Schramberg: Wo Präzision eine Tradition ist

Ein Porträt der Fünftälerstadt im Schwarzwald

Markantes Wahrzeichen: die Junghans-Uhr an einem Gebäude des H.A,.U.-Gewerbeparks an der Oberndorfer Straße. Archiv-Foto: him
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Wer zum ersten Mal nach Schramberg kommt, versteht schnell, woher der Beiname „Fünftälerstadt“ rührt. Die Stadt schmiegt sich in die Täler der Schiltach und ihrer Nebenflüsse, während sich die Stadtteile auf den umliegenden Höhen verteilen. Diese besondere Topografie prägt nicht nur die Landschaft, sondern auch die Geschichte und Identität eines Ortes, der einst die Welt mit Uhren versorgte.

Von Burgen und Uhrwerken

Die mittelalterlichen Wurzeln der Stadt sind bis heute sichtbar. Über dem Tal thront die Ruine der Burg Hohenschramberg, um 1457 erbaut und 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört. Die erste urkundliche Erwähnung Schrambergs datiert auf das Jahr 1293 – damals war das heutige Zentrum noch ein bescheidenes Dorf unter der Herrschaft der Burgherren.

Der eigentliche Wendepunkt kam mit der Industrialisierung. 1861 gründete Erhard Junghans im Schramberger Tal seine Uhrenfabrik. Was als Manufaktur begann, entwickelte sich binnen weniger Jahrzehnte zum bedeutendsten Uhrenhersteller der Welt. Junghans beschäftigte zeitweise Tausende Mitarbeiter und machte den Namen Schramberg zum Synonym für deutsche Uhrmacherkunst.

Die Verleihung des Stadtrechts 1867 war die logische Folge dieser rasanten Entwicklung. Schramberg war nicht mehr Dorf, sondern Industriestadt. Eine Stadt, in der Präzision nicht nur technische Notwendigkeit war, sondern zur kulturellen DNA wurde.

Strukturwandel als Erfolgsgeschichte

Die klassische Uhrenindustrie geriet im späten 20. Jahrhundert unter Druck. Doch Schramberg gelang, was vielen Industriestandorten nicht gelingt: ein erfolgreicher Strukturwandel. Die Fähigkeiten der Feinmechanik ließen sich auf andere Branchen übertragen. Heute arbeiten in der Stadt rund 12.000 Menschen in Industrie, Handel und Handwerk – vor allem als Zulieferer für die Automobilindustrie, in der Medizintechnik und in der Elektronikfertigung.

Die Stadtplanung unterstützte diesen Wandel strategisch klug. Als in den engen Tälern kein Platz mehr für Expansion war, verlagerten sich die Gewerbegebiete auf die Hochebenen der Stadtteile Sulgen und Waldmössingen. Diese Entscheidung schuf Raum für moderne Produktionsstätten, ohne die Lebensqualität in den Wohngebieten zu beeinträchtigen.

Mit der Eingemeindung von Waldmössingen 1971 überschritt Schramberg die Marke von 20.000 Einwohnern und erhielt zum 1. Januar 1972 den Status einer Großen Kreisstadt. Heute zählt die Kommune 21.231 Einwohner auf einer Fläche von 80,70 Quadratkilometern.

Zwischen Tradition und Moderne

Das kulturelle Leben der Stadt speist sich aus verschiedenen Quellen. Die Auto- & Uhrenwelt zeigt nicht nur historische Zeitmesser und Oldtimer, sondern erzählt die Geschichte des industriellen Wandels. Das Stadtmuseum im Schloss ergänzt diese Perspektive um sozial- und wirtschaftshistorische Aspekte.

Besonders lebendig wird die lokale Identität während der Fasnet. Die schwäbisch-alemannische Tradition hat hier ihre eigene Ausprägung gefunden. Höhepunkt ist die „Da-Bach-na-Fahrt“ am Rosenmontag, bei der selbstgebaute „Zuber“ einen Bach hinunterstürzen – ein Spektakel, das Tausende Zuschauer anzieht und den besonderen Gemeinschaftssinn der Stadt verkörpert.

Das dichte Netz an Vereinen – von Sport über Musik bis zu sozialen und karitativen Organisationen – bildet das gesellschaftliche Rückgrat. Hier entstehen Verbindungen zwischen Alt und Jung, zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen.

Infrastruktur im Gleichgewicht

Die Bildungslandschaft deckt alle Schulformen ab: von mehreren Grundschulen über Werkrealschule und Realschule bis zum Gymnasium. Berufliche Schulen bereiten auf die Anforderungen der lokalen Wirtschaft vor. Die medizinische Versorgung stützt sich auf ein Netz von Haus- und Fachärzten in der Stadt sowie das Helios Klinikum in Rottweil für die stationäre Versorgung.

Eine Besonderheit bleibt: Schramberg ist die größte Stadt Baden-Württembergs ohne eigenen Bahnanschluss. Der öffentliche Nahverkehr basiert auf einem Busnetz, das die Stadtteile verbindet und Anschlüsse zu den Bahnhöfen in Rottweil und St. Georgen herstellt. Für Autofahrer ist die Lage attraktiv: Die Bundesstraße 462 führt durch das Tal, und die Autobahn 81 ist über gut ausgebaute Zubringer schnell erreichbar.

Natur vor der Haustür

Was Schramberg von vielen anderen Industriestandorten unterscheidet, ist die unmittelbare Nähe zur Schwarzwaldnatur. Wanderwege und Radrouten beginnen direkt am Ortsrand. Diese Verbindung von Arbeitswelt und Naturraum macht einen Teil der Lebensqualität aus, die Einwohner und Unternehmen gleichermaßen schätzen.

Die Stadt demonstriert, dass Industriegeschichte und moderne Wirtschaft, Tradition und Innovation, urbanes Leben und Naturverbundenheit sich nicht ausschließen müssen. In den Tälern des Schwarzwalds hat sich ein Ort behauptet, der seine Identität aus der Vergangenheit schöpft und gleichzeitig den Blick nach vorn richtet.


Schramberg auf einen Blick

  • Einwohner: 21.231 (Stand 2023)
  • Fläche: 80,70 km²
  • Bevölkerungsdichte: 257 Einwohner/km²
  • Status: große Kreisstadt seit 1972
  • Landkreis: Rottweil
  • Stadtteile: Talstadt, Sulgen, Waldmössingen, Heiligenbronn, Schönbronn, Tennenbronn
  • Arbeitsplätze: ca. 12.000 in Industrie, Handel und Handwerk
  • Besonderheit: größte Stadt Baden-Württembergs ohne Bahnanschluss
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