Es ist winterlich kalt im Frühling – und wie beim letzten Konzert im Januar drängen freitagabends dick eingepackte Menschen ins Refektorium. Zu Gast: Das Konrad-Mehl-Project mit Bernd Konrad (saxes, bcl), Magnus Mehl (saxes), Fedor Ruskuc (b) und Ferenc Mehl (dr). Serviert wird sehr freier Jazz, Eigenkompositionen, Kopfmusik, aber nicht nur. Wenn die Stimmung stimmt, legen sie noch einen drauf, orakelt der Veranstalter – und diese Ansage lösen die vier natürlich ein.
Beide Mehl-Brüder waren seinerzeit bei Bernd Konrad im Landesjazzorchester, kennen ihn ebenso lange Jahre wie ihren serbischen Mitstreiter am Bass. Waren die nicht alle gestern erst in Rottweil? Der Eindruck täuscht, bei Ruskuc sind es mehr als fünf Jahre, bei Konrad gar über ein Jahrzehnt. Und doch wirkt das Quartett sehr vertraut und agiert organisch, zugewandt und auf Augenhöhe.
Was die vier Musiker in zwei Sets präsentieren und wie sie dabei ihre Instrumente ausreizen, kann sich hören und sehen lassen: Das zirpt und brummt, quietscht und schreit, rumpelt und ruckelt verhalten, um alsbald wild und eruptiv in donnernde Kaskaden zu münden – und dabei vom Solo und Duett ins Quartett und wieder zurückzuwandern und zu mäandern, scheinbar ganz frei und doch sehr wohlstrukturiert, ob nun als Hommage an den Jazzkritiker J. E. Behrendt oder als augenzwinkernder Ameisenmarsch.
Natürlich klingen da weite Strecken die Bläser, doch Kontrabass und Schlagzeug haben ebenfalls viel Raum und wirken auf ihre ganz eigene Weise. Das darf auch ein kleines Glöckchen sein, oder der wackelnd in die Saiten geklemmte Bogen. Hauptsache, es tönt, und der Töne und Tonalitäten vernehmen wir wahrlich viele. Melancholisch seufzend? Klappernd, stöhnend, sirrend und marschierend, im Rhythmus springend, fast kakophonisch berstend? Alles dabei an diesem Abend, und die Stimmung stimmt.

Knapp 80 ist Konrad bereits und doch mit Ungestüm und Energie beseelt wie seine weitaus jüngeren Mitstreiter. Derweil sitzt im Publikum weitgehend unbeachtet der renommierte Experimentierkünstler Hubl Greiner und schneidet Szenen mit für einen Dokumentarfilm über Konrad. War nun auch einmal in Rottweil, ist begeistert von Location und Projekt – und damit in guter Gesellschaft. Ergo kommt auch die Zugabe, und ein weiteres Zugäbchen obendrein. Sie hat halt gestimmt, die Stimmung.















