Drei Rottweiler Bürgerinnen und Bürger wurden am Sonntagabend beim Bürgerempfang 2026 mit der Bürgermedaille der Stadt Rottweil ausgezeichnet.
OB Dr. Christian Ruf anlässlich der Verleihung der Bürgermedaillen 2026
Im Wort Ehrenamt steckt das Wort „Ehre“. Genau so sollten wir das begreifen: Es ist auch eine Ehre, sich für das Gemeinwohl einzusetzen und Verantwortung für andere zu übernehmen. Ich danke allen, die sich in unserer Stadt engagieren, von Herzen für ihren Einsatz. Sie sind das Rückgrat unserer Stadtgesellschaft. Lassen Sie uns auch im Jahr 2026 das Ehrenamt stärken, wertschätzen und gemeinsam dafür sorgen, dass Rottweil eine Stadt bleibt, in der Zusammenhalt und Miteinander nicht nur Worte sind, sondern gelebte Wirklichkeit.
Geehrt wurden:
- Bernd Franz (Jg. 1967) für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement im Natur- und Artenschutz. Franz ist als Fachberater für Wespen und Hornissen, Artenkartierer und Mitglied der Lokalen Agenda aktiv. Er gilt als anerkannter Ansprechpartner für Behörden und Medien, insbesondere bei naturkundlichen Themen.
- Peter Hugger (Jg. 1950) für sein langjähriges Wirken als Stadt- und Gästeführer sowie sein Engagement in kirchlichen und kulturellen Bereichen. Seit 1999 vermittelt er Wissen über die Geschichte Rottweils, schult neue Gästeführer, ist im Förderverein der Münsterbauhütte aktiv und engagiert sich als Zunftmeister der „Müller und Fuhrleute“.
- Adelinde Lipp (Jg. 1950) für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Wirken in der Kirchengemeinde St. Silvester in Bühlingen. Sie kümmert sich um ältere und kranke Menschen, begleitet Trauernde, organisiert Hilfeleistungen und versieht gemeinsam mit ihrem Ehemann den Mesnerdienst.
Zum Abschluss des festlichen Abends lud OB Dr. Christian Ruf zum Sektempfang ein, musikalisch begleitet von der Stadtkapelle Rottweil.



Im Wortlaut: die Laudationen des Oberbürgermeisters
Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,
der Gemeinderat der Stadt Rottweil hat beschlossen,
die Bürgermedaille für kommunalpolitisches, soziales, kulturelles, sportliches und wissenschaftliches Wirken für das Wohl der Rottweiler Bürgerschaft gemäß der Ehrungsrichtlinien zu verleihen an Herrn:
Bernd Franz (*1967)
für die langjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich Natur- und Artenschutz.
Sehr geehrter Herr Franz,
wenn ich heute Abend auf Ihr Wirken blicke, dann fällt mir eines ganz besonders auf: Bereits im Jahr 1984 haben Sie einen Sonderpreis bei Jugend forscht für Ihre Arbeit über staatenbildende Wespen erhalten. Das Phänomen Natur war für Sie schon sehr früh Leidenschaft, Neugier und Verantwortung zugleich.
Diese Verantwortung leben Sie bis heute – und das nicht immer zu geregelten Zeiten. Es kommt nicht selten vor, dass Sie auch an Wochenenden oder spätabends angerufen werden. Da geht es um eine Schlange im Gartenteich, ein Wespennest im Garten oder Verunsicherung über seltsame Vogelstimmen. Sie erklären, beruhigen und handeln – stets ruhig, sachlich und lösungsorientiert.
Ihr umfangreiches Fachwissen haben Sie sich über Jahrzehnte angeeignet. Durch praktische Erfahrung, durch intensive Eigenstudien und durch die Teilnahme an unzähligen Fachveranstaltungen und Fortbildungen. Dieses Wissen macht Sie heute zu einem anerkannten, sachverständigen Ansprechpartner – nicht nur für Bürgerinnen und Bürger, sondern auch für Behörden, Polizei und Feuerwehr. Darüber hinaus sind Sie auch für die Medien ein geschätzter Ratgeber – unter anderem für Radio Neckarburg, wo Sie mit Ihrer Expertise helfen, naturkundliche Themen verständlich und zur jeweiligen Jahreszeit passend aufzubereiten.
Ein besonderer Schwerpunkt Ihrer Arbeit liegt in der Artenkartierung. Über viele Jahre hinweg haben Sie große Flächen – viele Quadratkilometer rund um Rottweil und Umgebung – systematisch erfasst, dokumentiert und bewertet. Diese Arbeit ist körperlich anspruchsvoll, zeitintensiv und verlangt ein hohes Maß an Disziplin. Sie findet oft frühmorgens, spätabends oder nachts statt. Genau dann, wenn Amphibien, Reptilien oder Fledermäuse aktiv sind. Diese Kartierungen bilden die Grundlage für wirksamen Naturschutz. Nur wer weiß, welche Arten wo leben, kann Lebensräume erhalten, Eingriffe verantwortungsvoll planen und fundierte Entscheidungen für die Zukunft unserer Landschaft treffen.
