Die Natur macht’s anders

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Das Bernecktal ist derzeit voll gesperrt. „Lebensgefahr!“ warnen Schilder, dicke Baumstämme  versperren den Durchgang oder die Weiterfahrt. An einem Steilhang zwischen dem Junghans-E-Werk und „Teufels Küche“ räumen Baumfällspezialisten die beim Orkantief Burglind Anfang Januar umgeworfenen Bäume auf.

Förster Christof Hilbert von der Graf-von-Bissingen-Forstverwaltung, der der Wald auf der Ostseite des Bernecktals zum großen Teil gehört, holpert oberhalb des Rausteinsportplatzes mit seinem Geländewagen einen ausgewaschenen Waldweg hoch. Die Arbeiten liefen planmäßig, erzählt er, bis am Dienstag der Starkregen kam. „Vor vier Wochen hatte eine Baufirma den Waldweg geschottert, damit die schweren LKW hier hoch fahren können“, berichtet Hilbert, während sein Toyota mühsam den Berg hochruckelt. „Der massive Regen hat das alles weggespült.“

An einer breiteren Stelle oben im Wald haben die Forstleute eine Seilstation aufgebaut. Ein dickes Tragseil spannt sich vom Talgrund auf der gegenüberliegenden Seite hoch. An einem Turm mit einer Seilwinde endet das Tragseil. Der Turm ist mit mehreren Seilen an Bäumen im Hang gesichert.

Am Tragseil hängt eine „Laufkatze“, die von einem Zugseil nach oben  gezogen wird. An der Seilkatze hängt ein weiteres Drahtseil, an dem die Forstleute Stämme, aber auch ganze Wurzelstöcke befestigen und hochziehen. Im Hang arbeitet Stefan Praxmarer aus Rosenfeld. Oben an der Seilwinde hat ein Mitarbeiter Praxmarers Funkkontakt mit seinem Chef. Auf dessen Kommando zieht er die Last zur Arbeitsebene hoch. Hier nimmt Jürgen Rauch mit seinem Vollernter die Stämme, aber auch Äste und Wurzeln entgegen. Entweder entastet er die Stämme oder er zerkleinert das Material und wirft es auf den Haufen für die Holzhackschnitzel.

Forstarbeiten im Bernecktal: Ein mächtiger Stamm hängt noch am Seil, während Jürgen Rauch ihn mit dem Vollernter übernimmt.
Foto: him

Den gefährlichsten Job hat Praxmarer im Gelände: Er muss die wild durcheinander liegenden Stämme und die Wurzelteller genau im Blick haben, erläutert Förster Hilbert. Von den Wurzeltellern gehen gleich doppelt Gefahren aus: Zum einen können sie den Hang hinab auf die Straße fallen. „Praxmarer muss dafür sorgen, dass die Wurzelteller stabil liegen.“ Wenn das nicht möglich ist, werden sie am Seil hochgezogen.

Die andere Gefahr sind die mehr oder weniger großen Steine, die “Burglind“ beim Umstürzen der Bäume aus dem Boden gelöst hat. „Das waren 120 bis 150 Jahre alte Fichten, die haben Brocken mit 300 bis 400 Kilo Gewicht in ihren Wurzelstöcken hochgeschleudert.“

Förster Christof Hilbert staunt über den Wurzelstock, der nach dem Starkregen den Hang hinunter purzelte. Im Hintergrund zu sehen: die Trümmer eines Steinschlags. Foto: him

Wenn jetzt die Stämme aus dem Hang geholt werden, gehe das nur mit Vollsperrung der Landesstraße, betont Hilbert. Nach dem Starkregen Anfang der Woche habe sich die Lage noch verschärft. Die Sturzbäche, die den Hang runter kamen, haben etliche Steine freigespült. Aber auch ein mächtiger Baumstamm war den Hang hinab gerutscht und hatte die Hangsicherung glatt durchschlagen. Ein tonnenschwerer Felsbrocken war ebenfalls herunter gepoltert und ist beim Aufschlag auf die Fahrbahn in dutzende Teile zersplittert.  Während wir in gehörigem Abstand die Arbeiten im Hang von unten beobachten, ertönt von oben ein Pfiff. Sekunden später kracht ein ordentlicher Brocken  auf die Fahrbahn und schlägt gegen die Leitplanke.

Trotz der Erschwernisse durch den Starkregen geht Förster Hilbert davon aus, dass die Landstraße, wie angekündigt, ab dem 25. August wieder frei sein wird. Sobald die Forstarbeiten im Hang beendet sind, werden die Waldarbeiter und er den gesamten Hang absuchen und lose Steine ins Tal befördern. Dann müssten allerdings noch die beschädigten Fangzäune repariert werden. Das werde das Landratsamt dann veranlassen.

Auch die Baufirma, die den Waldweg für die Holztransporter gerichtet hat, muss nochmal ran. Alles in allem, da ist sich Hilbert sicher, werde die Aktion ein „Draufzahlgeschäft“ für den Bissingschen Forst. „Wir hätten die Bäume geplant gefällt, aber die Natur macht’s anders als der Mensch.“

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