Lokale News wie ein Lauffeuer: Die Gratis-App „Zundr” kommt nach Rottweil und Schramberg

Zundr läuft auf allen Smartphones mit aktuellen iOS- und Android-Betriebssystemen

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Sie stecken hinter der kostenlosen Lokalnachrichten-App „Zundr ”: Peter Bürk (hinten links) und sein Team. Foto: pm

(Anzei­ge). Peter Bürk ist in der Regi­on und der Online-Sze­ne kein Unbe­kann­ter. Was er bis­her ange­fasst hat, hat auch schon bun­des­weit für Auf­se­hen gesorgt. Für sein bis dato größ­tes Pro­jekt, die Ska­ter-Platt­form „Besttrick“, hat er den Inno­va­ti­ons­preis vom Bun­des­prä­si­den­ten gewon­nen. Jetzt ist der gebür­ti­ge Schwen­nin­ger mit dem neu­en Pro­jekt „Zundr“ am Start.

Zundr – der Name steht für eine Gra­tis­platt­form für News aus der Umge­bung, Ant­wor­ten zu loka­len The­men und Mei­nun­gen der Men­schen aus dem direk­ten Umfeld. In VS-Schwen­nin­gen und Umge­bung ist die dor­ti­ge „Neckar­quel­le“ mit dem Pro­jekt gestar­tet, jetzt klinkt sich für Rott­weil, Schram­berg und Umge­bung die NRWZ ein. Doch – was ist „Zundr “ genau? Wir haben mit dem Pro­jekt­ma­cher, Peter Bürk, über die neue App gespro­chen, die die Soci­al-Media-Welt berei­chern oder gar ver­än­dern könn­te.

Herr Bürk – zunächst ein­mal: Was bedeu­tet Zundr?

Peter Bürk: Im Ide­al­fall ist der Name Pro­gramm. Zundr steht für „Zun­der“, womit sinn­bild­lich wie­der­um ein Kata­ly­sa­tor gemeint ist, der dafür sorgt, dass sich eine Nach­richt wie ein Lauf­feu­er ver­brei­ten kann.

Bereits eta­blier­te Soci­al-Media-Platt­for­men wie Face­book, Twit­ter, You­tube, Insta­gram und Snap­chat haben den Markt aber bereits weit­ge­hend unter­ein­an­der auf­ge­teilt. Da kom­men Sie und möch­ten die digi­ta­le Welt mit einer wei­te­ren Platt­form berei­chern. Ist das nicht ein wenig mutig?

Neue digi­ta­le Pro­jek­te in den Markt zu brin­gen ist immer ein wenig mutig, aber wenn man von einer Idee über­zeugt ist, soll­te man sein Glück auch ver­su­chen. Außer­dem ver­folgt Zundr einen ganz ande­ren Ansatz als die von Ihnen genann­ten Platt­for­men – obwohl es mir ja schmei­chelt, dass Sie unser Pro­jekt im sel­ben Atem­zug nen­nen.

Wel­chen Ansatz ver­fol­gen Sie denn?

Im Prin­zip fol­gen die gro­ßen Soci­al-Media-Platt­for­men einem glo­ba­len Ansatz, qua­si nach dem Mot­to: „Aus der Welt, für die Welt“. Unser Pro­jekt wur­zelt dage­gen im Mikro­kos­mos eines jeden ein­zel­nen Users. Am Anfang steht die loka­le Rele­vanz einer Nach­richt, von wo aus sie dann in kon­zen­tri­schen Krei­sen ver­brei­tet wer­den kann – ähn­lich wie ein Lauf­feu­er eben. Je höher die Rele­vanz, des­to höher die Vira­li­tät, des­to grö­ßer der Radi­us, des­to grö­ßer die Reich­wei­te.

Das ist jetzt ein biss­chen Fach­chi­ne­sisch, das müs­sen Sie uns näher erklä­ren.

Wie bei ande­ren Platt­for­men auch, ist unser User Nach­rich­ten­ver­fas­ser und -kon­su­ment zugleich. Macht er jetzt eine Beob­ach­tung oder hat er eine Mei­nung, die er ger­ne mit sei­ner Umwelt tei­len möch­te, kann er dies über Zundr tun, was soweit nichts Neu­es ist. Aller­dings wird die­se Nach­richt zu Beginn nur den Usern ange­zeigt, die sich inner­halb eines bestimm­ten Radi­us des Ver­fas­sers befin­den. Auf die­se Wei­se hat jede ange­zeig­te Nach­richt zumin­dest eine loka­le Rele­vanz für den App-User. Der User kann dann wie­der­um ent­schei­den, ob er die­se Nach­richt gut oder schlecht fin­det und somit auch, ob sie eine höhe­re Reich­wei­te erzie­len oder gege­be­nen­falls ganz aus der App ver­schwin­den soll.

Somit soll sich der Wert einer Mit­tei­lung also selbst regu­lie­ren. Ist das der ein­zi­ge Unter­schied?

Nicht ganz. Auf Zundr kann sich der Nut­zer völ­lig anonym bewe­gen. Es gibt kei­nen Regis­trie­rungs­pro­zess, es gibt kei­ne Nick­na­mes und ich kann auch kei­ne bestimm­ten Per­so­nen abon­nie­ren oder aus­schlie­ßen. Dies haben wir ganz bewusst so gemacht, da wir glau­ben, dass die User umso mit­tei­lungs­freu­di­ger sein wer­den, je weni­ger per­so­ni­fi­zier­ba­re Daten­spu­ren hin­ter­las­sen wer­den.