Besonders eindrucksvoll ist auch Ihr Einsatz als ehrenamtlicher Wespen- und Hornissenfachberater. Ein Nest wird nur im absoluten Notfall bekämpft, ansonsten heißt es: Tiere absaugen, sichern, das Nest fachgerecht abbauen und mehrere Kilometer entfernt wieder anbringen. Stets mit dem Ziel, Mensch und Tier gleichermaßen zu schützen. Am Jahresende folgt dann noch ein weiterer, weniger sichtbarer Teil Ihrer Arbeit: die lückenlose Dokumentation sämtlicher Einsätze.
Aus Ihrem Engagement für den Natur- und Artenschutz ist ein weiteres Hobby entstanden: die Fotografie von Landschafts- und Tiermotiven. Bilder, die nicht nur dokumentieren, sondern sensibilisieren – und mit denen Sie inzwischen Ausstellungen gefüllt haben.
Ein weiterer wichtiger Teil Ihres Wirkens ist Ihre langjährige Mitarbeit in der Lokalen Agenda Rottweil. Bereits in den frühen 2000er-Jahren haben Sie dort Vorschläge zur Neckar-Revitalisierung eingebracht – viele davon sind heute umgesetzt. Gemeinsam mit dem BUND gehörten Sie innerhalb der Lokalen Agenda zu den frühen und engagierten Unterstützern der Landesgartenschau: Bei der Bewerbung, bei der inhaltlichen Ausrichtung und bis heute in zahlreichen fachlichen Fragen.
Sehr geehrter Herr Franz,
Sie sind ein Brückenbauer zwischen Mensch und Natur. Im Namen der Stadt Rottweil und des Gemeinderates – und auch ganz persönlich – möchte ich mich für Ihr großes Engagement bedanken. Es ist mir eine Ehre, Ihnen die Bürgermedaille der Stadt verleihen zu dürfen.
Liebe Gäste,
kommen wir nun zur zweiten Auszeichnung am heutigen Abend. Es ist mir eine Freude, die Bürgermedaille gemäß den Ehrungsrichtlinien verleihen zu dürfen an Herrn:
Peter Hugger (*1950)
für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement als Stadt- und Gästeführer sowie für seinen Einsatz im kirchlichen und kulturellen Bereich.
Sehr geehrter Herr Hugger,
als gelernter Kaufmann ist Ihnen der sorgfältige Umgang mit Zahlen vertraut. Und so können Sie auch heute noch ganz genau sagen, wann alles begann: Im September 1999, bei Ihrer ersten Stadtführung. Was ursprünglich aus persönlichem Interesse entstand – ein Kurs zum Stadtführer, damals begleitet von Dr. Hecht – entwickelte sich schnell zu einer Leidenschaft, die bis heute anhält.
Sie sagen selbst, dass viele Rottweilerinnen und Rottweiler nicht allzu viel über die eigene Stadt wissen. Über die faszinierenden Details, die unscheinbaren Orte, die Geschichten am Wegesrand – all das, was man leicht übersieht, und das doch so viel über unsere Stadt erzählt. Sie zeigen: Wer genau hinschaut, kann aus Kleinigkeiten Großes gewinnen.
Besonders schätzen Sie an Ihrer Tätigkeit die Begegnungen mit Menschen. Oft sind es kurze Momente, ein gemeinsamer Rundgang, ein Gespräch, ein Lächeln. Doch genau diese Zeit, die man einander schenkt, hinterlässt Wirkung – auf beiden Seiten. Sie geben Wissen weiter, eröffnen Perspektiven und nehmen selbst immer wieder 31
etwas mit. Heute geben Sie diese Erfahrung weiter, indem Sie neue Gästeführer schulen, begleiten und gemeinsam mit anderen neue Formate für Führungen entwickeln.
Als Stadt- und Gästeführer sind Sie ein Gesicht unserer Stadt. Sie heißen Fremde willkommen, begeistern Einheimische neu für Rottweil, sind ein Botschafter im besten Sinne. Viele Rückmeldungen von auswärtigen Gästen zeigen, wie sehr unsere Stadt geschätzt wird – gerade von Menschen aus größeren Städten, in denen die Vielfalt in unserer Stadt, die kurzen Wege und persönliche Atmosphäre längst verloren gegangen ist.
Ihr Engagement ist jedoch nicht auf die Stadtführungen beschränkt. Aus Ihrem christlichen Glauben heraus sind Sie besonders in der Münstergemeinde verwurzelt. Als aktives Mitglied im Förderverein der Münsterbauhütte Heiligkreuz tragen Sie dazu bei, eines der bedeutendsten Bauwerke unserer Stadt zu erhalten. Der Förderverein unterstützt seit Jahrzehnten die Sanierung und Pflege des Münsters ideell und finanziell – mit großem Erfolg.
Auch Ihre regelmäßige Aufsicht in der Lorenzkapelle an den Wochenenden ist Ausdruck dieser Verantwortung für unser geistliches und kulturelles Erbe.
