OneCoin-Gründerin Ruja Ignatova wieder aufgetaucht?

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Vor wenigen Tagen ist die seit Oktober 2017 verschwundene Ruja Ignatova wieder aufgetaucht. Jedenfalls, wenn man einem Videoclip Glauben schenken mag. Die in Schramberg aufgewachsene Ignatova gilt als Gründerin von OneCoin, einer angeblichen Kryptowährung. Zusammen mit ihren Komplizen soll Ignatova einen Schaden von etwa 15 Milliarden US-Dollar weltweit angerichtet haben. Nachdem sie erfahren hatte, dass das FBI ihr wohl auf der Spur ist, tauchte sie am 22. Oktober 2017 in Athen unter – und blieb bis heute verschwunden.

Und erscheint nun in einem Video. Wirklich?

In  gut vier Minuten erzählt eine angebliche Dr. Ruja Ignatova, was es so Neues bei ihr und OneCoin gibt. Kenner der Szene sind überzeugt: das Ganze ist Quatsch. Jamie Bartlett, der für die BBC eine preisgekrönte Podcastserie produziert hat, nennt das Video eine „offensichtliche Fälschung“. Andere finden das Video „zum Brüllen“ komisch. Es sei sofort als Fälschung erkennbar für all diejenigen, die Ruja einmal gehört haben. Zum Beispiel hier.

Die echte „Cryptoqueen“ in einem Werbevideo vom 15.Januar 2017. Screenshot : him

Ruja ohne lackierte Fingernägel? Fälschung!

Detailliert auf die Fälschung geht „Behind MLM“ ein. Die Seite beschäftigt sich seit langem mit OneCoin. Laut Behind MLM  taucht das Video auf einer neuen website mit der Domain onelife.earth auf, einer Website, die es erst seit dem 24. Juli gibt. Das angebliche Video sei ein „Deep fakes video“, hergestellt mit künstlicher Intelligenz und viel Computerpower. Die Sprecherin, mutmaßlich eine Schauspielerin mit grellrot geschminkten Lippen und dunklem Augenmake-up, sei in ein anderes Video hineinkopiert. Dafür spreche die schwarze Kleidung der angeblichen Ruja und viele andere Details.

So sei ihr Akzent eher russisch denn bulgarisch. Eine andere Kennerin hat entdeckt, dass die Fingernägel der angeblichen Ruja nicht lackiert sind. Die Echte ohne rote Fingernägel? Unvorstellbar. In einer ersten Version des Videos waren sogar noch Kameraleute zu hören, wie sie der Schauspielerin gratulieren – auf russisch.

…und die angebliche aus dem Video. Screenshot: him

 

Was mehrere OneCoin-Experten vermuten: Die bisherigen Investoren in die Cryptowährung sollen erneut um ihr Geld gebracht werden. Das sei eine beliebte Geschichte bei solchen Schneeball-Betrugssystemen. Den Betrogenen wird vorgegaukelt, nun werde alles gut. Die Betrüger sind rausgeworfen, nun kommen die Ehrlichen zurück und sorgen dafür, dass die Investoren zu ihrem Geld kommen. Diese müssten nur ein bisschen dazu beitragen, weil leider, leider grade alle Gelder verschwunden sind…

Dr. Ruja: „Bitte schenkt mir was….“

Und genau so klingt es in dem angeblichen Video mit Dr. Ruja: Erst erzählt sie, sie selbst sei betrogen worden. Aber nun habe sie neue Ideen. Und sie sei „absolut sicher jetzt“. Aber das wichtigste, sie könne nun wieder kreativ werden. Sie wisse, dass die OneCoin-Investoren lange auf sie gewartet hätten. „Sie werden eine großzügige Belohnung für das Warten erhalten“, verspricht sie und fordert alle auf, dieses Video an alle Partner zu schicken und zu versichern, „Dr. Ruja is back to work“.

Und dann kommt’s: „We need resources.“ Sie brauche fianzielle Mittel, denn sie wolle nun mit den „Topexperten für Blockchains“ zusammenarbeiten, um eine „open source coin“ zu starten. Und dafür brauche sie die Finanzierung von ihren Zuschauerinnen und Zuschauern. Alle, die etwas spenden, würden besondere Tokens erhalten, die dann zu einem speziellen Vorzugspreis eingetauscht würden.

Schon bald werde sie ihre Reisetätigkeit wieder aufnehmen und die Länder besuchen, in die sie reisen könne. Und nach 4.16 Minuten schließt sie mit „One family – one life“.

„Es werden Leute  reinfallen“

Die neue Homepage nennt sich „OneCoin Relaunch“ und  zeigt neben dem Video auch ein altes Foto von Dr. Ruja. Man muss schon ziemlich vernarrt sein in OneCoin, um auf das Video hereinzufallen.

Aber wie meint BBC-Mann Bartlett auf twitter: „Thing is, you just know some people will fall for this. (Das Doofe ist, Du weißt, es werden Leute drauf reinfallen.)“

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.