Dieser Samstag bei der Feuerwehr Rottweil: Einsatz, Übung, Einsatz

Verschwiegenheit vorab über alle Details / Beginn kurz nach 14 Uhr / Angenommen wurde "eine größere Lage" - was sich als ein ausgedehnter Waldbrand entpuppte

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Die Feuerwehr Rottweil hat, wie berichtet, am Samstagnachmittag ihre Hauptübung 2023 abgehalten. Nach einem zuvor nicht öffentlich gemachten Plan probte sie das ganz große Programm mit mehr als 100 Beteiligten. Die Übung – obschon realistisch gehalten und ernsthaft angegangen – war zu allem Überfluss flankiert von zwei realen weiteren Einsätzen. Und beim insgesamt vierten sprang die Feuerwehr Wellendingen ein und leistete Überlandhilfe.

Aus der Luft: ein Bild der Hauptübung 2023 der Feuerwehr Rottweil. Foto: Tobias Frommer
Einsatz bei Rottweil. Foto: gg
Die Einsatzstelle. In der Übungsannahme brannten 800 Quadratmeter Wald. Foto: Tobias Frommer, Feuerwehr Rottweil
Wald mit Wasserschlauch – eine solche Wasserleitung musste wegen der drastisch schlechten Wasserversorgung vor Ort über einen Kilometer hinweg verlegt werden. Foto: Tobias Frommer, Feuerwehr Rottweil

Update, 21.35 Uhr: Zusammenfassung und Fazit zur Hauptübung der Gesamtfeuerwehr Rottweil. Hier in den Worten von Rottweils Feuerwehrsprecher André Wendel:

Die Feuerwehr Rottweil wurde zur Hauptübung am 21.10.23 um 14:09 Uhr mit dem Stichwort Vegetationsbrand klein alarmiert. Übungsannahme war eine unklare Rauchentwicklung aus einem Waldstück, die von einem Autofahrer von der Bundesstraße B27 gemeldet worden war. Eine erste Erkundung auch durch eine nachgeforderte Drohne ergab ein brennendes Waldstück zwischen Rottweil und Neukirch. Nach Erhöhung auf das Stichwort Brand Vegetation groß wurde Gesamtalarm für die Feuerwehr Rottweil ausgelöst.

Aufgrund des unwegsamen Geländes und des großen Einsatzgebietes wurden je ein Bereitstellungsraum in Neukirch und auf Höhe Hardthaus eingerichtet. Mittels Wegmarkierungen und Einweisern wurden die Fahrzeuge durch die Einsatzleitung und Führungsgruppe nach und nach in Stellung gebracht. Mit mehreren Löschfahrzeugen wurde ein Pendelverkehr eingerichtet sowie eine ca. ein Kilometer lange Wasserversorgung aus Richtung Neukirch aufgebaut.

Fiktiv wurden weitere Kräfte nachgefordert, darunter eine weitere Drohne und Einsatzkräfte des THW (die tatsächlich anrückten, Anm. der Red.), Landwirte mit Großwasserbehältern sowie die Polizei mit Hubschraubern mit Außenlastbehältern zur Wasserversorgung (die natürlich nicht eingesetzt worden sind).

Um 15.31 Uhr war der Brand unter Kontrolle, im Einsatz war die Gesamtfeuerwehr Rottweil mit 19 Fahrzeugen und 106 Einsatzkräften, die Fachberater THW und Drohne sowie die Polizei. Bürgermeisterin Ines Gaehn und Fachbereichsleiter Bernd Pfaff machten sich ebenfalls ein Bild von der Lage.

Auch während solchen großen Lagen wird ein Grundschutz sichergestellt. Die entsprechenden Fahrzeuge und Einsatzkräfte wurden durch einen parallel zur Hauptübung einlaufenden Realeinsatz ebenfalls gefordert.

Die Übung wurde durch die stellvertretenden Stadtbrandmeister vorbereitet. Dadurch, dass allen Beteiligten ausschließlich der Alarmierungszeitpunkt bekannt war, konnte ein sehr realistisches Bild über die Fähigkeiten und Abläufe der Gesamtfeuerwehr gewonnen werden. Eine Übungsnachbesprechung sowie detaillierte Aufarbeitung der gewonnenen Erkenntnisse folgt in den nächsten Tagen und Wochen.