Darüber hinaus engagieren Sie sich rund um den Jakobusweg als Zunftmeister der Zunft „Müller und Fuhrleute“ – auch hier als Bewahrer von Tradition, Geschichte und Identität.
Mit all Ihrer Erfahrung sagen Sie heute einen Satz, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: „Rottweil ist eine Schatztruhe – nutzt sie“. Dahinter verbirgt sich ein klarer Appell, den ich voll und ganz unterstütze: Eine lebendige Stadt braucht Menschen, die sich einbringen, Verantwortung übernehmen und bereit sind, aktiv mitzuwirken.
Verehrter Herr Hugger,
Sie bauen Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Einheimischen und Gästen, zwischen Menschen. Sie repräsentieren Rottweil mit Herz, Wissen und aus tiefer Überzeugung. Im Namen der Stadt Rottweil und des Gemeinderates – und auch ganz persönlich – möchte ich mich für Ihr großes Engagement bedanken. Es ist mir eine Ehre, Ihnen die Bürgermedaille der Stadt verleihen zu dürfen.
Liebe Rottweilerinnen, liebe Rottweiler,
Die dritte Auszeichnung am heutigen Abend darf ich an eine engagierte Mitbürgerin übergeben, deren Wirken sich häufig im Stillen vollzieht – jenseits der öffentlichen Wahrnehmung.
Es ist mir eine große Freude und Ehre, die Bürgermedaille der Stadt Rottweil gemäß den Ehrungsrichtlinien verleihen zu dürfen an:
Adelinde Lipp (*1950)
für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in der Kirchenarbeit, der Trauerbegleitung und der Betreuung älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger
Sehr geehrte Frau Lipp,
Ihr Weg war früh geprägt von der Hinwendung zum Menschen. Bereits im Jahr 1970 begannen Sie Ihre Ausbildung zur Krankenschwester im Kreiskrankenhaus Rottweil. Sie wurden nicht nur fachlich ausgebildet, sondern auch angesprochen, Verantwortung über den Beruf hinaus zu übernehmen – etwa in der Leitung einer Jugend- und Firmgruppe. Schon damals zeigte sich, was Sie bis heute auszeichnet: Sie überlegen nicht lange, wenn jemand Hilfe braucht.
Seit mehr als 50 Jahren pflegen Sie zudem ein Bildstöckchen auf der Saline – ein Zeichen Ihrer tiefen Verwurzelung im Glauben und mit Ihrer Kirchengemeinde. Seit vielen Jahren tragen Sie auch in St. Silvester in Bühlingen Verantwortung: Gemeinsam mit Ihrem Ehemann Ernst übernehmen Sie den Mesnerdienst – eine Aufgabe, die weit mehr ist als Organisation und Vorbereitung. Sie bereiten alles vor, begleiten Ministrantinnen und Ministranten und halten Traditionen lebendig, indem Sie zum Beispiel die Glocke von Hand läuten, wenn ein Mensch aus der Gemeinde verstorben ist. Sie sorgen dafür, dass kirchliches Leben vor Ort erlebbar bleibt.
Ein zentraler Teil Ihres Wirkens ist die Begleitung von Menschen in schwierigen Lebensphasen. Sie betreuen ältere Gemeindemitglieder, kümmern sich um Kranke und Hilfsbedürftige, begleiten sie zu Arzt- und Therapieterminen, erledigen Einkäufe, organisieren Unterstützung – von Physiotherapeuten bis hin zu ganz praktischen Alltagshilfen. Sie tragen dafür Sorge, dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können – auch dann, wenn Angehörige weit entfernt wohnen oder Unterstützung fehlt.
Besonders eindrucksvoll ist Ihr Einsatz in der Trauerbegleitung. Über viele Jahre haben Sie das Trauercafé mit aufgebaut und Menschen in Zeiten des Abschieds begleitet.
Aus Ihrer tiefen Verbundenheit zur katholischen Kirchengemeinde ermöglichen Sie auch Krankenkommunionen zu Hause, unterstützen Krankensalbungen und begleiten Seelsorger selbst zu weit entfernten Kliniken. Auf die Frage, wie Sie all das schaffen, antworteten Sie: „Ehrenamt gibt Erfüllung.“ Ihre Kraft, Ihre Überzeugung und Ihre Ausdauer schöpfen Sie aus Ihrem Glauben und aus einem Menschenbild, das Sie seit jeher begleitet: Ich setze das Gute in jedem Menschen voraus.
Liebe Frau Lipp, Vergelt’s Gott!
Sie verbinden Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und übernehmen Verantwortung dort, wo sie besonders gebraucht wird. Im Namen der Stadt Rottweil und des Gemeinderates – und auch ganz persönlich – danke ich Ihnen für Ihr langjähriges stilles Wirken. Es ist mir eine Ehre, Ihnen heute die Bürgermedaille der Stadt Rottweil verleihen zu dürfen.






























