Riesiger Zulauf: Turmfest in Rottweil. Foto: Ralf Graner

Die Ver­wal­tung hat­te vom Gemein­de­rat – dort von der CDU-Frak­ti­on – den Auf­trag bekom­men, her­aus­zu­fin­den, ob das Rott­wei­ler Stadt­fest eigent­lich nicht eine Rund­erneue­rung bräuch­te. Ob es nicht wie das ein­zig­ar­ti­ge Turm­fest im ver­gan­ge­nen ein Groß­ereig­nis auf dem Stra­ßen­kreuz sein soll­te mit Zeit­rei­se, Rie­sen­rad, Street­food Markt und wei­te­rem mehr. Die Ver­wal­tung hat dazu die Ver­ei­ne befragt und ein eher geteil­tes Echo erhal­ten. Und sie ver­weist auf explo­die­ren­de Kos­ten, wenn nun alle zwei Jah­re ein Turm‑, statt eines Stadt­fests gefei­ert wür­de. Am Mitt­woch soll der Gemein­de­rat dis­ku­tie­ren.

Die Daten­ba­sis ist nicht die brei­tes­te. Das Kul­tur- und Sport­amt, zustän­dig für das Rott­wei­ler Stadt­fest, hat 25 teil­neh­men­de Ver­ei­ne befragt, wovon 17 Rück­mel­dun­gen ein­gin­gen. Und die­ses Echo ist auch noch geteilt. Mit Ten­denz zu: „Eigent­lich soll das Stadt­fest so blei­ben, wie es ist.”

Hier mal ein Spie­gel der Stel­lung­nah­men zur Fra­ge, ob das Stadt­fest ana­log zum Turm­fest, anläss­lich des­sen die Innen­stadt gesperrt gewe­sen ist, ins Haupt­stra­ßen­kreut beim Fried­richs­platz ver­legt wer­den soll­te:

  • Stand­kon­zept des TSV ist auf „Altes Rat­haus“ aus­ge­legt. Bele­bung Obe­re
    Haupt­stra­ße (Fuß­gän­ger­zo­ne)
  • Das muss dann in den ein neu­es Gesamt­kon­zept pas­sen, die Berei­che Son­nen- bzw. Müns­ter­platz und ober­halb des Schwar­zen Tores mit ihren Büh­nen müs­sen auch wie­der inte­griert oder durch neue Ide­en ersetzt wer­den.“
  • Aus unse­rer Sicht für Ver­ei­ne nicht zweck­mä­ßig“
  • Jedoch soll­te man sich Gedan­ken machen, wo man das „Jugend­li­chen“ Pro­gramm „Wald­tor­stra­ße“ plat­ziert.“
  • Bes­ser Haupt­stra­ßen­kreuz als Kapu­zi­ner­park­platz, wobei der Müns­ter­platz für uns sehr gut war. Hier gab es auch Mög­lich­keit einer Tri­bü­ne, wie wäre das an der Kapel­len­kir­che? Gibt es dort die Mög­lich­keit, die Hüt­te auf­zu­stel­len? Es müss­te dann wie­der eine neue Lösung gefun­den wer­den, wo die ein­zel­nen Ver­ei­ne unter­kom­men. Hier kom­men wie­der zusätz­li­che Kos­ten auf die Ver­ei­ne zu.“
  • Wobei unser Platz in der Wald­tor­stra­ße auch völ­lig in Ord­nung ist.“
  • Inter­es­san­ter Ver­such, falls der Stra­ßen­zug mit aus­rei­chend Ver­ei­nen gefüllt wer­den kann.“
  • Nicht gut aus Platz­man­gel“
  • Haupt­kreuz ist zu zugig! TGA wür­de gern mit den ande­ren Ver­ei­nen auf dem Son­nen­park­platz blei­ben.“

Eigent­lich äußert sich hier nur ein Ver­ein eini­ger­ma­ßen posi­tiv. 

Zwei­tes Bei­spiel – so ant­wor­te­ten die Ver­ei­ne laut der Stadt­ver­wal­tung auf die Fra­ge, ob künf­tig bei im zwei­jäh­ri­gen Tur­nus statt­fin­den­den Stadt die soge­nann­te Zeit­rei­se inte­griert wer­den sol­le – ein Turm­fest-Ele­ment, das etwa die The­men Römer, Rit­ter, Rott­wei­ler Hund, Fas­net inte­grier­te. 

  • Ob das jedes Jahr/ jedes Mal not­wen­dig ist? Prin­zi­pi­ell immer gut, wenn Besu­cher
    von Rott­weil erfah­ren.“
  • Zeit­rei­se war inter­es­sant, aber das Wie­der­ho­len in zwei­jäh­ri­gen Tur­nus eher lang­wei­lig.“
  • Wir stim­men nur zu, wenn kei­ne zusätz­li­chen Kos­ten für die Ver­ei­ne ent­ste­hen.“
  • Die Zeit­rei­se war eine sehr gute ein­ma­li­ge Akti­on, bei wie­der­keh­ren­den Stadt­fes­ten läuft sich die Akti­on tot.“
  • Nein! Rie­sen­rad ja, der Rest muss nicht sein.“
  • Die Infor­ma­ti­ven Stän­de sehr gut, aller­dings die pro­fes­sio­nel­len Ver­kaufs­stän­de (Getränke/Essen) pas­sen nicht zu einem Ver­eins­fest.“
  • Gene­rell fin­de ich es gut, wenn Fest ein Mot­to haben, wie mit­tel­al­ter­li­cher
    Weih­nachts­markt in Ess­lin­gen.“
  • Unnö­tig.“
  • Die Zeit­rei­se war ein schö­nes Ele­ment für das Turm­fest, aller­dings glau­ben wir nicht, dass die­ses Ele­ment alle 2 Jah­re wie­der inter­es­sant ist.“

Kla­re Able­hung. Auch das Rie­sen­rad, das beim Turm­fest auf dem Kapel­len­hof stand, kön­nen sich die Ver­eins­ver­tre­ter offen­bar nicht stän­dig vor­stel­len:

  • Nein, nicht zweck­mä­ßig.“
  • Fahr­ge­schäf­te stei­gern die Attrak­ti­vi­tät, wie z.B. auch das Karus­sell am Weih­nachts­markt.“
  • Nice to have, aber wenn es zu oft gemacht wird, wird es sei­nen Reiz ver­lie­ren.“
  • Muss nicht immer unbe­dingt sein, ger­ne Abwechs­lung.“
  • Könn­te Leu­te anzie­hen, aber ein Euro kann nur ein­mal aus­ge­ge­ben wer­den.“
  • Wur­de gut ange­nom­men – kei­ne Kon­kur­renz zu den Ver­ei­nen.“
  • Auch für Kin­der ein­fach was tol­les.“

Ganz kla­re Able­hung erfährt der Street-Food-Mar­ket, der beim Turm­fest die Mas­sen ange­lockt hat­te: 

  • Nicht gut, weil gro­ße Kon­kur­renz zum kuli­na­ri­schen Ange­bot der Ver­ei­ne.“
  • Stadt­fest soll­te ein Fest der Ver­ein blei­ben.“
  • Nach­teil für eige­ne Ver­ei­ne.“
  • Jedoch soll­te man die Ver­ei­ne nicht benach­tei­li­gen.“
  • Nein, nicht zweck­mä­ßig.“
  • Das Stadt­fest lebt auch vom kuli­na­ri­schen Ange­bot der Ver­ei­ne. Pro­fes­sio­nel­le Street-Food Unter­neh­men beschrän­ken sich auf weni­ge unter­schied­li­che Ange­bo­te und tre­ten in Kon­kur­renz zu den Ver­ei­nen.“
  • Nein! Viel zu kom­mer­zi­ell! Solan­ge genü­gend Ver­ei­ne sich betei­li­gen, soll­te das Essens­an­ge­bot von den Ver­ei­nen prä­sen­tiert wer­den, ins­be­son­de­re die aus­län­di­schen Ver­ei­ne…“
  • Nicht gut, da die Ver­ei­ne mit den pro­fes­sio­nel­len Food-Trucks nicht kon­kur­rie­ren
    kön­nen.“
  • Sehr schlecht!!! Das Ange­bot soll von den Ver­ei­nen kom­men! Stadt­fest = Fest der Ver­ei­ne!“
  • Schön, um nicht immer die glei­chen Spei­sen wie Pom­mes und Wurst zu haben.“
  • Soll­te den Umsatz der Ver­ei­ne nicht schmä­lern. Sonst muss irgend­wann ein­mal nur mit selbst­stän­di­gen Stän­den das Stadt­fest durch­ge­führt wer­den.“
  • Allein schon die Idee????“
  • Schlecht, weil so eine Kon­kur­renz zu den Ver­ei­nen ent­steht. Lie­ber die Viel­fäl­tig­keit des Ange­bots der Ver­ei­ne för­dern.“
  • Beim Stadt­fest gehört das Essen zu den Ver­ei­nen.“

Hier wird auch klar, dass die Ver­ei­ne, die am Stadt­fest ihre Kas­sen fül­len um ihre all­täg­li­chen Auf­ga­ben erfül­len kön­nen, kei­ne Kon­kur­renz brau­chen kön­nen. Etwa auch nicht dadurch, dass das Volks­fest, wie vom Gemein­de­rat ange­regt, ins Stadt­fest inte­griert wer­de. Mit ähn­li­chen Begrün­dun­gen wie den Street-Food-Markt leh­nen die Stadt­fest-Ver­ei­ne die Inte­gra­ti­on des Volks­fests ab. 

Kla­res Nein auch zur Fra­ge, ob zur Finan­zie­rung der zusätz­li­chen Attrak­ti­on ein Ein­tritts­geld ver­langt wer­den könn­te. Eine typi­sche Ant­wort: „Wenn Ein­tritt ver­lang wird, muss etwas gebo­ten sein. Es kann ange­nom­men wer­den, jedoch auch total in die Hose gehen. Schwie­ri­ges The­ma.“ Eines, das für man­che Ver­ei­ne mehr Fra­gen auf­zu­wer­fen scheint, als es beant­wor­tet.

Turm­fest und Stadt­fest – zwei Paar Schu­he? Ganz offen­kun­dig. Ein Ver­eins­ver­tre­ter schreibt der CDU ins Stamm­buch: 

Wer die­se Fes­te ver­gleicht, hat nichts im Gemein­de­rat zu suchen, weil Ihm wohl die Bin­dung zur Bevöl­ke­rung fehlt und wohl gar nicht weiß was Ver­eins­ar­beit bedeu­tet.“

Und ein ande­rer Ver­ein ant­wor­te­te deut­lich: 

Ganz wich­tig ist, dass man einen VW-UP nicht mit einer S‑Klasse Mer­ce­des ver­gleicht. Wäh­rend sich die Stadt in den letz­ten 20 Jah­ren immer mehr aus der Finan­zie­rung des Stadt­fests zurück­ge­zo­gen hat (2‑jähriger Tur­nus, hohe Stand­ge­büh­ren, höhe­re Auf­la­gen,…) wur­de beim Turm­fest sei­tens der Stadt finan­zi­ell geklotzt. Wich­tig für das Stadt­fest wäre, alles was es für Ver­ei­ne attrak­ti­ver macht am Stadt­fest teil­zu­neh­men ohne das Fest zu ver­bes­sern, z.B. könn­ten Sitz­gar­ni­tu­ren von der Stadt finan­ziert wer­den. Sonst wird das Stadt­fest zu einem rein unter­neh­me­ri­schen, wirt­schaft­li­chen Event, von dem Sozi­al­schwa­che, die Ver­ei­ne und die Bür­ger unbe­tei­ligt bzw. aus­ge­grenzt blei­ben.“

Ins­ge­samt ergibt sich das Bild, nach­dem die Ver­ei­ne mit dem bis­he­ri­gen Stadt­fest recht zufrie­den sind. Mehr sei immer schön – doch wer bezahlt’s? Die Rech­nung hat die Stadt­ver­wal­tung auf­ge­macht – und kommt auf teils hor­ren­de Kos­ten:

So wür­de ein Stadt­fest mit Zeit­rei­se 140.000 Euro kos­ten. Allein die Sper­rung des Stra­ßen­kreu­zes für den Auto­ver­kehr schlägt mit 18.000 Euro zu Buche. 60.000 Euro hat die Zei­rei­se beim Turm­fest laut Stadt­ver­wal­tung gemäß einer Kos­ten­auf­stel­lung der trend fac­to­ry aus­ge­macht, die die Ver­an­stal­tung für die Stadt­ver­wal­tung umge­setzt hat­te.

Ein Stadt­fest mit Rie­sen­rad wür­de 121.650 Euro kos­ten. Durch das Rie­sen­rad kön­nen Ein­nah­men gene­riert wer­den. Die Kos­ten­de­ckung hält die Ver­wal­tung jedoch für frag­lich,
da weni­ger Besu­cher beim Stadt­fest als beim Turm­fest sein wer­den.

Ein Stadt­fest mit Street-Food-Markt nach Rech­nung der Stadt 84.000 Euro kos­ten. Er stößt aber auch auf gro­ße Ableh­nung durch die Ver­ei­ne.

Ein Stadt­fest mit Feu­er­werk wie beim Turm­fest, abge­feu­ert beim Test­turm, 71.800 Euro kos­ten. 

Und ein Stadt­fest mit einem „Fly­ing Table” – die­sem Tisch, der samt Ses­seln in die Luft gezo­gen wird und der eine der gro­ßen Attrak­tio­nen beim Turm­fest war – lan­de­te bei 91.750 Euro. 

Zum Ver­gleich: Das Stadt­fest kos­tet net­to 48.000 Euro. Geld, das sich die zustän­di­ge Sach­be­ar­bei­te­rin, Eva Schu­ma­cher vom Kul­tur- und Sport­amt müh­sam vom Gemein­de­rat hat sich erkämp­fen müs­sen. Das bedeu­tet: Die­se Sum­me setzt die Stadt­ver­wal­tung als Kos­ten an. Die tat­säch­li­chen Kos­ten lie­gen um 27.000 Euro höher, die­ser Betrag kommt aber durch Spon­so­ring (11.000 Euro), Stand­mie­te der Ver­ei­ne (11.000 Euro) und die Stadt­fest-Tom­bo­la (5000 Euro) wie­der rein.

Ein­zig ein Stadt­fest mit Son­der­the­ma - im kom­men­den Jahr etwa „500 Jah­re ewi­ger Bund” – wür­de ver­gleichs­wei­se güns­tig zu haben sein. Hier rech­net die Ver­waltng mit Zusatz­kos­ten von ledig­lich 3000 Euro. 

Im Übri­gen lehnt die Ver­wal­tung es ab, das Rott­wei­ler Volks­fest zu inte­grie­ren. Begrün­dung: „Das Volks­fest ist wegen topo­gra­fi­schen Gesichts­punk­ten nur mit sehr hohem Auf­wand in das Stadt­fest zu inte­grie­ren. Außer­dem liegt grund­sätz­lich ter­min­lich im Juni (Anfang Sep­tem­ber sind wegen grö­ße­rer Volks­fes­te bereits die meis­ten Fahr­ge­schäf­te nicht ver­füg­bar). Es wäre denk­bar, ana­log zum Weih­nachts­markt, ein Karus­sell o.ä. für Kin­der auf­zu­stel­len.”

Auch soll kein Ein­tritt fürs Stadt­fest ver­langt wer­den, um etwa zusätz­li­che Attrak­tio­nen zu finan­zie­ren. Begrün­dung: „Da es beim Stadt­fest und auch bei allen umlie­gen­den Dorf­fes­ten kein Ein­tritts­geld gibt, ist hier­von abzu­ra­ten. Es bedarf eines hohen Per­so­nal­auf­wands, die­sen Ein­tritt zu kas­sie­ren und zu kon­trol­lie­ren. Außer­dem müss­te das Gelän­de abge­sperrt wer­den, was zusätz­li­che Her­aus­for­de­run­gen in Sachen Sicher­heits­kon­zept bedeu­ten wür­de. Das Stadt­fest ist in sei­ner Tra­di­ti­on ein Ver­eins­fest für alle Rott­wei­ler und Besu­cher aus der Umge­bung. Daher soll­te man hier auch nie­man­den durch Ein­tritts­gel­der aus­gren­zen. ”

Außer­dem hält die Ver­wal­tung Stadt- und Turm­fest vom per­so­nel­len Auf­wand her für nicht ver­gleich­bar: „Bei der Stadt Rott­weil ist Eva Schu­ma­cher vom Fach­be­reich 3, Kul­tur- und Sport­amt, mit 3 Pro­zent im Stel­len­um­fang zwei­jäh­rig für die Orga­ni­sa­ti­on allein ver­ant­wort­lich. Am Stadt­fest­wo­chen­en­de wird sie für die Durch­füh­rung von 2 wei­te­ren Per­so­nen unter­stützt. Für die Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung des Turm­fes­tes waren eine Event Agen­tur und meh­re­re Mit­ar­bei­ter der Stadt­ver­wal­tung betraut.”

Das Fazit der Ver­wal­tung: „Die Ein­bin­dung ver­schie­de­ner Ele­ment ist nur mit zusätz­li­chen Kos­ten und erhöh­tem Per­so­nal­auf­wand mög­lich. Die Umfra­ge unter den Ver­ein hat erge­ben, dass das Stadt­fest vor allem als gewach­se­ne Tra­di­ti­ons­ver­an­stal­tung für die Rott­wei­le­rIn­nen gese­hen wird. Der Auf­wand, das Stadt­fest unter ein Son­der­the­ma zu stel­len, wenn es ange­bracht ist (wie zum Bei­spiel Ewi­ger Bund 2019), ist mit gerin­gem finan­zi­el­lem Mehr­auf­wand mach­bar.”

Der Gemein­de­rat wird das The­ma am Mitt­woch dis­ku­tie­ren.