Kinderpornos: Anderthalb Jahre Haft ohne Bewährung +++aktualisiert

57-jähriger Mann muss ins Gefängnis

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Sitzungssaal 1 im Amtsgericht Oberndorf. Foto: him

Amts­ge­richts­di­rek­tor Wolf­gang Heu­er ließ sich nicht erwei­chen. Er ver­ur­teil­te einen 57-jäh­ri­gen Mann aus dem Raum Obern­dorf zu einer Haft­stra­fe von einem Jahr und sechs Mona­ten, weil die­ser mehr als 4000 kin­der­por­no­gra­fi­sche Bil­der auf sei­nem PC und auf Daten­trä­gern beses­sen hat­te. Wegen der über­lan­gen Ver­fah­rens­dau­er wer­den dem Ange­klag­ten zwei Mona­te Haft­zeit als ver­büßt ange­rech­net.

In sei­nem Schluss­wort hat­te der Ange­klag­te noch beteu­ert, es tue ihm leid und er wer­de „das Gefäng­nis nicht über­le­ben”. Heu­er dage­gen beton­te, der Ange­klag­te habe „das alles sich selbst zuzu­schrei­ben” und sprach im Urteil von einer „per­ver­sen Per­sön­lich­keit”.

Unbelehrbar

Der 57-Jäh­ri­ge war wegen des Besit­zes kin­der­por­no­gra­fi­scher Bil­der ange­klagt, die die Poli­zei bei einer Raz­zia im März 2015 bei ihm gefun­den hat­te. Bei einer ers­ten Ver­hand­lung am 28. Febru­ar hat­te Heu­er ange­ord­net, dass Poli­zei­be­am­te gleich noch ein­mal in der Woh­nung des Ange­klag­ten Com­pu­ter und Daten­trä­ger beschlag­nah­men. Und wie­der waren die Beam­ten fün­dig gewor­den.

Sie hat­ten unter mehr als 50.000 Bil­dern 31 Ver­dachts­bil­der kin­der­por­no­gra­fi­schen Inhalts gefun­den, wie eine Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sa­rin als Zeu­gin berich­te­te. Und dies obwohl der Ange­klag­te behaup­tet hat­te, seit der Raz­zia 2015 sol­che Bil­der höchs­tens noch ange­schaut, aber nie gespei­chert zu haben.

Gutachter: ungünstige Prognose

In sei­nem Gut­ach­ten hat der Psych­ia­ter Ralph-Micha­el Schul­te fest­ge­stellt, dass der Ange­klag­te zwar eine „dis­so­zia­le Per­sön­lich­keit“ sei mit feh­len­dem Selbst­be­wusst­sein. Er sei „kern­pä­do­phil” und habe ein Alko­hol­pro­blem. Aber sei­ne Steue­rungs­fä­hig­keit sei nicht auf­ge­ho­ben, sei­ne Schuld­fä­hig­keit nicht ein­ge­schränkt. Schul­te stell­te eine eher ungüns­ti­ge Pro­gno­se: Der Ange­klag­te­ha­be bis­her kei­ne The­ra­pie gemacht, er habe weni­ge Kon­tak­te und bis­her nichts an sich geän­dert.

Rich­ter Heu­er woll­te wis­sen, wie wahr­schein­lich es sei, dass der Ange­klag­te, der in den 90er Jah­ren drei Mal wegen sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern ver­ur­teilt und des­halb gut zwei Jah­re im Gefäng­nis saß, wie­der Kin­der anspricht. Zumal wenn er die Mög­lich­keit des Inter­nets nicht mehr habe. Schul­te mein­te, er habe dafür „kei­ne Anhalts­punk­te“, es sei „nicht wahr­schein­lich, aber mög­lich“.

Gefahr für die Allgemeinheit?

Der Ver­tre­ter der Staats­an­walt­schaft plä­dier­te auf ein Jahr und sechs Mona­te Haft ohne Bewäh­rung. Wegen der lan­gen Ver­fah­rens­dau­er soll­ten drei Mona­te als ver­büßt gel­ten. Der Ver­tei­di­ger fand es schwie­rig ein­zu­schät­zen, wel­che Gefahr vom Ange­klag­ten aus­ge­he. „Wahr­schein­lich bleibt es bei Phan­ta­sie.“ Er plä­dier­te für eine Bewäh­rungs­stra­fe, denn im Straf­voll­zug sei eine Behand­lung nicht mög­lich. Über einen Bewäh­rungs­hel­fer und Auf­la­gen sei die Sexu­al­the­ra­pie mach­bar.

Der Ange­klag­te selbst erklär­te in sei­nem Schluss­wort, er sei bereit für eine The­ra­pie. „Ich will mit sol­chen Sachen nichts mehr zu tun haben.“

Rich­ter Heu­er mach­te in sei­ner Urteils­be­grün­dung klar, dass bei den kin­der­por­no­gra­fi­schen Bil­dern eben immer auch ein ech­ter Miss­brauch vor­aus­ge­he: „Ohne rea­les Gesche­hen gibt es die Bil­der nicht.“ Was die Kin­der erdul­den müss­ten und wel­che spä­te­ren Fol­gen es für die­se habe, sei uner­mess­lich. „Es ver­schlägt einem den Atem, wozu Men­schen fähig sind.“

Der Ange­klag­te sei eine gestör­te Per­son, der es schwer fal­le, die Wahr­heit zu sagen. Er sei noch genau­so gefähr­lich wie 2015, als er auf­ge­flo­gen war. Für die nun bei ihm gefun­de­nen wei­te­ren Bil­der wer­de es ein wei­te­res Straf­ver­fah­ren geben. Die jet­zi­ge Stra­fe sei „ein deut­li­ches Signal“. 

Heu­er mach­te dem Ange­klag­ten klar, dass er sich ändern müs­se. „Wenn Sie nach dem Gefäng­nis so wei­ter machen wie bis­her, wer­den sie den größ­ten Teil des Rests Ihres Lebens im Gefäng­nis ver­brin­gen müs­sen.“

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

 

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