Bisschen verspätet: Ralf Broß jetzt offiziell als Oberbürgermeister von Rottweil verpflichtet

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Aufstellung zum Gruppenfoto.

Es hät­te eine schö­ne, gro­ße Fei­er mit vie­len Gäs­ten wer­den kön­nen. Die hat dem amtie­ren­den und im ver­gan­ge­nen Jahr wie­der­ge­wähl­ten Ober­bür­ger­meis­ter von Rott­weil, Ralf Broß, aber ein Neu­kir­cher Bür­ger ver­miest. Alle ken­nen ihn: Wolf­gang Baur, der streit­ba­re Flie­sen­le­ger­meis­ter. Der hat­te ein Wahl­an­fech­tungs­ver­fah­ren ange­strengt und bis kurz vor Kla­ger­he­bung vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt durch­ge­zo­gen – und damit die Amts­ver­pflich­tung von Broß um ein Jahr ver­zö­gert. Am Mitt­woch nun hat sie im beschei­de­nen, den­noch aber fei­er­li­chen Rah­men statt­ge­fun­den.

Die Prot­ago­nis­ten (von links): Bür­ger­meis­ter Ruf, Frie­de­ri­ke und Ralf Broß, Regie­rungs­prä­si­den­tin Schä­fer und Stadt­rat Pos­selt. Fotos: Peter Arn­eg­ger

Nicht die Blu­men, nicht die Jackets und Kra­wat­ten, die man­che unter den Stadt­rä­ten ges­tern aus­nahms­wei­se tru­gen, mach­ten eigent­lich den fei­er­li­chen Rah­men aus. Son­dern beson­de­re Gäs­te: die Fami­lie des Ober­bür­ger­meis­ters samt Ehe­frau Frie­de­ri­ke und Regie­rungs­prä­si­den­tin Bär­bel Schä­fer, die für eine klei­ne Rede und fürs Bei­woh­nen bei der kur­zen Ver­pflich­tungs­ze­re­mo­nie nach eige­nen Wor­ten ger­ne nach Rott­weil gekom­men war (und deren Fah­rer das Pro­blem mit den knap­pen öffent­li­chen Park­plät­zen in der his­to­ri­schen Innen­stadt ganz ein­fach lös­te – indem er sei­nen Audi A8 auf dem völ­lig frei­en Müns­ter­platz abstell­te).

Es war übri­gens eine Ver­pflich­tung, kei­ne Ver­ei­di­gung, wie schon zu lesen stand. Den Amts­eid hat Broß vor neun Jah­ren schon geleis­tet. Auf den bezog sich die Ver­pflich­tung nun.

Wie­der ver­pflich­tet: OB Broß.

Broß selbst woll­te sei­ne leich­te Ent­täu­schung dar­über nicht ver­heh­len, dass die­ser Flie­sen­le­ger mit wil­den und wir­ren Pam­phle­ten – die in einem ordent­li­chen Rechts­staat den­noch aber gesich­tet und gewich­tet wer­den müs­sen – und eben mit der Wahl­an­fech­tung beim Regie­rungs­prä­si­di­um die eigent­li­che Fei­er ver­ha­gelt und die Amts­ein­set­zung bis arg weit nach Wie­der­auf­nah­me des All­tags­ge­schäfts ver­scho­ben hat­te. Vor schon einem Jahr habe die Wahl statt­ge­fun­den, auf­grund derer er, Broß, nun ver­pflich­tet wer­de, wes­halb längst der Arbeits­all­tag zurück gekehrt sei, sag­te er. Die Ver­pflich­tung sei daher „eher eine dekla­ra­to­ri­sche Not­wen­dig­keit als ein zeit­na­her Abschluss eines Wahl­kamp­fes.”

Der Grund, wes­halb er einen eher schlich­ten Rah­men gewählt habe. Flie­sen­le­ger Baur war nicht zuge­gen.

Bär­bel Schä­fer.

Die Regie­rungs­prä­si­den­tin ver­such­te, die Stim­mung zu heben. Sie zeich­ne­te ein Bild eines Rott­wei­ler Ober­bür­ger­meis­ters, der mit fast 100 Pro­zent Stim­men bei der Wahl ein sehr gutes Ergeb­nis ein­ge­fah­ren habe. Bei dem sich die Bür­ger dach­ten: „Der macht das schon.” Der allei­ne auf dem Wahl­zet­tel gestan­den habe, was man nicht klein­re­den dür­fe. Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf nann­te das „einen Rit­ter­schlag an sich.”

