„Wir sind für eine Impfpflicht für alle“

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„Es muss auf Bundesebene gehandelt werden!“ Der Rottweiler Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel giftete bei der telefonischen Pressekonferenz in Richtung Berlin und die neue Koalition.

Der Beschluss der Bundestags-Mehrheit, die „epidemische Notlage von nationaler Tragweite“ auslaufen zu lassen, sei angesichts der 75.000 neuen Corona-Fälle im Land ein „fatales Signal“. Statistisch würden die 75.000 Neuansteckungen 600 Todesfälle bedeuten. Der Zug rase in Richtung Abgrund. Eine Ausgangssperre für Ungeimpfte reiche nicht aus, um die Welle zu stoppen, deren Ende nicht abzusehen sei.

Landrat: Kontakte vermeiden

Michel appellierte an die Bevölkerung, möglichst Kontakte zu vermeiden. Dies gelte für Vereinsfeiern, Konzerte von Gesangs- und Musikvereinen. Diese seien zwar noch erlaubt, „aber brandgefährlich“. Und: „Es blutet einem das Herz über so viel vergebenes ehrenamtliches Engagement“, sagte er. Über die Weihnachtsmärkte, die noch stattfinden: „Gehen Sie nicht hin, es ist ein Risiko für Sie und Ihre Lieben!“ Er riet auch, sich impfen zu lassen. Nur dadurch und durch weitere kontaktbeschränkende Maßnahmen lasse sich diese Welle brechen.

Adam: „Außer Kontrolle“

„Das Infektionsgeschehen ist außer Kontrolle!“, betonte auch Dr. Heinz-Joachim Adam, der Leiter des Rottweiler Gesundheitsamts. Aktuell seien 1700 infizierte Menschen in Quarantäne, jede mit durchschnittlich drei Kontakten, so dass weitere 5000 Menschen in Absonderung seien. Die Sterblichkeit bei Corona sei von 1,2 auf 0,8 gesunken, das bedeute, dass von den 1700 Infizierten 13 bis 14 sterben würden.

Die Todesopfer, die Corona im Kreis Rottweil bislang gefordert hat. Grafiken: Landratsamt

Auch er appellierte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. 60 Prozent der Infizierten seien ungeimpft, aber 90 Prozent der Patienten mit schweren Symptomen – landesweit. Im Kreis . „Werben Sie für die Impfung“; empfahl er. 15 Millionen Menschen in Deutschland seien nicht geimpft, „und wenn das so bleibt, werden wir im November 2022 eine ähnlich drastische Situation haben wie jetzt!“ Und: „Vermeiden Sie Kontakte!“ Er sprach sich in diesem Zusammenhang für eine allgemeine Impfpflicht aus.

Und er wies auf eine weitere mögliche Gefahr hin: Es gebe Hinweise, dass im Rahmen einer Covid-Erkrankung Auto-Antikörper gebildet würden mit schlimmen Folgen. Dies trete aber bei Geimpften nicht auf.

Von den Pflege- und Eingliederungseinrichtungen im Kreis seien elf wieder von Infektionen betroffen, es gebe 70 Fälle, auch bei ungeimpftem Personal.

Über 60-Jährige zu 80 Prozent geimpft

Insgesamt liege der Schwerpunkt der Infizierten bei den unter 60-Jährigen; bei den Älteren betrage die Impfquote etwa 80 Prozent. Wenn man die Kinder unter zwölf Jahre abziehe, die noch nicht geimpft werden sollen, dann betrage die Impfquote über 75 Prozent, sagte Adam. „Das ist aber noch nicht ausreichend, um gut über den Winter zu kommen“, betonte er.

Die Auflistung der Covid-Fälle im November nach Alter zeigt: Die meistzen Infizierten sind im jungen bis mittleren Alter, die über 60-Jährigen sind überwiegend geimpft.

Eine allgemeine Schulschließung sei derzeit nicht notwendig, sagte Adam. Er habe allerdings gegenüber dem Sozialministerium angeregt, die Weihnachtsferien drei Tage früher beginnen zu lassen und um eine Woche im Januar zu verlängern.

Reicht der Impfstoff?

Die geplante Impfstation in der Marienstraße sei noch nicht im Betrieb, berichtete der Erste Landesbeamte Hermann Kopp. Es gebe mobile Impfteams, die teils in Pflege- und Behinderteneinrichtungen impfen, teils in Kommunen. Das Land habe zugesagt, für zusätzliche mobile Impfteams bis 1. Dezember die IT-Ausrüstung zu liefern. Eine solche Zusage liege für die Impfstation noch nicht vor, er ist aber zuversichtlich, rechtzeitig diese Ausrüstung zu bekommen. Sorge hat Kopp aber, ob die Menge an Impfstoff ausreicht.

 

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Wolf-Dieter Bojus
... war 2004 Mitbegründer der NRWZ und deren erster Redakteur. Mehr über ihn auf unserer Autoren-Seite.

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