 

Die Details der Übung kannte vor der Alarmierung nur die Führungsebene – namentlich die stellvertretenden Stadtbrandmeister Markus Württemberger und Joachim Wollstädt, die das Szenario ausheckten. Es handelte sich diesmal nicht um eine Schauübung.

Joachim Wollstädt und Frank Müller (rechts). Foto: gg

Stadtbrandmeister Frank Müller zog ein persönliches Fazit:

Die Hauptübung der Feuerwehr Rottweil war absichtlich in diesem Rahmen gewählt worden, da die Anforderungen unserer Hauptübung über das übliche Maß eines normalen Brandeinsatzes mit Menschenrettung hinausgehen sollten. Die Herausforderung war, sich in dem großen und dem Großteil der Einsatzkräften unbekannten Waldgebiet zurechtzufinden, das Szenario zu erkunden und die entsprechenden Gefahrenabwehrmaßnahmen einzuleiten. Hierbei war die Kommunikation untereinander über Funk eine der Herausforderungen. Die Bildung von taktischen Einsatzabschnitten und der jeweiligen Zuordnung der Einsatzfahrzeuge sowie die Wasserversorgung für beide Einsatzabschnitte eine andere.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Blaulichtfamilie, heute vor Ort Feuerwehr, Polizei, THW und Verwaltung, sowie auch abteilungsübergreifend in der Feuerwehr Rottweil hat sehr gut funktioniert. Auf alle Widrigkeiten , die die hervorragend ausgearbeitete Übung bot, wurden Lösungen gefunden, bis hin zur fiktiven Anforderung eines Polizeihubschraubers mit Außenlastbehälter aufgrund der nicht mehr vorhandenen Wasserversorgung über einen Wasserhochbehälter.

Wir freuen uns über die weitere Zusammenarbeit mit den jeweiligen Förstern des Stadtwalds und bieten bei der Erstellung der detaillierten Forstkarten durch das Land gerne unsere Hilfe an.

 

Update, 20 Uhr: Wie wir gerade erfahren, gab es während der heutigen Hauptübung der Feuerwehr Rottweil es noch einen weiteren Einsatz neben dem BMA bei Mahle. Eine Ölspur galt es zu beseitigen, die sich von der JET bis nach Wellendingen zog. „Haben wir erledigt per Überlandhilfe“, heißt es seitens der Feuerwehr Wellendingen.

Bereitstellungsraum für die nachrückenden Kräfte: ein Parkplatz an der B 27. Von dort sind die Fahrzeuge nach und nach in den laufenden Einsatz eingebunden worden, nachdem ihrer Besatzung Aufgaben zugewiesen worden sind. Foto: gg

Update, 16 Uhr: Während die Übung dem Ende entgegengeht, die Schläuche eingerollt werden, kommt ein ernster Einsatz: Brandmelderalarm bei Mahle. Den Feuerwehrleuten wird es heute nicht langweilig. Allein dorthin sind 18 Kräfte in vier Fahrzeugen ausgerückt. Kein Brand, übrigens: Der Brandmelder ist durch Wasserdampf ausgelöst worden.

Der Abrollbehälter Schlauch. Foto: gg
Fachbereichsleiter Bernd Pfaff und Bürgermeisterin Ines Gaehn informierten sich vor Ort. Foto: gg
Die Einsatzstelle, die mit ein wenig Feuer und etwas Wasser markiert wurde. Foto: gg
Auf Einsatzfahrt: Stadtbrandmeister Frank Müller

Update, 15.30 Uhr: Laut Einsatzleiter Frank Müller habe die Feuerwehr häufiger Gebäudebrände abzuarbeiten. Man übe daher ein unbekanntes Szenario. Außerdem sei es wichtig, etwa den umfangreichen Funkverkehr in dem weitläufigen, undurchsichtigen Waldgebiet zu üben. Und Überraschungen zu erleben – etwa dass ein naher Hochbehälter nicht mehr in Betrieb ist, dass ein Hydrant trocken steht, im Einsatzfall kein Wasser liefern kann.