Aktu­ell ist ja das The­ma „Fake-News“ in aller Mun­de. Wie beab­sich­ti­gen Sie, mit die­sem bri­san­ten The­ma umzu­ge­hen, zumal Ihre Nut­zer unter dem Deck­man­tel der Anony­mi­tät agie­ren kön­nen?

Zunächst ein­mal gibt es selbst­ver­ständ­lich eine Neti­quet­te. Alles, was nicht unse­ren Richt­li­ni­en ent­spricht, kann gemel­det wer­den und wird – wenn sich der Ver­dacht bewahr­hei­ten soll­te – ohne Vor­war­nung gelöscht. Zwei­tens ver­trau­en wir auch auf den schon ange­spro­che­nen Selbst­re­gu­lie­rungs­me­cha­nis­mus, wonach alles abge­wer­tet wird, was der Com­mu­ni­ty ent­spre­chend nega­tiv auf­fällt. Das kann, wie gesagt, bis zur auto­ma­ti­schen Löschung des Posts gehen.

Nun zur Gret­chen­fra­ge: Wie hal­ten Sie es mit dem Geld­ver­die­nen? Oder mach Sie das Gan­ze nur aus Spaß?

(lachend): Naja, obwohl uns die Pro­jek­tie­rung sogar sehr viel Spaß gemacht hat, möch­ten wir irgend­wann natür­lich auch etwas Geld damit ver­die­nen. Die­ses The­ma wer­den wir aber erst ange­hen, wenn Zundr den ers­ten Pra­xis­test bestan­den hat.

Zu guter Letzt: War­um gera­de VS – gibt es für einen sol­chen Pro­jekt­start nicht geeig­ne­te­re Orte?

Irgend­wo muss ein Lauf­feu­er ja sei­nen Ursprung haben – war­um also nicht in VS? Die Rele­vanz einer Geschich­te ist immer dann am größ­ten, wenn man mit­ten­drin ist, viel­leicht sogar ein Teil die­ser Geschich­te ist. Unter die­sem Aspekt gibt es eigent­lich kei­nen bes­se­ren Ort als den Ort, in dem man selbst zuhau­se ist.

Info: Jeder, der die App besitzt, kann einen Bei­trag ver­fas­sen, wel­cher nur von Nut­zern in der direk­ten Umge­bung gele­sen und kom­men­tiert wer­den kann. Die Com­mu­ni­ty bestimmt die Reich­wei­te. Je nach Reak­ti­on der Nut­zer auf einen Bei­trag ver­än­dert sich die Reich­wei­te. Span­nen­de Inhal­te ver­brei­ten sich durch Likes und Kom­men­ta­re wie ein Lauf­feu­er. Lang­wei­li­ges ver­schwin­det. Für Rott­weil, Schram­berg und die umlie­gen­den Gemein­den fun­giert die NRWZ als loka­ler Mode­ra­tor und News-Aggre­ga­tor.

Zundr läuft auf allen Smart­pho­nes mit aktu­el­len iOS- und Andro­id-Betriebs­sys­te­men. Die kos­ten­lo­se App kann ab sofort in den App-Stores von Apple und Goog­le her­un­ter­ge­la­den wer­den, wei­te­re Infos gibt es auf www.Zundr-app.de

Peter Bürk. Foto: pm

Stichwort: „Zundr“ … das steckt dahinter

Wenn in China ein Sack Reis umfällt, interessiert das keine Sau. Wenn der Sack aber meinem Nachbarn auf den Fuß fällt oder der ganze Reis auf dem Radweg zur Arbeit liegt, wird dieses kleine Ereignis für mich und weitere Menschen in der Nähe bedeutend.

2014 begann die Rei­se von Zundr. Mein ers­ter Gedan­ke war, ein Medi­um für Nach­rich­ten zu ent­wi­ckeln, das von den Nut­zern selbst gepflegt wer­den soll­te. Wir haben dazu eini­ge Bei­spie­le aus den USA beob­ach­tet, die zum Teil sehr gut rea­li­siert waren, aber lei­der nicht ange­nom­men wur­den. Nach­rich­ten wur­den dort oft mit einer fes­ten Reich­wei­te ver­öf­fent­licht. Klei­ne­re Ereig­nis­se hat­ten dabei zu viel Reich­wei­te, bedeu­ten­de Ereig­nis­se viel zu wenig – es fehl­te an einer dyna­mi­schen Regu­lie­rung. Schnell kam dann die Idee, dass sich bei uns Nach­rich­ten wie ein Lauf­feu­er ver­brei­ten sol­len.

Klei­ne Ereig­nis­se blei­ben eine klei­ne Flam­me und Span­nen­des ent­wi­ckelt sich zu einem Flä­chen­brand. Unter dem Arbeits­ti­tel Wild­fire began­nen wir 2015, die Rele­vanz von Nach­rich­ten wis­sen­schaft­lich zu betrach­ten. Das Ergeb­nis bestä­tig­te, dass für die meis­ten Men­schen der bedeu­tends­te Nach­rich­ten­fak­tor die räum­li­che Nähe zu einem Ereig­nis ist. Der Nach­rich­ten­wert und somit auch die Reich­wei­te müs­sen dabei aber auch von den Men­schen vor Ort beur­teilt wer­den. Was wir also benö­ti­gen, ist ein rela­tiv dich­tes Netz­werk an mit­tei­lungs­freu­di­gen Men­schen. Im Okto­ber 2017 war es dann tat­säch­lich geschafft und wir konn­ten die App für Andro­id und iOS ver­öf­fent­li­chen. Und dem ers­ten Anschein nach, zün­det es auch.

Peter Bürk

PS: Ach­so, um ein Lauf­feu­er zu ent­zün­den, benö­tigt es Zun­der. Damit wisst ihr jetzt auch, wie wir auf den Namen gekom­men sind.