„Es gibt sogar Pyramiden im Kreis“

Buchvorstellung „Kulturdenkmale in Baden Württemberg – Landkreis Rottweil“

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1200 Seiten, fünfeinhalb Kilo schwer: Nach zehnjähriger Arbeit wurde am Dienstag im Landratsamt das zweibändige Werk zur Topografie der Denkmäler im Landkreis Rottweil vorgestellt.

Landkreis Rottweil – „Was für ein Werk!“, bewunderte der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Professor Dr. Claus Wolf, das neueste Werk aus seinem Haus. Die Reihe der Dankmal-Topografien im Land habe sich bisher auf Stadtkreise und größere Städte beschränkt, und Rottweil sei der erste Landkreis. „Es wird über Jahrzehnte ein Standardwerk bleiben“, sagte er voraus.

Und dennoch werde es nur noch eine Ausgabe der Reihe in Druckform geben, sagte er: Künftig werde sich sein Amt auf Online-Plattformen konzentrieren, die schneller mit Teilergebnissen bestückt werden und auch „neuen Gegebenheiten angepasst“ werden könnten.

Einen Gang durch die Geschichte der Denkmalpflege in Baden-Württemberg unternahm Festredner Dr. Patrick Jung vom Landesamt für Denkmalpflege. Den Anfang setzte er in Rottweil: Von den Vereinen, die ab den 1830er-Jahren gegründet wurden sei der hiesige „Verein zur Auffindung von Altertümern“ 1831 der erste gewesen – der Verein, der sich inzwischen in Geschichts- und Altertumsverein umbenannt hat. „Rottweil ist eine der Wiegen der Denkmalpflege in Baden-Württemberg“, stellte Jung fest. Erst später kamen die Denkmal-Spezialisten der drei Länder Baden, Hohenzollern und Württemberg. Ihre Aufgabe sei zunächst die Sammlung von Wissen, nicht die Erhaltung der Denkmale gewesen. Eine systematische Erfassung der Denkmale gebe es seit 1857.

1972 wurde das Denkmalschutzgesetz des Landes verkündet. Ein Denkmal müsse danach denkmalfähig und denkmalwürdig sein. Es müsse also nach dem Gesetz aus „wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse“ bestehen.

Jung erwähnte ein paar herausragende Beispiele aus dem Werk, das rund 450 archäologische und etwa 2500 Bau- und Kunstdenkmale aufführt. Das älteste bekannte Wohnhaus wurde 1247 in Rottweil erbaut, das Linksche Haus in der Hauptstraße 62. Das längste in dem Buch erwähnte Denkmal ist die Bahnstrecke von Rottweil zum Trossinger Staatsbahnhof nebst Bauwerke und Tunnel, 1867 bis 1869 erbaut. Das neueste Denkmal im Buch sei die Neckarburg-Brücke der Autobahn 81 bei Villingendorf, 1975 bis 1978 erbaut. Und das jüngste der zahlreichen Denkmale ist das Wohnareal mit Skulpturenpark im Hauser-Areal. „Sie sehen, es gibt sogar Pyramiden im Kreis Rottweil“, merkte er an.

„Ein gewichtiges Standardwerk“, fand Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel: „Wenn Sie das in Ihren Bücherschrank stellen, prüfen Sie vorher die Statik“, meinte er und riet zur „Entdeckungsreise“ in den beiden Bänden.

Trotz des regnerischen Wetters waren am Dienstagabend zahlreiche Interessenten gekommen, um die Vorstellung mitzuerleben – und gleich ein Exemplar zu erstehen.

Das älteste bekannte Wohnhaus im Buch: Hauptstraße 62 in Rottweil, neben dem „Sternen“. Foto: wede
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Wolf-Dieter Bojus
... war 2004 Mitbegründer der NRWZ und deren erster Redakteur. Mehr über ihn auf unserer Autoren-Seite.