Klostergeschichte lebendig machen

Neue Ausstellung im Kloster eröffnet

Autor / Quelle: David Kuhner (dk)
Lesezeit 8 Min.
Viele Gäste kamen zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung zur Klostergeschichte ins Kloster Heiligenbronn. Foto: him

„Eine Quelle, die bewegt – alles im Fluss und weitere Klostergeschichten“- So lautet der Titel der neuen Dauerausstellung im Kloster Heiligenbronn. Mehr als ein Jahrzehnt hat es gedauert von der ersten Idee bis zur Eröffnung am Freitagnachmittag.

Schramberg. Das Kloster Heiligenbronn lud dazu in den Elisabetha-Glöckler-Saal nach Heiligenbronn ein. Etwa 150 Gäste folgten der Einladung. Nach einem Stehempfang begrüßte Generaloberin Schwester Dorothea Thomalla die Gäste. Sie erläuterte, die neue Dauerausstellung thematisiere die Geschichte von Kloster und Gnadenquelle vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung des Klosters seit 1857 und der von David Fuchs (1825-1885) gegründeten Kinderrettungsanstalt.

Es sei den Schwestern und der Stiftung „eine große Freude und Ehre“ die neue Ausstellung feierlich eröffnen zu dürfen. Sie erinnerte an eine von Ulrich Windhab konzipierte Ausstellung zum Thema „150 Jahre Kloster Heiligenbronn“ aus dem Jahr 2007. Aus Platzmangel musste diese Ausstellung nach und nach weichen, sodass am 28. April 2015 die Idee einer Neuauflage entstand.

Generaloberin Schwester Dorothea Thomalla. Foto: him

Finanzierungsprobleme

Nachdem Innenarchitekt Arkas Förstner im Januar 2022 konkrete Pläne vorlegte, mussten diese wegen der zu hohen Kosten vorerst „auf Eis gelegt“ werden, so Thomalla weiter. Erst ein erfolgreicher Förderantrag bei LEADER und ein Zuschuss der Stadt Schramberg ermöglichten letztlich die Umsetzung. Nach zehn Jahren, acht Monaten und 19 Tagen beziehungsweise 3945 Tagen sei nun der große Moment gekommen, an dem die Ausstellung eröffnet werde. Thomalla scherzte, dass die Projektgruppe natürlich nicht so lange ununterbrochen daran gearbeitet habe.

„Die Quelle steht für Leben, Neubeginn und Vertrauen“ und es fließe „immer neue Kraft für die Menschen“ aus ihr, betonte die Generaloberin. Deswegen sei es den Schwestern ein Herzensanliegen, die bis heute fortwirkende Geschichte des Gnadenbrunnens und seines Klosters „lebendig, zugänglich und verstehbar zu machen.“ Anschließend bedankte sie sich bei allen Förderern und Unterstützern, die zum Gelingen der Ausstellung beitrugen und übergab das Wort an Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr.

Gemeinderat hat unbürokratisch entschieden

Die Ausstellungseröffnung sei „ein sehr sehr schöner Termin“, weshalb sie sich freue, dass er auf so große Resonanz stoße, begann Eisenlohr. Besonders angetan sei sie von der Idee gewesen, dass hier „eine Ausstellung für alle“ entstehe.

Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr. Foto: him

Doch „außer Glauben und Vertrauen“ sei auch Geld nötig gewesen, das der Gemeinderat für diese „Sache schnell und unbürokratisch“ zur Verfügung gestellt habe. Schließlich sei es in Heiligenbronn „segensreich eingesetzt“, so Eisenlohr weiter. Es war zudem hilfreich, „dass die Anfrage vor der klammen Haushaltslage“ einging, was im Saal für heitere Stimmung sorgte.

Mit LEADER-Zuschuss umgesetzt

Mit Julia Kiefer, die die LEADER-Geschäftsstelle in Schiltach führt, folgte sogleich die nächste Vertreterin einer Förderstelle. Sie erläuterte, dass LEADER ein „europäisches Förderprogramm für die Entwicklung des ländlichen Raumes“ sei.

Julia Kiefer. Foto: him

Das 24-köpfige Gremium, das über die Anträge entscheide, habe bei dem Antrag aus Heiligenbronn nicht lange gezögert, da das Projekt gleich in mehreren Punkten überzeugte: Es bildet den Lebens- und Naturraum ab, schafft einen Begegnungsraum, stärkt das ehrenamtliche Engagement und sorgt für Chancengleichheit durch ein inklusives Konzept.

Enorme Arbeitsleitung

Von der Stiftung meldete sich anschließend der Vorstand Stefan Guhl zu Wort, der die enorme Arbeitsleistung der Ausstellungs-Arbeitsgruppe hervorhob. Er frage sich vor allem, was „die Geschichte den Menschen von heute“ erzähle? Die Ausstellung sei „persönlich, spirituell und menschlich“ und getragen vom Herzblut und Gottvertrauen der Generaloberin.

