Nach dem Abstauben ist die Eröffnung der alljährlichen Fasnetsausstellung meist die zweite Gelegenheit im Jahr, bei der Elferräte und Obernarren ganz offiziell ihre Mäntel und Kappen tragen können. Am Dienstagabend nutzten sie es ausgiebig. Aber auch viele andere Freunde der Schramberger Fasnet waren ins Schlossfoyer gekommen, um der „Hoorig Katz“ zu huldigen.
- Kein Dosenfutter für die Katz
- Konstante der Schramberger Fasnet
- „Hoorig Katz“ auch kulturgeschichtlich spannend
- Zeitungmachen lohnte sich
- Gegen die Obrigkeit
- … „doch scharf manchmal wie Zwiebel“
- Neubeginn 1949
- Was Echtes in der Hand
- Fritz Würz genannt Krummbein
- Narrenblättle lagen im Zeitgeist
- Viele Erinnerungen werden wach
Schramberg. Gongschlag sieben ertönte mit anfänglichen Holperern der Schramberger Narrenmarsch in einer historischen Aufnahme. Das Publikum hat eifrig mitgesungen und geklatscht.
Kein Dosenfutter für die Katz
Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr sprach von einer „liebgewordenen Tradition der Fasnetsausstellung“. Die Ausstellung 150 Jahre Narrenblättle würdige die älteste genau datierbare Fasnetstradition Schrambergs. Die “Hoorig Katz“ sei damit älter als die Narrenzunft. Sie habe aber „ständig Hunger und will statt Dosenfutter Gschichtle“, wie Eisenlohr richtig erkannt hat.

Die Oberbürgermeisterin nutzte die Gelegenheit, sich bei allen Akteuren zu bedanken, insbesondere bei Stefan Link, der mit der Hoorig Katz praktisch aufgewachsen sei. Links Vater Helmut war von 1968 bis 1987 Chefredakteur. Link habe auch die Gestaltung der Ausstellung übernommen, die „just in time, nämlich heute“ fertig geworden sei.
Konstante der Schramberger Fasnet
Zunftmeister Tobias Dold nannte die „Hoorig Katz“ eine der Konstanten der Schramberger Fasnet wie Hanselsprung, Bach-na-Fahrt und Zunftball. Beim Narrenblättle freue man sich, wenn man drinsteht. „Das ist kein auslachen, sondern ein miteinander lachen“, so Dold. „Unsere Missgeschicke machen uns menschlich.“

Die „Hoorig Katz“ habe aber immer auch Visionen präsentiert. „Wenn nur ein Teil davon umgesetzt worden wäre, wäre Schramberg noch bunter und schöner“, meinte der Zunftmeister und bekam ordentlich Lacher. Auch er dankte dem Redaktionsteam, das „mit viel Herzblut“ die Hoorig Katz gestalte.
„Hoorig Katz“ auch kulturgeschichtlich spannend
Stefan Link begann in Frack und Zylinder seinen Festvortrag. Er habe nach einem klugen Spruch gesucht und ihn schließlich gefunden, weil man ihn immer wieder sage, daheim, am Stammtisch oder neulich im Rathaus. „Ich hab‘ die Einladungen am 15. Dezember dort abgegeben – und am 9. Januar hend se se verschickt: Ha des isch doch was fürs Narreblättle!“

Er selbst habe die Hoorig-Katz-Arbeit „mit der Muttermilch aufgesogen“, als er seinem Vater beim Narrenblättle-Basteln zugeschaut habe. Dann schlüpfte Link aus dem Frack, zog sich Ärmelschoner, Druckerschürze und Schieberkappe über und schlüpfte in die Rolle von Heinrich Hammel, des Druckers, Schriftsetzers und Herausgebers der ersten Schramberger Zeitung, des Schwarzwälder Postillons.

Zeitungmachen lohnte sich
1873 war Schramberg eine aufstrebende Industriestadt, für die es sich lohnte, eine Zeitung herauszugeben. Drei Jahre später tat Hammel sich mit dem gebürtigen Heidelberger Friedrich Würz, genannt Krummbein, zusammen und verfasste das erste Schramberger Narrenglöckle.
Damals wurde die Reichsmark eingeführt, das Telefon und der Otto-Motor erfunden. Für die Leserschaft war das Blättle mit 20 Pfennig „extrem teuer“, so Link. Ein Arbeiter musste bis zu vier Stunden arbeiten, um sich das Blättle erwerben zu können. Fünf bis zehn Kilo Kartoffeln konnte man für 20 Pfennig kaufen.

Mit dem damals üblichen Bleisatz sei die Produktion der Zeitung sehr zeitaufwändig gewesen. Grafiken seien schwierig einzubauen gewesen und deshalb selten.

