Vor „unerwartet große Herausforderungen“ hat eine Umstellung der IT den Rottweiler Energieversorger ENRW bereits im vergangenen Jahr gestellt. Das Unternehmen bat „in aller Form“ um Entschuldigung – und darum, von Nachfragen abzusehen. Nun, einige Monate später, scheinen diese Probleme noch nicht abschließend behoben worden zu sein.
Der Anfang: eine umfassende IT-Umstellung im Frühjahr 2025. „Diese Umstellung hat uns unerwartet vor große Herausforderungen gestellt und sie konnte nicht wie geplant umgesetzt werden“, teilte die ENRW im Oktober 2025 mit. Nähere Details wurden zunächst nicht genannt. Bereits damals gab es laut dem Energieversorger einen Rückstand in den Bereichen Umzug und Lieferantenwechsel. Für die Verzögerungen und die den Kundinnen und Kunden entstehenden Unannehmlichkeiten wolle man sich „in aller Form entschuldigen“, teilte die ENRW mit.
Die Situation im Oktober 2025
Im Oktober hieß es, die meisten IT-Prozesse würden wieder laufen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ENRW arbeiteten mit Hochdruck daran, den Rückstand so schnell wie möglich aufzuholen. Dabei lasse man sich von einem externen Dienstleister unterstützen. Zudem seien die Besuchszeiten des Kundenzentrums eingeschränkt worden, um die Zeit effektiv für die offenen Anliegen zu nutzen, wie es hieß. Denn Nachfragen der Kundinnen und Kunden sind anscheinend nicht förderlich. „Nicht alle Anliegen können am Telefon oder bei einem persönlichen Besuch gelöst werden“, schrieb die ENRW. Insbesondere wenn bei einem Lieferantenwechsel Probleme aufgetreten sind, müssten diese zusammen mit den beteiligten Lieferanten geklärt werden. Da dabei mehrere Parteien beteiligt sind, könne die Bearbeitung unter Umständen länger dauern.
… und heute
Das alles ist jetzt, im Januar 2026, noch immer nicht Geschichte. Ein Leser berichtet der NRWZ von seinem Problem, seinen Gasliefervertrag zurück zur ENRW zu bringen. Mitte November habe er den Umzug direkt bei der ENRW online beauftragt. „Seit der Online-Empfangsbestätigung / Auftragsbestätigung herrscht Funkstille – eine Nachfrage per E-Mail von Anfang Dezember 2025 bleibt auch nach über 4 Wochen unbeantwortet“, schreibt uns der Leser. Zudem sei eine telefonische Kontaktaufnahme nicht möglich, da die Warteschleife nach 10 Minuten zwangsbeendet werde „und ich aktuell niemanden ans Telefon bekomme“.
Eine Sprecherin des Energieversorgers erklärt auf Nachfrage: „Die IT-Systemumstellung beschäftigt die ENRW weiterhin und wird auch in diesem Jahr noch zu Einschränkungen bei der Bearbeitung von Kundenanliegen führen.“ Besonders komplex seien Prozesse wie Lieferantenwechsel, „da hierbei mehrere Parteien, unter anderem der bisherige Anbieter, eingebunden sind“. Bei der Bearbeitung von E-Mail-Anfragen bestehe derzeit noch ein Rückstand. Zudem sei das Callcenter wegen des erhöhten Telefonaufkommens nicht immer sofort erreichbar. „In unserem Kundenzentrum sind wir aber weiterhin persönlich für unsere Kundinnen und Kunden da. Grundsätzlich genügt eine E-Mail mit dem Anliegen an kundenzentrum@enrw.de“, sagt die Sprecherin des Unternehmens. „Wir versichern, dass keine Nachricht verloren geht und alle Anliegen bearbeitet werden.“
Die von unserem Leser auch geäußerte Sorge, dass „viele Andere“ von den Verzögerungen betroffen seien, möchte die ENRW-Sprecherin relativieren, wie sie sagt: „Wie oben beschrieben treten Schwierigkeiten nur bei bestimmten Prozessen auf. Der überwiegende Teil unserer Kundinnen und Kunden spürt keine Auswirkungen der IT-Systemumstellung.“



