Bezaubernder Auftakt am Wasserturm

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Zwei ausverkaufte Konzerte an einem Abend: Der Ferienzauber bleibt auch in seiner 30. Auflage eine Erfolgsgeschichte. Und dass die Veranstaltung mit den „Acabellas“ unterm Wasserturm schneller ausverkauft war als Tim Bendzko: Das machte die zwölf musikalischen Frauen um Heidrun Gimbl und Dirigentin Daria Pflumm dann doch saustolz.

 

Ihr Markenzeichen: Schwäbische Texte und ausgefeilte Chorsätze von bekannten und weniger bekannten Liedern. Und das haben die elf Sängerinnen mit ihrer Chorleiterin sorgfältig einstudiert. Die Texte handeln oft von Pfunden, von Haushalt und von Männern, oder „Lieber Orangenhaut als gar kein Profil“, so der Titel eines Liedes mit selbstbewusstem „I möchte nie wieder 18 sein“ – das dann mit einem zweifelnden „oder??“ gleich mal konterkariert wird. Selbstironie. Die zieht sich durch das ganze Programm. Und viele Hausfrauen (oder Hausmänner, bitteschön) kennen das: Sie  sitzen auf dem Sofa, und unweigerlich fällt ihnen ein, was alles noch getan werden muss. „Mer sott!“ besingen sie dieses Gefühl zur Melodie von Billy Joels „The longest Time“ – wie „i sott meh spara, Fahrrad anstatt Auto fahra“.

„Vor Ihnen stehen etwa 240 Jahre Diät-Erfahrung“ – Frontfrau Heidrun Gimbl führt durchs Programm. Und das ist Comedy wie ein Profi. Ob sie jetzt über ihren Mann Bernd erzählt (der dabei ist und in der Begleitband spielt), der ihr zuckerfreie Bonbons und fettarmen Joghurt mitbringt – „aber rotet Se mol, wem i obends alkoholfreis Bier nastell“. Ob sie, eine Banane wir ein Telefon ans Ohr geklemmt, das hippe Deutsch-Englisch auf die Schippe nimmt – sie macht es mit Charme und mit Augenzwinkern. Die über 500 im Zelt lachen sich schlapp – und es fällt auf: Auch die Sängerinnen auf der Bühne. „Die kannten das auch noch nicht“, verriet Gimbl nach der Show im Gespräch mit unserem Mitarbeiter.

Auch Freiwillige aus dem Publikum dürfen (oder sollen) ran. Einer soll einen Witz erzählen, um eine Pause auf der Bühne zu überbrücken – was er auch tut: „Früher war alles leichter. Wir zwei auch!“ Damit hat Klaus Schellenberg, Bürgermeister von Wurmlingen, die Lacher auf seiner Seite.

Mit einem gesungenen „Gut’s Nächtle“ verabschieden sich die zwölf nach dem gut zweistündigen Programm.

Wer sie noch mal sehen möchte oder keine Karten mehr bekommen hat, braucht Geduld: Die „Acabellas“ machen sich rar, schließlich haben alle mit Beruf und Haushalt genug zu tun. Aber für das nächste Konzert hat Heidrun Gimbl schon mal Werbung gemacht: „Am 4. Mai, neun Wochen nach dem Fasnetssamstag, in der Schlossberghalle Wehingen.“

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Wolf-Dieter Bojus
... war 2004 Mitbegründer der NRWZ und deren erster Redakteur. Mehr über ihn auf unserer Autoren-Seite.