Rottweil. Eine marode Brücke über die Prim, ein unter Denkmalschutz stehendes Kulturgut – und eine recht clevere Lösung: Die Stadt Rottweil will das historische Bauwerk am Oberen Bohrhaus sanieren und gleichzeitig in das städtische Radwegenetz einbinden. Der Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss befasst sich am Mittwoch, 20. Mai, mit dem Vorhaben.
Wer von Neufra oder Wellendingen mit dem Fahrrad nach Rottweil will, hat bislang keine komfortable Wahl: Entweder man nimmt den langen Umweg durchs Primtal am Unteren Bohrhaus in Kauf – oder man riskiert die vielbefahrene Kreisstraße. Diese unbefriedigende Situation soll sich noch in diesem Jahr ändern. Wenigstens ein bisschen.
Brücke mit schlechter Zustandsnote
Der Auslöser für das Projekt ist wenig romantisch: Bei einer turnusmäßigen Brückenprüfung erhielt das Bauwerk BW 7817 008 über die Prim beim Oberen Bohrhaus im Jahr 2024 die Note 3,9 – und damit eine Bewertung, die einen sehr ungenügenden Zustand bescheinigt. Besonders die Verbreiterungen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für den motorisierten Verkehr angebaut wurden, sind stark schadhaft. Das historische Brückenbauwerk selbst steht unter Denkmalschutz – und genau dieser Umstand spielte bei der Lösungsfindung eine entscheidende Rolle.
Ursprünglich hatte die Verwaltung erwogen, die Brücke schlicht aus dem öffentlichen Verkehr herauszunehmen und das dahinterliegende Privatgrundstück anderweitig zu erschließen. Doch der Geschichts- und Altertumsverein setzte sich für den Erhalt des Kulturdenkmals ein – und bei einem Ortstermin zeigte sich: Das Bauwerk lässt sich sinnvoll in das Radwegenetz integrieren, ohne eine aufwändige Vollsanierung vornehmen zu müssen.

Kürzere Route, mehr Sicherheit
Das ist der Kern des Vorhabens: Künftig sollen Radfahrerinnen und Radfahrer direkt über die Primbrücke am Oberen Bohrhaus geführt werden, von dort an die Neufraer Straße angebunden. Der neue Weg schließt damit eine bestehende Lücke im Radwegenetz und verkürzt den Abschnitt, auf dem Radfahrer auf die stark befahrene Kreisstraße ausweichen müssen – ganz entfällt dieser Abschnitt allerdings nicht. Auch der künftige Radweg aus Richtung Neufra und Wellendingen wird weiterhin entlang der vielbefahrenen Straße verlaufen. Und in Gegenrichtung ändert sich gar nichts.
Was an der Brücke gemacht wird
Für die Nutzung als Radweg sind zunächst überschaubare Eingriffe vorgesehen: Ein Stabgitterzaun entlang des Brückengeländers soll die Absturzsicherheit gewährleisten. Den aufwändigen Rückbau der nicht historischen Verbreiterungen und die Sanierung des historischen Mauerwerks plant die Stadt für einen späteren Zeitpunkt. Das Bachbett der Prim wird so überarbeitet, dass Wasserlauf und ökologische Durchgängigkeit verbessert werden. Vorhandene Höhlenstrukturen an der Brücke, die Vögeln als Brutstätten dienen, sollen dabei weitgehend unangetastet bleiben.
Kosten im Rahmen
Für die Gesamtmaßnahme rechnet die Verwaltung mit rund 80.000 Euro – aufgeteilt in etwa 35.000 Euro für die Radweganbindung an die Neufraer Straße inklusive Beschilderung sowie 45.000 Euro für die Sicherungsmaßnahmen an der Brücke. Im Haushalt 2026 sind für das Areal bereits 85.000 Euro eingestellt, der Kostenrahmen ist damit gedeckt.
Der Gemeinderat soll am Mittwoch der Planung und der Umsetzung noch in diesem Jahr zustimmen.





