Als Erste da

Rettungsdienst: Die Helfer vor Ort in Deißlingen

Andreas Maier, Fabian Grimm, Patrick Munding und Uwe Pfundstein sind vier der sieben Helfer vor Ort des Roten Kreuzes. Foto: Moni Marcel

Sie sind als Ers­te da, wenn jemand Hil­fe braucht und gewähr­leis­ten damit die schnel­le Ret­tung auch in weni­ger dicht besie­del­ten Gebie­ten: die Hel­fer vor Ort des Deut­schen Roten Kreu­zes. In Deiß­lin­gen gibt es der­zeit sie­ben davon, und sie kom­men auf rund 200 Ein­sät­ze im Jahr, Ten­denz stei­gend.

Als Uwe Pfund­stein 1996 mit dem Ret­tungs­dienst auf­hör­te, kam dem Deiß­lin­ger die Idee der Hel­fer vor Ort. „Ich bin in zwei bis drei Minu­ten da, der Ret­tungs­wa­gen brauch­te damals noch eine Vier­tel­stun­de.” Bis dahin wur­den die ört­li­chen Ret­ter nur bei Brän­den oder Unfäl­len dazu geru­fen. Der dama­li­ge Kreis­ge­schäfts­füh­rer fand die Idee gut, man pro­bier­te es ein hal­bes Jahr lang aus, und dann wur­den aus den eins­ti­gen Nach­bar­schafts­hel­fern „First Respon­der” oder eben die Hel­fer vor Ort (HvO). Inzwi­schen haben alle Kreis­ge­mein­den wel­che, in Deiß­lin­gen gibt es inzwi­schen sie­ben davon.

War­um man das in sei­ner Frei­zeit macht, manch­mal mit­ten in der Nacht auf­steht, um zu hel­fen, und das rein unent­gelt­lich, erklärt Andre­as Mai­er: „Wir leis­ten schnel­le, effek­ti­ve Hil­fe, und es ist ein­fach toll, wenn man die Leu­te spä­ter wie­der trifft und ihre Dank­bar­keit spürt.” Dabei ist es wahr­lich kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be, „man lässt alles ste­hen und lie­gen, auch mal das war­me Essen. Die Fami­lie muss das natür­lich mit­tra­gen.”

Und manch­mal erwar­tet die Hel­fer rich­tig Har­tes: Leu­te, die sich vor den Zug gewor­fen haben, aus­ar­ten­de Fami­li­en­strei­tig­kei­ten, oder, am schlimms­ten für alle, ver­letz­te Kin­der. „Mei­ne ers­te Kin­der­re­ani­ma­ti­on wer­de ich nie ver­ges­sen”, erzählt Patrick Mun­ding. Beson­ders schlimm war das für ihn, weil das Kind nicht über­leb­te. Auch schwe­re Unfäl­le gehen den Ret­tern oft lan­ge nach, und manch­mal brau­chen sie danach selbst Hil­fe. Dann bie­tet sich ein Gespräch mit Dia­kon Elmar Schmeh an, der jah­re­lan­ge Erfah­rung damit hat, oder auch mit dem Poli­zei­psy­cho­lo­gen Max Her­manutz. Meist hilft es aber schon, wenn die Hel­fer sich mit­ein­an­der aus­tau­schen.

Ers­te Hil­fe leis­ten, den Ret­tungs­dienst auf dem Lau­fen­den hal­ten, ihm oft auch den Weg wei­sen, das sind die Auf­ga­ben der Hel­fer vor Ort: „Unser Wagen steht dann ja vor der Tür, dann wis­sen sie auch gleich, wo sie hin­müs­sen.”, sagt Uwe Pfund­stein. Und oft sind die Leu­te, die den Not­ruf abset­zen, so auf­ge­regt, dass sie kei­ne genau­en Anga­ben machen kön­nen, und die ört­li­chen Ret­ter kön­nen dann dem Ret­tungs­dienst sagen, ob bei­spiels­wei­se ein Not­arzt gebraucht wird oder nicht. Oder es wird ein Unfall mit einem Ver­letz­ten gemel­det, und dann stel­len die Hel­fer fest, dass es drei sind.

Meist sind es inter­nis­ti­sche Not­fäl­le, bei denen die Hel­fer reani­mie­ren oder Sauer­stoff ver­ab­rei­chen. Der Not­fall­ruck­sack gehört natür­lich zur Grund­aus­stat­tung, samt mobi­lem Defi­bril­la­tor. Inzwi­schen haben die Deiß­lin­ger auch einen neu­en Ret­tungs­wa­gen, der alte Mer­ce­des-Kom­bi mit leuch­tend rotem Strei­fen hat aus­ge­dient und wird dem­nächst von der Feu­er­wehr zer­legt.

Nach­wuchs­sor­gen hat das Deiß­lin­ger DRK nicht, erstaun­li­cher­wei­se. Denn in den letz­ten zwei Jah­ren haben die Ehren­amt­li­chen unzäh­li­ge Stun­den damit ver­bracht, ihre Begeg­nungs­stät­te an der Bahn­hof­stra­ße her­zu­rich­ten, aus einer Bau­rui­ne ein schmu­ckes Zen­trum zu machen. „Wir haben in der Zeit sogar zwei Hel­fer dazu­be­kom­men”, freut sich Pfund­stein. Aus­ge­bil­det wer­den sie inten­siv, müs­sen auch eine Zeit­lang im Ret­tungs­wa­gen mit­fah­ren, um genü­gend Erfah­rung zu haben. Und das Ver­trau­en der Leu­te, denn es gibt auch Ein­sät­ze, wo bei­spiels­wei­se eine Mut­ter mit dem schwer­kran­ken Kind in die Kli­nik fährt und die DRK-Hel­fer solan­ge auf die Geschwis­ter auf­pas­sen.

In heu­ti­gen Zei­ten könn­te das durch­aus zu heik­len Nach­spie­len kom­men, „aber bei uns ist noch nie was pas­siert”, weiß Pfund­stein. Zwei Stun­den Ver­hör bei der Kri­po, das hat er aber schon erlebt, nach­dem ein Säug­ling trotz Reani­ma­ti­on starb. Das muss sein, weiß Pfund­stein, denn schließ­lich muss her­aus­ge­fun­den wer­den, wor­an genau das Kind gestor­ben ist. Aber alles in allem über­wiegt bei allen Hel­fern das gute Gefühl, Men­schen in Not hel­fen zu kön­nen.