Am Montag wäre Erich Hauser 95 Jahre alt geworden. Eine Gedenkfeier in der Aussegnungshalle des Stadtfriedhofs erinnerte an den großen Rottweiler Stahlbildhauer.
Im Mittelpunkt stand eines seiner Werke aus der Sammlung von Tobias Kammerer und das Werk, dass auf dem Grab der Familie Hauser steht – beide sind sich sehr ähnlich und erinnern an ein Kreuz. Wobei dieser Vergleich nicht unbedingt im Sinne Erich Hausers wäre, wie Matthias Graf-Hetzler betonte. Zwar hatte Hauser in seinen frühen Jahren unter anderem die St. Maria-Kirche in Schramberg ausgestaltet – und sicherlich das Transzendente immer wieder gesucht – aber der Kirche nah war er in seinen erfolgreichen späteren Jahren nicht.
Und das Werk auf dem Grab, in dem er und seine Frau Gretel ihren Sohn viel zu früh beerdigen mussten, war vermutlich nicht eigens dafür konzipiert worden: Man habe es einfach genommen, es sei halt da gestanden, erzählte Graf-Hetzler vom Gespräch mit Hausers langjährigem Mitarbeiter Gerhard Link darüber. Dennoch: Die Kreuzform lässt sich nicht verleugnen, das Aufbrechen aus der Starre – Erich Hauser dürfte sich durchaus im Klaren darüber gewesen sein, dass auch er eines Tages hier liegen würde. Und damit der Welt etwas hinterlassen. Damals war dies ein Novum auf dem Rottweiler Friedhof, nämlich Kunst statt eines klassischen Grabsteins. Heute findet man einige Kunstwerke hier, darunter von Tobias Kammerer und Ulrike Kessl.
Matthias Graf-Hetzler schlug dennoch den Bogen zum Alten Testament, zur Wüste, in der dem aus Ägypten geflohenen Volk Gott im brennenden Dornbusch erschien, zur der Wüste, in der man sich fühlen mag, wenn das eigene Kind vor einem stirbt. Zur Sehnsucht nach einer Umarmung, für die sich weder der Dornbusch noch das Werk Hausers in der Aussegnungshalle und auf dem Grab anbietet, beide sind eindeutig zu stachelig. Und zum Feuer, das den Dornbusch nicht verzehrt, von hier zu den Lichtspielen auf den Edelstahlflächen und der Transzendenz, der Ewigkeit, die auch Hausers Werke versprechen.
Und schließlich zu der Frage, wie Erich Hauser selbst seinen Geburtstag gefeiert hätte: Sicherlich ausgelassen, und sicherlich mit Musik. Für letzteres sorgten Julia Guhl und Michael Bayer mit feinsinnig ausgesuchten Stücken: Eugène Bozza als Zeitgenossen Hausers, der seine „Aria pour Clarinette et Piano“ in den 1980ern komponierte, ebenso wie Luciano Bério sein „Lied“ – einfach tituliert, aber umso anspruchsvoller zu spielen. Aus der Romantik stammt das „Adagio für Klarinette und Klavier“ von Heinrich Josef Baermann, auch das wunderbar virtuos interpretiert. Im Beisein des Bruders des Künstlers, Heinz Hauser, galt der Dank den Veranstaltern, allen voran Tobias Kammerer, der das Werk zur Verfügung stellte wie auch den Druck davon, der nun bis zum Frühjahr in der Einbildgalerie an der Friedhofskapelle zu sehen sein wird. Eine eindrucksvolle Feier, die mit Kaffee und Hefezopf und guten Gesprächen ausklang.
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