Sperrung Schlichemklamm: Noch kein Ende in Sicht

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Der Mai lädt zum Wandern ein – und eine der schönsten Wanderstrecken im Landkreis, die Schlichemklamm zwischen Irslingen und Epfendorf, ist seit Wochen gesperrt. Daran wird sich, wie Recherchen der NRWZ zeigen, vorerst auch nichts ändern. Zumal weitere Gefahren ins Sichtfeld gerückt sind.

Umstürzende Eschen und abgestorbene Fichten hatten dazu geführt, dass das zuständige Forstamt Mitte März entschied: Es besteht Gefahr, Fußgänger dürfen die Klamm nicht mehr durchqueren. Ein Waldbesitzer hatte dies beantragt.

Seither ist das Tal zwischen Butschhof und Ramsteiner Mühle, in dem sich die Schlichem kurz vor ihrer Mündung in den Neckar tief in den Muschelkalk eingegraben hat, dicht. Freilich nicht so dicht, wie vor zwei Jahren, als der obere Zugang deutlich abgesperrt war.

Nun muss man schon genau auf Hinweisschilder achten, um nicht doch in den idyllischen Abschnitt einzubiegen, der nicht nur landschaftlich eine Augenweide ist, sondern auch einem besonderen Schatz an Pflanzen und Tieren Heimat bietet – bis hin zu Wasseramsel und Eisvogel. Dieser Reichtum in Verbindung mit dem Naturschauspiel, dass die Schlichem über Katarakte und Gumpen durch das enge Tal fließt, macht die Klamm zu einem Anziehungspunkt.

Ein herrliches Naturschauspiel bietet die Schlichemklamm. Archivfoto: al

Dass sie wieder geöffnet wird, hat daher für den Epfendorfer Bürgermeister Mark Prielipp, wie er im Gespräch mit der NRWZ erklärte, „hohe Priorität“. Viele Touristen, die die Klamm erkunden, wollten anschließend in Epfendorf einkehren, berichtet Prielipp, der zudem Vorsitzender der Tourismusgemeinschaft Schlichemklamm ist.

Auch die Gemeinde Dietingen habe „großes Interesse“, dass die Schlichemklamm wieder zugänglich wird, erklärte auf Anfrage der NRWZ Matthias Bart, Hauptamtsleiter beim dortigen Bürgermeisteramt. Ein kleiner Teil der Klamm liegt im Bereich der zur Gemeinde Dietingen gehörenden Gemarkung Irslingen, der weitaus größere auf Epfendorfer Gemarkung.

Aber die Gemeinden können in der Klamm wenig ausrichten. Denn die Grundstücke beidseits des Wasserlaufs befinden sich in der Hand privater Waldbesitzer. „Wir haben da so gut wie nichts zu melden“, bringt es Mark Prielipp auf den Punkt. Hinzu kommt, dass die Klamm seit den 1990er Jahren unter Naturschutz steht. Was zu einem dichten Geflecht an Regeln und Vorgaben führt, die zu beachten sind.

Für das weitere Vorgehen wurde daher jüngst ein runder Tisch eingerichtet. Dieser bringt, wie Andrea Schmider, Pressereferentin beim Rottweiler Landratsamt auf Anfrage der NRWZ erklärte, alle Betroffenen zusammen. Und das sind eine ganze Menge: „Angefangen vom Waldbesitzer, über die höhere Naturschutzbehörde und die höhere Forstbehörde beim Regierungspräsidium, das Wasserwirtschaftsamt, das Forstamt, die untere Naturschutzbehörde sowie die touristisch betroffenen Gemeinden im Schlichemtal“, wie Schmider auflistet.

In der ersten Maiwoche kam der runde Tisch zusammen. Es sei der Wunsch aller, „den Wanderweg für die Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen“, betont die Pressereferentin. Wann das geschehen kann, ist derzeit jedoch völlig offen. „Wir hoffen, dass wir in den nächsten Wochen Klarheit bekommen“, erklärte Schmider.

Die Schlichemklamm ist Teil des Schlichem-Wanderwegs. Foto: al

Die weitere Entwicklung hängt dabei nicht nur von den instabilen oder bereits umgestürzten Eschen und Fichten ab. Etwa auf halber Höhe der Klamm gibt es eine bis zum oberen Saum reichende offene Felswand – imposant anzuschauen, aber auch gefährlich. In den vergangenen Jahrzehnten hatten sich immer wieder auch große Teile der Gesteinsformation gelöst. Dabei kam es zu erheblichen Geröllbewegungen, zuletzt in den 1990er Jahren. Zu Schaden kam dabei glücklicherweise niemand.

Aktuell scheint die Wahrscheinlichkeit, dass sich wieder Gestein aus der Muschelkalk-Wand löst, jedoch wieder gestiegen zu sein. Wie hoch die Gefahr ist, werde nun von der Naturschutzbehörde geklärt, berichtete der Dietinger Hauptamtsleiter Matthias Barth der NRWZ.

Denn alle Beteiligten seien sich einig: In der Schlichemklamm dürfe es nicht zu einem Unglück wie in der Marienschlucht bei Bodmann-Ludwigshafen im Kreis Konstanz kommen. In dieser Naturschönheit am Steilufer des Bodensees, genauer am südlichen Überlinger See, hatte 2015 eine Wanderin bei einem Erdrutsch ihr Leben verloren. Seither ist das beliebte Naherholungsziel gesperrt.

Dass niemand zu Schaden kommen darf, unterstreicht auch der Epfendorfer Schultes Prielipp. Um so wichtiger sei es, die Gefahren zu erkennen und zeitnah für Abhilfe zu sorgen. Damit Wanderer die idyllische die Schlichemklamm wieder genießen können. Und das nicht erst nach so langer Wartezeit wie bei der Marienschlucht. Deren Wiedereröffnung ist einem Bericht des SRW zufolge für August geplant – nach rund acht Jahren Sperrung.

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