendem Wasser kann durch den plötzlichen Temperaturunterschied zu Spannungsrissen oder sogar zum Zerspringen der Scheibe führen. Selbst lauwarmes Wasser ist riskant.

Motor im Stand laufen lassen: Das minutenlange Warmlaufenlassen des Motors ist nicht nur umweltschädlich und lärmintensiv, sondern auch verboten und kann mit einem Bußgeld geahndet werden.

Scheibenwischer auf vereister Scheibe: Das Betätigen der Scheibenwischer bei vereister Scheibe kann die Gummilippen beschädigen und die Wischerblätter ruinieren.

Enteisungsspray innen: Wie bereits erwähnt, gehören Enteisungssprays nur auf die Außenseite der Scheibe.

Vorbeugen ist besser als Kratzen

Mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sich das morgendliche Eiskratzen deutlich reduzieren oder ganz vermeiden:

Feuchtigkeit raus aus dem Auto: Nasse Schuhe vor dem Einsteigen abklopfen, Schnee von der Kleidung entfernen und feuchte Stellen im Innenraum regelmäßig abwischen. Zeitungspapier auf den Fußmatten saugt Feuchtigkeit auf.

Luftentfeuchter nutzen: Spezielle Auto-Luftentfeuchter mit Silikat-Granulat oder selbstgemachte Lösungen in einem Baumwollsack entziehen der Luft die Feuchtigkeit.

Klimaanlage auch im Winter: Die Klimaanlage trocknet die Luft effektiv, auch bei Kälte. Gelegentliches Einschalten im Winter hilft, die Luftfeuchtigkeit zu reduzieren.

Lüftung vor dem Abstellen: Bevor man das Auto nach der Fahrt abstellt, sollte man es kurz durchlüften und die Heizung ausschalten. So gleichen sich Innen- und Außentemperatur an und es bildet sich weniger Kondenswasser.

Scheibe abends abdecken: Eine Thermomatte oder eine einfache Abdeckfolie auf der Windschutzscheibe verhindern das Vereisen über Nacht.

Fazit: Mit System gegen den Frost

Gefrorene Autoscheiben müssen kein Ärgernis sein. Wer die Ursachen kennt, die richtigen Techniken anwendet und vorbeugend handelt, kommt auch im tiefsten Winter stressfrei zur Arbeit. Die Kombination aus Feuchtigkeitskontrolle im Innenraum, schonenden Enteisungsmethoden und vorausschauender Vorbereitung sorgt für freie Sicht – ohne Kratzen, ohne Chemie und vor allem ohne Beschädigungen an Fahrzeug und Scheibe.