Neues Buch zum Bauernkrieg in der Region: Freiheit zum Greifen nah

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Aus der Region zwischen Schwarzwald und Neckar gibt es keine zeitgenössischen Abbildungen des Bauernkriegs. Die Geschehnisse waren aber ähnlich wie jene, mit denen Jacob Murer die Abläufe in Weißenau dokumentierte – beispielsweise hier das Eindringen von Bauern dringen in das dortige Kloster.Foto: Ausschnitt aus der Weißenauer Chronik

Der größte Aufstand vor der französischen Revolution: Im Bauernkrieg 1524/25 erhoben sich Hundertausende für Mitsprache, Freiheit, Gerechtigkeit. Was zwischen Schwarzwald und Neckar geschah, dokumentiert auf dem neuesten Forschungsstand nun ein reich bebildertes Buch.

Am Samstag wurde es vorgestellt – druckfrisch. Die Präsentation bildete den Abschluss der höchst sehenswerten Ausstellung zum Bauernkrieg in der Region im Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt, die heute endet.

Dort mit originalen Objekten dargestellte Themen werden im Band nun vertieft und ergänzt – fachlich fundiert und zugleich gut lesbar. 90 Abbildungen auf 188 Seiten veranschaulichen das Leben zur Zeit des Aufstands. Schon beim ersten Blättern wird deutlich: Dieses ansprechend gestaltete Buch ist nicht nur für Experten gedacht, es erschließt das Thema für alle Interessierten.

„Zum ersten Mal gibt es ein Gesamtpanorama des Bauernkriegs zwischen Schwarzwald und Neckar“, freut sich Johannes Waldschütz, Leiter des Rottweiler Kreisarchivs, und einer der Mitherausgeber und Autoren des Bandes im Gespräch mit der NRWZ.

Vor den Bauernkrieg war die Abgabenlast vielerorts erdrückend: Ablieferung des Zehnten durch einen Bauern – dargestellt in einem Holzschnitt von Hans Schäufelein (Augsburg 1517). Repro: al

Welche Menschen wagten hier den Aufstand? Was wollten sie? Wo kam es zu Aktionen und Gewalt? Das lässt sich in dem Buch nun erschließen – anhand aktueller Quellenforschung und so flächendeckend wie nie.

Stellt man die heutigen Landkreise in den größeren Zusammenhang, wird deutlich: Die Region war ein Spätzünder. Erst im April 1525 breitete sich, ausgehend vom Kloster Alpirsbach der Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar aus. Unter der Führung von Thomas Mayer forderten die Aufständischen gerechte Abgaben und Mitbestimmung.

Nicht nur in den später berühmt gewordenen „Memminge Artikeln“ formulierten die Aufständischen ihr Forderungen, auch aus Dornstetten sind entsprechende „Artikel“ überliefern. Foto: Abbildung aus dem besprochenen Band

Dann aber, unterstreicht Johannes Waldschütz, gingen die Aufständischen des Bauernhaufens „vor dem Wald“ resolut vor und setzten sich militärisch durch: In rascher Folge eroberten sie Städte wie Dornstetten, Dornhan und Sulz sowie Klöster, Burgen und Schlösser. „Innerhalb von drei Wochen hatten sie die Region unter Kontrolle“, wie der Archivleiter resümiert.

Nimmt man alles zusammen, lässt sich die Signatur des Bauernkriegs in der Region mit zwei Begriffspaaren beschreiben: Kürze und Intensität der Ereignisse, vor allem aber Entschlossenheit und Disziplin als Erfolgsrezept der Aufständischen.

Blick ind neu erschienene Buch: Einer der Schauplätze des Bauernkriegs in der Region war Dornhan.

Der Band erschließt diese Dimensionen lebensnah. Er liefert damit nicht zu unterschätzende Mosaiksteine für das Gesamtbild des Bauernkriegs, das im Jubiläumsjahr in vieler Hinsicht neu gezeichnet wurde. Und er bietet wichtige Fundamentsteine für das Geschichtsbewusstsein und die Identität zwischen Schwarzwald und Neckar: Vor einem halben Jahrtausend haben Menschen hier mutig Demokratiegeschichte geschrieben.

Bei allen Kehrseiten, die nicht verschwiegen werden dürfen: Für drei Wochen war 1525 in der Region eine erst Jahrhunderte später erreichte Freiheit zum Greifen nah.

Info: Der Band „Der Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar“, herausgegeben von Johannes Waldschütz, Rainer Pohler, Louis-David Finkeldei und Cajetan Schaub im Auftrag der Landkreise Rottweil und Freudenstadt sowie der Stadt Sulz (188 Seiten, 90 Abbildungen, ISBN 978-3-7801-1031-2) 24 Euro.

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