Besprechung zwischen Vertretern der Führungsgruppe und der Fachgruppe Drohne, die in Villingendorf stationiert ist. Foto: gg
Die Einsatzleitung bei der Arbeit. Darunter der Fachberater Wald des THW. Foto: gg
Auch das THW war mit einem Vertreter vor Ort. Foto: gg

Update, 15 Uhr: Übungsannahme ist ein sich ausbreitender Waldbrand zwischen Neukirch und dem Berner Feld, auf Höhe Hardthaus. Das THW ist eingebunden mit dem Fachberater Wald, ebenso die Drohneneinheit des Landkreises, die in Villingendorf stationiert ist. Alarmierung war um 14.09 Uhr, so der Rottweiler Feuerwehrsprecher Andre Wendel. Die Rauchentwicklung im Wald ist von einem (fiktiven) Autofahrer auf der B 27 gemeldet worden.

Gegenwärtig sind die Feuerwehrleute zu Fuß im Wald unterwegs, um die Einsatzstelle zu erkunden und das Ausmaß zu ermessen, so Wendel. Alles läuft unter der Annahme eines realen Einsatzes.

Schwierigkeit, so Wendel, sei es, die Fahrzeuge auf den engen Feldwegen zu positionieren. Und die Wasserversorgung über hunderte Meter aufzubauen. Zum Szenario: Es müsse einfach alles mal realistisch geübt werden, so Wendel. Die Geheimhaltung: damit sich niemand vorbereiten kann. Angeblich auch nicht der Einsatzleiter, Frank Müller. Er erklärt: Er habe das Szenarium Waldbrand gekannt. Nicht die Örtlichkeit.

 

(Rottweil). Hauptübungen der Feuerwehren gehören zum Herbst wie goldfarbenes Laub. Herbst schreibt sich schließlich mit H wie Hilfeleistung. In diesen Tagen, nach den Sommerferien, zeigen die einzelnen Wehren ihren Leistungsstand – nach außen wie nach innen. Und sie machen sich fit für die anstehenden, oft unvorhersehbaren, immer unter Stress und im Team abzuarbeitenden Aufgaben des Hilfs- und Rettungswesens. Bei den Übungsannahmen gehen die Feuerwehren oft an Grenzen, die im Alltag – glücklicherweise – selten erreicht werden. Aber man muss auf solche Einsätze, auf höchsten Stress vorbereitet sein. Das muss geprobt werden.

Der Bereitstellungsraum für die nachgerückten Fahrzeuge. Foto: gg

Beispielhaft und stellvertretend für weitere im Landkreis Rottweil stattfindende Hauptübungen begleiten wir die in Rottweil. Nahezu zeitgleich startete etwa eine in Oberndorf-Bochingen, die Übungsannahme dort: ein schwerer Verkehrsunfall.

Meist üben die Feuerwehren unter den Augen der Öffentlichkeit, laden ein wie zu einem Event, der es dann auch ist. Oft in unmittelbarer Nähe stehen Zuschauerinnen und Zuschauer, während Einsatzkräfte unter ihrem Helm und ihrer schweren Kleidung schwitzen und versuchen, ihre Sache so gut wie nur irgend möglich zu machen. Die Führung der Rottweiler Wehr entschied sich, am heutigen Samstag einen anderen Weg zu gehen.

Die Übungsannahme, das Szenario und der Ort der Rottweiler Hauptübung sind für die teilnehmenden Einsatzkräfte im Vorfeld nicht bekannt gegeben worden. “Deshalb handelt es sich auch nicht um eine Schauübung für die Bevölkerung”, so der Sprecher der Rottweiler Wehr, Rüdiger Mack, im Vorfeld. Die Presse bat er um Stillschweigen. Nähere Informationen bot er ohnehin nicht an, weshalb es auch nichts zu berichten gab.

Es sollen alle Abteilungen der Feuerwehr Rottweil an der Übung teilnehmen. Das bedeutet: rund 25 Fahrzeuge aus allen Ortsteilen mit mehr als 100 Einsatzkräften rücken aus. Ihnen war zuvor nur bekannt, dass der Beginn um 14 Uhr sein würde.

Erster Einsatz des Tages: ein vermeintlicher Wohnungsbrand in der Glükhergasse. Foto: Blaulichtreport Rottweil

An diesem Samstagmorgen vor der Übung war die Feuerwehr schon in der Rottweiler Innenstadt gefragt. Dort hatte ein Ofen eine Wohnung so verqualmt, dass man zunächst von einem Wohnungsbrand ausgehen musste. Dem war glücklicherweise nicht so.

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Peter Arnegger (gg)https://www.nrwz.de
... ist seit gut 25 Jahren Journalist. Mehr über ihn hier.