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Rottweil: Auf der Suche nach dem Maulwurf

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Für einen Journalisten ist das ein Scoop. Eine exklusive Meldung, die ein Medium früher als andere Medien verbreitet. So berichtete Redakteur Armin Schulz vom Schwarzwälder Boten Rottweil in seinem Beitrag „Kein Parkhaus und dennoch 70 neue Plätze“ von Ergebnissen einer an sich nicht-öffentlich diskutierenden Gruppe. Das erboste Stadtrat Dr. Peter Schellenberg ziemlich. Bürgermeister Dr. Christian Ruf bedauerte den Vorgang.

Klar: Auch wir Lokaljournalisten, auch wir Rottweiler, suchen ständig nach Meldungen, die die Kollegen vom anderen Blatt nicht haben. Gerade in den vergangenen Monaten ist – zur Freude sicherlich der Leser – eine Konkurrenzsituation zwischen der verbliebenen Tageszeitung und der selbst erklärten „cleveren Alternative“, der NRWZ, entstanden. In beider Berichte findet man vermehrt Hinweise wie „wir berichteten exklusiv“ oder „zuerst“ – was natürlich als Information an den Leser gerichtet ist, aber auch den Konkurrenten als langsamer, als uninformiert darstellen soll. Klar ist: Konkurrenz belebt das Geschäft und Belebung tut einer Zeitungslandschaft, auch einer lokalen, sehr gut.

Und so pendelt die Aktualität hin und her. Mal hat das eine Blatt die Nase vorn, mal das andere. Die Leser können sich dabei zurück lehnen und sicher fühlen: die Lokaljournalisten machen ihren Job.

Nun kann ein Journalist aber eigentlich nur so schnell sein wie die Nachricht selbst. Er kann sie, eigentlich, nicht vor deren Entstehen verbreiten. Er kann aber bestimmen, wann für ihn eine Nachricht eine Nachricht ist. Und sich damit über Abmachungen hinweg setzen, die zumal nicht mit ihm getroffen worden sind.

Der Fall: Weil die Stadtverwaltung sich festgefahren hatte bei der Suche nach einer guten und konsensfähigen Parkierungs-Lösung für Rottweil, hat sie eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. Die sogenannte Parkierungsgruppe. Darin: Vertreter der Stadtverwaltung – Bürgermeister Christian Ruf und der Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung, Lothar Huber -, Thomas Schlipf von der Gruppe „Aktiv für Rottweil“, Henry Rauner vom Bürgerforum Perspektiven Rottweil, die Vorsitzenden des Gewerbe- und Handelvereins, Detlev Maier und Karin Huonker, und die Stadträte Günter Posselt (CDU), Arved Sassnick (SPD), Hubert Nowack (Grüne), Michael Gerlich (FDP) und Heide Friederichs (FFR). Der Freie Wähler Dr. Martin Hielscher war kurzfristig verhindert und fand keinen Vertreter.

Diese Gruppe tagte nicht öffentlich. In einem „geschützten Rahmen“, wie Ruf das nennt. Den brauche es, um offen sprechen zu können. Gesprächsinhalte hätten also nicht nach draußen, an die Öffentlichkeit dringen sollen.

Geplant war statt dessen, die Ergebnisse aus der Gruppe in die nächstmögliche Gemeinderatssitzung zu bringen. Das wäre gestern gewesen. Der 14. März. Zehn Tage vorher aber stand alles, was die Gruppe als Kompromisslösung ausgearbeitet hatte, bereits im „Schwarzwälder Boten“. Der Autor befragte dazu nicht die Stadtverwaltung. Und er schränkte ein: „Entschieden ist noch nichts. In der Ältestenratssitzung am Dienstag soll vereinbart werden, wann das Thema im Gemeinderat behandelt und beschlossen werden soll.“

Eigentlich gut für den Leser, schlecht für die Sache. Stadtrat Peter Schellenberg macht der Vorgang sauer. „Wer aus der Arbeitsgemeinschaft hat mit Armin Schulz ein intensives Gespräch geführt?“, fragte Schellenberg in der Gemeinderats-Ausschusssitzung am Mittwoch. Ein Gespräch, das der Unbekannte nicht hätte führen dürfen, denn die Gruppe sei zur Verschwiegenheit verpflichtet gewesen.

Schellenberg: „Wer ist der Maulwurf? Und wer ist der Stadtverwaltung in den Rücken gefallen?“ Fragen, die rein rhetorischer Natur gewesen sind, da sie nicht beantwortet werden konnten (und von den anwesenden Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft keiner aufgestanden ist und sich selbst bezichtigt hat, der Maulwurf zu sein).

Schellenbergs Fazit: „Was hier geschehen ist, ist ein Skandal.“ Als Stadtrat habe er sich schlicht übergangen gefühlt.

Ein Skandal, der mutmaßlich folgenlos bleibt – außer, dass es sich der „Maulwurf“ aus der Parkierungsgruppe künftig überlegen wird, ob er nochmal so frühzeitig den Kontakt zur Presse sucht.

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