„Kunst im Setzkasten“ eröffnet

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Die Pandemie hat für viele die Welt auf die eigenen vier Wände schrumpfen lassen. Dass Konzentration auf das Kleine jedoch nicht nur bedrücken, sondern auch geradezu magisches Potenzial entfalten kann, zeigt die neueste Ausstellung des Forums Kunst, die am Samstag – corona-kompatibel – eröffnet wurde.

Sie trägt den Titel „Kunst im Setzkasten“ und knüpft an die Aktionen an, mit denen der Kunstverein immer wieder Kreative mobilisiert und Furore gemacht hat. Das Projekt fügt sich damit hervorragend ins Programm zum 50. Jubiläum des Forums Kunst ein, das zwar der Pandemie angepasst werden musste, aber dennoch Glanz entfaltet.

Initiator Axel Zwach. Foto: al

„Kunst im Setzkasten“ ging vom Kunstsammler und langjährigen Forumsmitglied Axel Zwach aus. Der gelernte Druckgrafiker hatte die Idee einen ausgedienten Bleidruck-Setzkasten mit Kunst zu bestücken. Zusammen mit Jürgen Knubben und Nikolaus Bischoff reifte das Konzept, insgesamt 90 Künstlerinnen und Künstler zum Bespielen knapp schuhschachtelgroßer Boxen einzuladen.

Die Kreativen bespielen teils selbst die Hülle der Box – hier das Objekt von Susanne Kühn. Foto: al

Das Volumen des Setzkastens, der nun mitten im Bürgersaal steht, wurden damit lückenlos ausgeschöpft. Der wie aus einer fernen, rein analogen Zeit überkomme effiziente Ordnungsstifter fungiert zudem als eine Art Verzeichnis und bildet das Herz der Schau.

Alles gut organisiert: der Setzkasten. Foto: al

Um dieses Inventar entfaltet sich ein üppiges, ideensprudelndes Panorama. Nicht jeder Beitrag wirkt von ausgereiften Überlegungen getragen. Aber es bietet sich etliche Möglichkeiten, auf engstem Raum viel zu entdecken. Manche Kreative nutzen die Box wie eine miniaturisierte Bühne, so etwa Raymond E. Waydelich, der im Bonsaiformat ein ganzes sinnenfreudig-kurioses Schwarzwald-Paradies schuf.

Da röhrt der Hirsch: Schwarzwald-Träume von Raymond E. Waydelich. Foto: al

Andere lenken den Blick auf die Materialität, wie etwa Gabi Mitterer, die Hausstaub und Filz sedimentartig schichtet oder Urban Hüter, der einen Kupferkörper virtuos in die Box hinein faltete. Immer wieder überrascht, wie wenig die Dimensionen des Objekts über den geistig-emotionalen Raum aussagen, der sich auftun kann –von existenzieller Tiefe bis zu beschwingtem Humor. Die kleinen Objekte jedenfalls stoßen mitunter großes Kopfkino an.

Markus Schellhorn brachte den in imposanten Flaschen abgefüllten Jubiläumswein an die Kunstfreunde. Foto: al
Gefeiert wurde in der Alten Stallhalle. Foto: al

Coronabedingt wurde die Vernissage vom Bürgersaal entkoppelt. Zahlreiche, teils weit gereiste Gäste feierten mit gebührender Distanz in der Alten Stallhalle. Nach einer stilbewussten Stärkung mit Linsen und Spätzle entfachte Markus Schellhorn als launiger Auktionator Lust am Investieren. Denn zum Fünfzigsten des Forums Kunst lockten je fünf Flaschen eines jubiläumswürdigen Rot- und Weißweins. Mit ihm können dem die Erwerber den Kunstgenuss fortsetzen, ganz ohne Setzkasten-Begrenzung.

Info: Die Ausstellung im Forum Kunst Rottweil ist bis 1. November zu sehen. Anschließend geht das Setzkasten-Projekt auf Reisen. Geplant sind Stationen in Österreich und der Schweiz.

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