Eventmacher Wutta: 2023 wird für Veranstalter “Jahr der Wahrheit“

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Mittwochabend im Rottweiler Kraftwerk. Warten auf Milow und Band, Oska aus Österreich wärmt auf. Vor allem für die Partner und Sponsoren des Ferienzaubers, des Jahrzehnte jungen Rottweiler Sommerfestivals, ist es ein angenehmes Warten: Die Veranstalter haben sie zu einem Empfang geladen. Einem mit vielen lobenden Worten. Aber auch mit nachdenklichen.

Corona kam, die Kultur brach zusammen. Auch der Rottweiler Ferienzauber. 2020 fiel er aus. 2021 fand er aber bereits wieder eingeschränkt statt. Anders – und doch wegweisend, wie sich herausstellen sollte. Nämlich als großer Kulturbiergarten unter dem Wasserturm und unter einem gigantischen Schirm. Der blieb nun auch beim ersten uneingeschränkten Ferienzauber nach Corona. Und mit ihm blieb die einzigartige Atmosphäre, die die Besucher, allein dort am Wasserturm dieses Jahr 35.000, so genossen haben.

Mike Wutta, Geschäftsführer Trendfactory Rottweil.

Sie wieder in ein Zelt zu stecken, das wollten die Ferienzaubermacher um Reiner “Archie“ Armleder und Mike Wutta nicht mehr, wie dieser am Mittwoch erklärte.

Der Trendfactory-Geschäftsführer Wutta begründete den Verlauf so: “Es wäre viel einfacher gewesen, 2021 zu sagen, wir machen nichts, und es wäre ebenso einfach gewesen, 2022 einfach Business as usual zu machen. Aber wir wollten es richtig machen.“ Dafür gab es den Applaus der Partner und Sponsoren, ohne die das Festival nicht möglich wäre und die ihrerseits ihren Vorteil in Form einer positiven Wahrnehmung als Teil des Ferienzaubers genießen.

Veranstalter leben primär von alten Tickets

Das Rottweiler Sommerfestival müsse einfach immer, auch nach Corona, so sein, dass die Menschen mitgehen, wie Wutta sagte. Derweil sei es für Veranstalter schwer, abzusehen, was gehe und was nicht. Sie lebten in diesem Jahr primär von alten, verschobenen Events, von früher einmal verkauften Tickets, aus der Zeit vor der Pandemie und den Beschränkungen.

Oska eröffnete …
… Milow heizte ein.

Bei neu angesetzten Veranstaltungen sei die Nachfrage verhalten. Das erfahre er auch aus Gesprächen mit anderen Eventmachern, so Wutta weiter. Daher werde das nächste Jahr „das Jahr der Wahrheit“ im Kulturbereich. Dann werde sich tatsächlich herausstellen, welche Veranstaltungen nachgefragt werden. Was noch gehe. Und was nicht.

Auf Rottweil, auf den Ferienzauber bezogen, ist klar: Auch im kommenden Jahr wolle das Team am Bewährten festhalten, sagte Wutta. Nichts übertreiben. Den Mix aus Musik, Comedy und Biergarten beibehalten. Im Kraftwerk und am Wasserturm.

Sponsoren „geben Wind unter den Flügeln“

Die gute Nachricht für die Fans der neuen Atmosphäre: Der große Schirm wird bleiben. Das rutschte Armleder bereits bei seiner Ansprache heraus. Wutta bestätigte das. 25.000 Euro Miete kostet das Dach über die Festivalzeit hinweg, wobei das noch gut verhandelt sei. Aber die Leute vom MuM-Verein und der Trendfactory sind ja nicht dumm. Sie haben die Kreissparkasse ins Boot geholt und deren Entscheider öffneten den Geldbeutel. Ohnehin würden alle Sponsoren das Festival großartig unterstützen. „Das trägt uns, das gibt uns Wind unter den Flügeln“, so Wutta.

Beim Sponsorenempfang im Kraftwerk.

Armleder und Wutta sprachen anlässlich eines Sponsorenempfangs vor rund 200 Menschen. Darunter auch Gäste der Trendfactory. Vor allem aber Unterstützer und Begleiter des Festivals. Ein Empfang, der im Nackartal stattfand, im Vorfeld des Milow-Konzerts. Wutta glaubt, dass das Kraftwerk neben dem Wasserturm ebenfalls punkte, dort seien Konzerte möglich, die man am Wasserturm nicht machen könne. Stimmt, und gediegene Empfänge gehen dort auch gut.

Stehen für das Ferienzauber-Team: Fred Frank, Simone Teufel, Reiner Armleder und Mike Wutta. Zum weiteren engen Kern gehören Marie-Luise Armleder und Claus Gams, die nicht auf dem Bild sind. Und die 150 Helferinnen und Helfer, die zum Gelingen des Rottweiler Sommerfestivals jeweils ihren Beitrag leisten.
MuM-Vorsitzender Reiner “Archie“ Armleder.

Im zweiten Coronajahr „andere ermutigt“

Bei dem Empfang blickte auch Armleder zurück: Einmal schon das Festival verlegt, dann habe man am 6. Juni 2021 entschieden, den Biergarten beim Wasserturm zu machen – mit den bekannten Auflagen. „Wir haben andere dadurch animiert, dazu ermutigt, ihre Feste und Veranstaltungen ebenfalls zu machen“, so Armleder. Und im Nachhinein habe sich sogar gezeigt, dass „Corona ein Glücksfall für uns war“. Der Schirm habe das Festival am Wasserturm wesentlich besser gemacht, so Armleder.  

„Die Abende am Wasserturm sind ein Träumchen“, diese Reaktion habe das Team erreicht, sie seien „grandios, fantastisch“, hätten Besucher berichtet. Diese waren an einem Abend mal so durstig, dass das Bier ausging. Pils war‘s. Die flexible Crew schaffte kurzfristig neues heran.

Bei all dem Erfolg des gediegenen Freilufttrinkens, -essens und -redens mit Musikbegleitung: Die Sprach- und Sitzveranstaltungen ohne Biergartenbetrieb – etwa mit dem Comedian Heinrich del Core – seien ebenfalls wichtig: „Wir sind ein Kulturverein und wollen das auch bleiben“, so Armleder, Vorsitzender des MuM-Vereins.

Dass wiederum das Kraftwerk, wie Wutta es erklärte, für Konzerte passt, die am Wasserturm nicht gehen, machte anschließend der Auftritt von Milow und Band vor gut 1200 Menschen deutlich: ausgelassen, laut, hinein in die Nacht. Fotos davon folgen.

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Peter Arnegger (gg)https://www.nrwz.de
... ist seit gut 25 Jahren Journalist. Mehr über ihn hier.