Gegen die Obrigkeit
Anhand des Erscheinungsbildes der späteren Ausgaben zeigte Link auf, dass der Postillon erfolgreich gewesen sein muss. Mehr Buchstaben, Linien und Grafiken erschienen – auch im Narrenglöckle. Von den Themen her unterschied sich das Glöckle kaum von der heutigen Hoorig Katz: „Es ging immer gegen die Obrigkeit.“
Die Ausgabe zum 25. Jubiläum 1901 erschien auf farbigem Papier, um das Besondere der Ausgabe hervorzuheben.
… „doch scharf manchmal wie Zwiebel“
1928 wurde zum „Schicksalsjahr“, wie Link es nannte. Im Blatt erschien eine bitterböse Anzeige, in der ein Karl im Fuchsbau „rassige Füchsinnen“ für seinen Fuchsbau suchte.
Der Betroffene nahm es nicht mit Humor, sondern zeigte den gesamten Elferrat an. Schließlich einigte man sich auf einen Vergleich. Seither aber erscheint in jeder Ausgabe der Narrenzeitung der Spruch, dass ein Narrenblatt eben „keine Kinderfibel“ sei. „Die Zeilen sind nicht spinnwebzart, doch scharf manchmal wie Zwiebel.“

Bei den Themen sei damals schon beklagt worden, die Stadt brauche eine Halle, der Bärensaal sei viel zu klein. Für eine „Universität für Zeitmessung“ habe man auch schon einen Platz, nämlich die Planie am Sonnenberg….
Neubeginn 1949
Mit Beginn des 2. Weltkriegs endete die Zeit der Narrenblättle, die NSDAP hat sie verboten. 1949 erschien dann die erste Narrenzeitung mit dem neuen Titel „Hoorig Katz“.
Link erinnerte an die Macher von damals bis heute, die auch immer eng mit der Druckerei verbunden waren. Als die Druckerei Straub 1976 den Offsetdruck einführte, waren auch Fotos machbar, ab 2001 sogar in Farbe.

Den größten journalistischen Coup landete die „Hoorig Katz“ mit der Enthüllung 2007, dass die „Schnupfelfinger Schnoogedatscher“ eine Erfindung der Band „Mauldäschle“ um Thomas Kuhner waren und zwei Jahre lang die Narrenzunft genarrt hatte. „Das ist Fasnet pur, wenn die Narren sich selber verseckeln“, so Link. „Grandios!“

Was Echtes in der Hand
Link erinnerte an die Coronajahre ohne Zunftball, ohne Hanselsprung und Da-Bach-na-Fahrt. Aber wenigstens die „Hoorig Katz“ habe es gegeben.
Am Ende seines mit langem Beifall bedachten Vortrags appellierte Link, die Hoorig Katz auch in Zukunft drucken zu lassen. Man brauche etwas Echtes in der Hand. Anschließend verteilte er ein Blatt mit der Titelseite des Schramberger Narrenglöckles von 1887 mit dem echten Geruch von Druckerschwärze.
Fritz Würz genannt Krummbein
Carsten Kohlmann ging in seiner Einführung in die Ausstellung auf den Begründer des Narrenglöckles ein und zitierte aus den Lebenserinnerungen von Emma Haaser aus der Sängerstraße.
Sie habe bedauert, dass es keine Gedenktafel für Fritz Würz gebe. Die Ausstellung sei nun eine Art Gedenktafel für ihn. Würz hatte seinen Bäckerberuf wegen eines Hüftleidens aufgeben müssen und sich selbstironisch „Krummbein“ genannt.

Er arbeitete als Verglaser und Hilfsgärtner in der Uhrenfabrik Gebrüder Junghans. „Nebenher betrieb er seit 1895 in seinem Haus in der Sängerstraße eine Bilder-, Spiegel- und Schreibwarenhandlung“, so Kohlmann.
Als Archivar bedauerte Kohlmann, dass die ersten Ausgaben von 1876 bis 1886 fehlten. Auch von Postillon gibt es im Archiv keine Ausgaben bis 1888. „Ihre Entdeckung wäre eines Tages auf jeden Fall eine stadtgeschichtliche Sensation.“
Narrenblättle lagen im Zeitgeist
Es sei nichts Ungewöhnliches gewesen, wenn im 19. Jahrhundert Narrenzeitungen gegründet wurden. Die Schramberger Narrenzeitung sei denn auch nicht das älteste Narrenblatt. Das stamme von der Narrenzunft Frohsinn 1853 Donaueschingen, das seit 1874 erscheine.
Auch Kohlmann erinnerte an die lange Reihe der Chefredakteure und ihrer unterschiedlichen Arbeitsweise. Zur Ausstellung meinte er, das sei bei einem zweidimensionalen Erzeugnis mit „Flachware“ ausstellungstechnisch etwas anderes als bei den raumfüllenden Hanselfiguren im vergangenen Jahr „Dennoch war uns eine Würdigung dieses fasnetsgeschichtlichen Spitzenjubiläums im Stadtmuseum Schramberg ein großes Anliegen.“
Schließlich gratulierte er Stefan Link zum Doppeljubiläum 150 Jahre Hoorig Katz und 25 Jahre Chefredakteur. Auch erinnerte er daran, dass seit 2013 regelmäßig die Serie „Blick auf die Geschichte der Fasnet“ erscheine.
Mit Körben voller Orangen bedankte sich Kohlmann schließlich bei Stefan Link, Siggi Brändle und Alexander Kohlen für den Aufbau der Ausstellung.




Viele Erinnerungen werden wach
Nach den Reden schlenderten die Eröffnungsgäste durch den Raum mit seinen Infowänden und Ausstellungsstücken, blätterten in den historischen Ausgaben und schwelgten in Erinnerungen. Im Museums-Café warteten Sekt und andere Getränke – und man mag es gar nicht laut schreiben – halbierte Butterbrezeln ohne Butter. „Ha des isch doch was fürs Narreblättle!“




