Geburtsstation und Altenheim

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Jahrzehntelang war es ein Mittelpunkt des Gemeindelebens in Dietingen: Das 2021 abgerissene große Bauernhaus neben der St. Nikolaus-Kirche. Nun werden Erinnerungen, Bilder und andere Spuren gesammelt – eine Zwischenbilanz ist noch bis 16. Januar in der Dietinger Kirche in einer Ausstellung zu entdecken.

Was hat dieses Haus nicht alles beherbergt: Spital, Kranken- und Sozialstation, Kinder- und Nähschule, Jugendraum, Bücherei, Gemeindesaal, Gästehaus sowie lange auch ein Altenheim. Und das alles seit 1901 – nachdem das imposante Gebäude bereits 200 Jahre als Bauernhof genutzt worden war.

„Sogar Kinder sind in dem Haus zu Welt gekommen“, berichtet Stefan Török im Gespräch mit der NRWZ. Er sammelt Materialien zu dem besonderen Gebäude. Mit dem Ziel, in ein paar Jahren, wenn an dem Platz hoffentlich ein neues Gemeindehaus der katholischen Kirchengemeinde steht, eine Festschrift vorlegen zu können.

Im Saal des Altenheims fanden Veranstaltungen statt. Bei einer entstand diese Aufnahme aus den 1930er Jahren. Foto: privat

Sie könnte prallvoll werden. Denn für Generationen war das Haus ein wichtiger Bezugspunkt des Dorflebens. Dass es teils sogar als Wöchnerinnen-Station dienste, hat Stefan Török besonders überrascht – und gefreut. Immerhin 16 Namen von dort zur Welt gekommenen Kindern konnte er recherchieren.

Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul inUntermarchtal. Sie waren –eingeleitet von der aus Rottweil stammenden Generaloberin Margareta Linder, die ihren Orden auch ins Rottenmünster führte – von 1901 bis 1986 in Dietingen ansässig und übernahmen im Geiste christlicher Nächstenliebe die verschiedensten Aufgaben.

Eine der Ordensfrauen, die lande in Dietingen tätig waren: Schwester Meta, geb. Pauline Briechle. Foto: privat

Noch heute gibt es davon viele Zeugnisse und Erinnerungen, die nun unter Hochdruck gesammelt werden. Eine Quelle, die Stefan Török bereits ausgewertet hat, ist eine Chronik der Schwestern in Dietingen. Diese verzeichnet etwa, dass nach 1945 Ausgebombte aufnahm, französischen Besatzungssoldaten den Herd beschlagnahmten und 1950 das erste Radio angeschafft wurde.

Das Haus war ein Zentrum des Gemeindelebens: Um 1952 gab es eine Aufführung des Theaterstücks „Das Glöckchen von Ninive“, bei der diese Aufnahme entstand. Foto: privat

Eine wichtige Quelle sind zudem von Zeitzeugen. Viele Erinnerungen hat Stefan Török bereits notiert. Es kommt aber immer wieder Neues hinzu. Zwischen den Jahren etwa hat Török Antonie Hack aus Rottweil und Antonie Scheffold aus Irslingen, beide gebürtig aus Dietingen, durch die Ausstellung geführt und anschließend befragt.

Beide erinnerten sich besonders an die Nähschule, in der sie wertvolle handwerkliche Fähigkeiten erlernten. Antonie Hack, geborene Sieber, hat sogar noch ihr Nähkissen aus dieser Zeit. Das Können, das sie im früheren Dietinger Altenheim erwarb, kam unter anderem etlichen Rottweiler Narrenkleidern zugute, die Toni Hack seither genäht hat.

Info: Die Ausstellung ist bis 16. Januar zu sehen. Wer Erinnerungen oder Fundstücke beisteuern möchte, kann sich an Stefan Török wenden: [email protected].

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