Das Landgericht Rottweil.

Wenn am kom­men­den Diens­tag ab neun Uhr das Urteil gegen den mut­maß­li­chen Drei­fach­mör­der Dra­zen D. gespro­chen wird – Beob­ach­ter rech­nen mit „Lebens­läng­lich” – dann könn­te es noch­mal einen gro­ßen Auf­lauf geben. Vor allem mit vie­len Jour­na­lis­ten rech­net die zustän­di­ge Land­ge­richts­kam­mer in Rott­weil. Ent­spre­chend sind soge­nann­te sit­zungs­po­li­zei­li­che Maß­nah­men ange­kün­digt wor­den.

Die lebens­lan­ge Haft­stra­fe – vor ihr steht Dra­zen D. Der 41-jäh­ri­ge, davon gehen selbst sei­ne bei­den Ver­tei­di­ger aus, hat am 14. Sep­tem­ber 2017 in Vil­lin­gen­dorf den gemein­sa­men Sohn (6), den neu­en Freund sei­ner Ex-Part­ne­rin und des­sen Cou­si­ne erschos­sen. Vor dem Land­ge­richt Rott­weil geht am kom­men­den Diens­tag der Pro­zess zuen­de. Mit­te März hat­te er begon­nen. 

Laut Staats­an­walt­schaft han­del­te Dra­zen D. damals heim­tü­ckisch, als er über die Ter­ras­se des Hau­ses in Vil­lin­gen­dorf vor­drang und auf sei­ne Opfer schoss. Und aus nied­ri­gen Beweg­grün­den, wes­halb die Ankla­ge auf Mord lau­te­te. Der lei­ten­de Ober­staats­an­walt hat in sei­nem Plä­doy­er das Gericht auf­ge­for­dert, auf „Lebens­lang” zu erken­nen. Und zudem die beson­de­re Schwe­re der Schuld fest­zu­stel­len. Damit bekä­me D. nicht nach 15 Jah­ren die Mög­lich­keit, nach einer Haft­prü­fung frei­zu­kom­men.

Ein psych­ia­tri­scher Gut­ach­ter erklärt, Dra­zen D. sei schuld­fä­hig. Er habe die Mor­de sei­ner Ansicht nach bewusst und geplant began­gen.

Die Tat macht fas­sungs­los, erschüt­tert auch erfah­re­ne Ver­tei­di­ger”, sag­te einer der bei­den Ver­tei­di­ger D.s in sei­nem Plä­doy­er. Die bei­den set­zen allen­falls auf etwas Mil­de des Gerichts. Dar­auf, dass eine mög­li­che schwe­re Per­sön­lich­keits­stö­rung des Ange­klag­ten, sei­ne Krank­heits­ge­schich­te und die Vor­ge­schich­te der Tat im Urteil Berück­sich­ti­gung fin­de. Sie baten um eine „Stra­fe mit Augen­maß”. 

Dra­zen D. selbst sag­te nicht mehr viel. Bloß: „Mehr als ‚es tut mir leid’ kann ich nicht sagen.”

Kom­men­den Diens­tag ab neun Uhr wird die Land­ge­richts­kam­mer nun ihr Urteil spre­chen und anschlie­ßend begrün­den. Schon zu Pro­zess­auf­takt, am 16. März, hat­te das Rott­wei­ler Land­ge­richt mit einem gro­ßen Medi­en­rum­mel gerech­net. Die Kam­mer hat­te daher beschlos­sen, zwar schrei­ben­den Jour­na­lis­ten unbe­grenz­ten Zugang zum Gerichts­saal bie­ten, nicht aber Foto­gra­fen und Kame­ra­leu­ten. Deren Zahl beschränk­te sie im Vor­feld, for­der­te sie zur Pool­bil­dung auf. Zuschau­er wur­den auch ein­ge­las­sen – Pro­zes­se sind in Deutsch­land grund­sätz­lich öffent­lich -, Sicher­heits­kon­trol­len aber waren ange­kün­digt wor­den. 

Dies ist nun wie­der­um der Fall.

Auch wird es wie­der einen sepa­ra­ten Ein­gang für die Besu­cher geben. Dazu heißt es in der Ver­fü­gung: 

Der Schwur­ge­richt­saal ist an den Haupt­ver­hand­lungs­ta­gen nur über das west­li­che Trep­pen­haus (Land­ge­richts­flü­gel, Sei­te zur Schil­ler­stra­ße hin) zu errei­chen. Die Haupt­trep­pe vom 1. in das 2. Ober­ge­schoss des Land­ge­richts­ge­bäu­des ist an die­sen Tagen gesperrt. Sie kann nur von Gerichts­be­diens­te­ten, den Sit­zungs­ver­tre­tern der Staats­an­walt­schaft, den Ver­tei­di­gern, den Neben­klä­ger­ver­tre­tern und den Neben­klä­gern, den Sach­verntän­di­gen, den Dol­met­schern, den Ver­tre­tern der Medi­en und den Zeu­gen – im zeit­li­chen Zusam­men­hang vor deren Ladung – benutzt wer­den.

Wäh­rend der Beför­de­rung des Ange­klag­ten im Auf­zug ist die­ser für die Benut­zung ande­rer Per­so­nen qesperrt. Im Übri­gen kann der Auf­zug bis zum 1. Ober­ge­schoss benutzt wer­den.

Hin­weis: Hier fin­den Sie unse­re Bericht­erstat­tung über den Drei­fach­mord von Vil­lin­gen­dorf.