Stiftungsvorstand Stefan Guhl. Foto: him,

Der Stuckateurbetrieb von Thilo Wenzler übergab den Heiligenbronner Schwestern als Dankeschön eine große Tafel mit dem Schriftzug und Symbol des Klosters.

Das Klosterlogo in einer alten Putztechnik. Foto: him

Intensive Forschungsarbeit

Als ehemaliger Stiftungsarchivar und Projektleiter für die inhaltliche Ausarbeitung der Ausstellung informierte Ewald Graf die Gäste. Der langjährige Entstehungsprozess, bei dem Menschen mit verschiedenen Perspektiven zusammenkamen, sei nun abgeschlossen. Nun können Besucherinnen und Besucher „ein Stück weit in die Geschichte eintauchen“, versprach Graf.

Mit Unterstützung des Diözesanarchivs- und -museums in Rottenburg werden im Gang Grundrisse, historische Fotos und die weiteren 17 Filialen des Franziskanerinnenklosters dargestellt.

Gelungene Gestaltung mit Themenblöcken. Foto DK

Klosterleben, Klostergründer und Gnadenquelle

Im Schwesternzimmer können Interessierte in das Ordensleben eintauchen und sich über den Tagesablauf informieren. Ein Bildschirm ermöglicht zudem eine Recherche zu allen etwa 600 in Heiligenbronn tätigen Schwestern seit 1857.

Der Raum nebenan ist dem Wallfahrtspriester und Gründer der Kinderrettungsanstalt, David Fuchs, gewidmet. Seine persönlichen Reichtümer „passen in eine Vitrine“, stellte Graf fest. Daneben befindet sich sein Testament, das Graf jüngst in der Zeitschrift „D’Kräz“ des Museums- und Geschichtsvereins Schramberg thematisierte.

Auch in diesem Raum gibt es Recherchemöglichkeiten zu den in Heiligenbronn gepflegten Kindern.

Ewald Graf. Foto: him

Ebenfalls in den Blickpunkt fielen die Wallfahrt und die Gnadenquelle, die schon 1385 mit einem Tertiarbruder namens Konrad genannt sind. Ewald Graf appellierte an den Weitblick der Stiftung, die mit der Ausstellung „den langfristigen Wert des Klosterarchivs“ nicht vergessen solle. Erfreulicherweise erstellten zwei Schwestern in Zusammenarbeit mit dem SBBZ-Sehen ein Programmheft für Blinde in Blindenschrift. Außerdem hat die Schramberger Agentur Audiotextur einen Audioguide für die Ausstellung erstellt.

Geschlossener Ausstellungsraum mit Multimedia

Innenarchitekt Arkas Förstner berichtete schließlich über die Hintergründe zur Gestaltung der neuen Ausstellung. Von Beginn an war klar, dass sie attraktiv, interessant und nachvollziehbar sein soll und „im Idealfall einen Erlebnisraum schafft.“ Eine Herausforderung bildete der umfangreiche Inhalt, der auf dem begrenzten Platz präsentiert werden musste. Nach der Renovation der Räumlichkeiten habe man einen geschlossenen Ausstellungsraum geschaffen.

Anschauliche Ausstellung mit Multimedia-Möglichkeiten. Foto: DK

Der Multimedia-Einsatz komme der Ausstellung sogar doppelt zugute, da nachträglich noch weitere Informationen einspielbar sind. Als ideal für die Projektförderung erwiesen sich weiterhin die ressourcenschonenden Tafeln und die LED-Beleuchtung sowie die verschiedenen Handwerksbetriebe vor Ort.

Arkas Förstner. Foto: him

Kosten- und Zeitplan eingehalten

Froh war Förstner darüber, dass weder eine Kostenexplosion noch eine Terminverschiebung stattgefunden haben. Er hoffe, dass „wir viele Menschen in die Ausstellung holen“, um die Inhalte zu transportieren. Er schloss seine Ausführungen mit einer Empfehlung, die Ausstellung bald wieder zu besuchen.

In insgesamt vier Gruppen führten die Schwestern die Gäste durch die interessante Ausstellung. Für alle gleichzeitig, wäre es zu eng geworden. Im Elisabetha-Glöckler-Saal konnten diejenigen Besucher, die noch warten mussten, sich am Buffet stärken und miteinander plaudern.

Info: Die Ausstellung ist offen zugänglich zu den Öffnungszeiten der Wallfahrtskirche. Führungen können über das Koordinationsbüro des Klosters angemeldet werden. Telefon: 07422/569-3402, Fax: 07422/569-3412 E-Mail: info@kloster-heiligenbronn.de. Weitere Infos hier.

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen