Wohnungen im Kreis Rottweil knapp – und die Mieten heben ab

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Eine knappe Zahl an Wohnungen, steigende Mieten – das hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt für Rottweil und Umgebung diagnostiziert. Der Mieterverein Rottweil bestätigt die Analyse auf Nachfrage.

„Für die Mieten im Landkreis Rottweil gibt es seit Jahren nur eine Richtung – nämlich immer nach oben“, sagt Ilse Bruttel. Die Bezirksvorsitzende der IG BAU Südbaden beruft sich dabei auf eine Mietpreis-Analyse des Pestel-Instituts. Im Fokus der Untersuchung steht der Anstieg der Kosten fürs Wohnen, die der Staat übernimmt, wenn Haushalte auf Hartz IV angewiesen sind: Selbst die Kaltmiete für Wohnungen mit einfachem Standard ist demnach im Kreis Rottweil von 5,40 Euro pro Quadratmeter (im Januar 2015) auf 6,50 Euro (im April 2021) enorm angestiegen – ein Plus von 20,5 Prozent.

Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise haben im gleichen Zeitraum deutlich weniger zugelegt – nämlich um 9,8 Prozent, so das Pestel-Institut. „Die neue Bundesregierung muss sich enorm ins Zeug legen und für mehr Wohnungen sorgen“, so Ilse Bruttel. Es fehlten vor allem bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen – gerade auch im Kreis Rottweil.

„Die Situation im Kreis Rottweil ist damit Teil der bundesweiten Misere auf dem Wohnungsmarkt“, sagt der IG Bau-Bundesvorsitzende Robert Feiger. Das Drehen an der Mietspirale müsse ein Ende haben. „Die Mieten müssen wieder runter. Dafür muss der Neubau aber deutlich nach oben gehen – vor allem bei den bezahlbaren Wohnungen und bei Sozialwohnungen“, fordert Feiger. Deshalb müsse die neue Bundesregierung „schleunigst ein dickes Wohnungsbau-Paket“ auf den Weg bringen.

Guido Speiser, Vorsitzender des Mietervereins Rottweil, bestätigt den für Mieter nachteiligen Trend auf Nachfrage der NRWZ. „Aus unserer Beratungsarbeit können wir bestätigen, dass Wohnraum in Rottweil und den umliegenden Gemeinden äußerst knapp und die Kaltmieten stark gestiegen sind“, sagt der Mieterschützer. Eine Statistik hierzu führe der Mieterverein Rottweil aber nicht.

Speiser ergänzt: „Bezahlbaren Wohnraum für Familien wie Einzelpersonen unter Berücksichtigung, dass nicht mehr als 30 Prozent vom Nettoeinkommen für die Warmmiete aufgewendet werden soll, gibt es aktuell praktisch nicht.“

Die Rottweiler Mietwerttabelle schütze die Bestandsmieter. „Wir stellen aber fest, dass bei Neuvermietung die Werte in der Mietwerttabelle um 20 Prozent und teilweise mehr überschritten werden“, so Speiser. Sein Verein habe zudem Kenntnis, dass die Quadratmeterpreise im Neubau und der Erstvermietung zwischen 10 und 11 Euro lägen liegen.

Der Vorsitzende des Rottweiler Mietervereins liefert drei Beispiele, wie sich die Quadratmeterpreise nach der Rottweiler Mietwerttabelle in den vergangenen Jahren entwickelt haben – nämlich deutlich nach oben:

  • in der Baualtersklasse bis 1948, Ausstattung D, Jahre 2015 bis 2017: 4,00 Euro, aktuell: 4,80 Euro.
  • in der Baualtersklasse 1971 bis 1980, Ausstattung D, Jahre 2015 bis 2017: 5,40 Euro , aktuell: 6,00 Euro.
  • Baualtersklasse ab 2010, Ausstattung D, Jahre 2015 bis 2017: 7,10 Euro, aktuell: 7,85 Euro

Für viele Menschen sei sie so sicher wie der Tag, der auf die Nacht folgt: Die Mieterhöhung. „Beständig flattert sie bei den einen alle drei Jahre ins Haus, bei einem Staffel- oder Indexmietvertrag beglückt sie andere sogar jährlich“, hat der Deutsche Mieterbund festgestellt. Auch dieser gibt sich angesichts der Bundestagswahl politisch. Monika Schmid-Balzert von der Kampagne „Mietenstopp! Denn dein Zuhause steht auf dem Spiel“: „Die immer weiter steigenden Mieten müssen endlich auf die politische Agenda. Und es müssen schnelle und vor allem wirksame Lösungen her. Erster Schritt muss ein bundesweiter Mietenstopp sein. Denn bezahlbare Miete ist die soziale Frage unserer Zeit. Die Politik muss – wie bei den Themen Gesundheit und Klima – schnell handeln!“


Peter Arnegger (gg)https://www.nrwz.de
... ist seit gut 25 Jahren Journalist. Mehr über ihn hier.

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