Schä­fer sag­te auch, Broß habe den „Brü­cken­schlag zwi­schen Trans­pa­renz, Bür­ger­nä­he und Glaub­wür­dig­keit” geschafft. Habe vie­le, auch schwie­ri­ge Pro­jek­te ange­sto­ßen, sei immer einen „part­ner­schaft­li­chen Weg” gegan­gen. Er, mit der Stadt­ver­wal­tung Trä­ger der „Demo­kra­tie­ro­se”, ste­he für eine „Poli­tik, die hin­hört, die die Bür­ger ernst nimmt, die den Aus­tausch sucht.” Es sei aber auch immer die „Balan­ce gelun­gen zwi­schen dem Zuhö­ren und dem Mit­neh­men” einer­seits und den Ent­schei­dun­gen des Gemein­de­rats gemäß den Vor­ga­ben der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie andererseits.Es sei ja nicht „per se schlecht, was ein Gemein­de­rat ent­schei­det, und per se gut, was die Bür­ger in einem Bür­ger­ent­scheid” bestimm­ten.

Wört­lich sag­te Schä­fer an Broß gewandt: „Sie haben nicht nur ein gutes Händ­chen, Sie haben auch ein gutes Team.” Das unter­strich Bür­ger­meis­ter Ruf in sei­ner Lau­da­tio. Er nann­te Broß einen „Kapi­tän, der als Takt- und Impuls­ge­ber fun­giert”, der das Ziel, „den Hafen, kennt” und der zu moti­vie­ren ver­ste­he. „Wir freu­en uns auf sie­ben wei­te­re Jah­re.”

Aus Broß‘ Rede:

Wir neh­men in Rott­weil einen Spit­zen­platz in der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung ein, wei­sen ein posi­ti­ves Wachs­tums­sal­do auf und haben eine der nied­rigs­ten Arbeits­lo­sen­quo­te in ganz
Deutsch­land.

Wir erfin­den uns als Tou­ris­mus­de­sti­na­ti­on neu, bau­en den Schul- und Bil­dungs­stand­ort kon­ti­nu­ier­lich wei­ter aus, stär­ken den Wirt­schafts­stand­ort durch inter­kom­mu­na­le Alli­an­zen und Aus­wei­sung neu­er Gewer­be­ge­bie­te, schaf­fen Bau­plät­ze für Bau­wil­li­ge, ver­bes­sern unse­re kul­tu­rel­len Ange­bo­te und stre­ben eine genera­tio­nen­ge­rech­te und nach­hal­ti­ge Kom­mu­nal­po­li­tik an.

Und bei all dem ver­lie­ren wir nicht das finanz­po­li­ti­sche Ziel eines aus­ge­gli­che­nen Haus­halts aus den Augen, so dass wir auch in der Zukunft den not­wen­di­gen Frei­raum uns bewah­ren, um Zukunfts­pro­jek­te wie bei­spiels­wei­se die bereits erwähn­te Lan­des­gar­ten­schau umzu­set­zen.

Und: 

Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung waren und sind ein zen­tra­ler Erfolgs­fak­tor der ver­gan­ge­nen Jah­re. Ohne sie hät­ten wir die­se vie­len Pro­jek­te nie Stem­men kön­nen. Der Erfolg hat immer meh­re­re Müt­ter und Väter. Auch hier gilt mei­ne Maxi­me: nur gemein­sam kön­nen wir das hin­be­kom­men.

Das wird eine der Haupt­auf­ga­ben sein, die vor uns liegt, näm­lich die Stadt­ver­wal­tung zukunfts­fä­hig zu machen und so auf­zu­stel­len, dass wir die Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft wie die Digi­ta­li­sie­rung unse­rer Umwelt, den Wis­sens­trans­fer inner­halb der Orga­ni­sa­ti­on, die Betei­li­gung enga­gier­ter Bür­ger, neue For­men der Mobi­li­tät und vie­les mehr meis­tern kön­nen und wir als „pro­gres­si­ve Stadt“ hand­lungs­fä­hig blei­ben, so wie dies der Trend- und Zukunfts­for­scher Mat­thi­as Horx letz­te Woche in sei­nem Vor­trag in der Stadt­hal­le for­mu­liert hat.

Bei dem eigent­li­chen fei­er­li­chen Akt: Broß und Pos­selt.

An CDU-Stadt­rat Gün­ter Pos­selt war es, die eigent­li­che Amts­ver­pflich­tung vor­zu­neh­men. Sie ging schnell von­stat­ten. Inzwi­schen ist die Run­de samt Stadt­rä­ten und Fach­be­reichs­lei­tern mut­maß­lich in einem Rott­wei­ler Restau­rant ange­kom­men.

 

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