Ein Krebs am Berneckstrand

Zufallsfund in der Schiltach /Willkommene Rückkehr oder Katastrophe?

Sonnt sich auf einem Stein: Krebs am Berneckstrand, aufgenommen Mitte Oktober. Foto: privat

SCHRAMBERG (him) – Wor­an sich älte­re Schram­ber­ger noch gut erin­nern, ist heu­te eine Sel­ten­heit: Einen aus­ge­wach­se­nen, etwa 15 Zen­ti­me­ter lan­gen Krebs in der Schiltach fin­den.

Am Mon­tag hat ein NRWZ-Leser uns die­ses Bild geschickt, das er am Ber­neck­strand auf­ge­nom­men hat. Der Gewäs­ser­wart des Schram­ber­ger Angel­sport­ver­eins Micha­el Roth war gleich begeis­tert. In Gum­mi­stie­feln und was­ser­dich­ter Hose macht er sich tags drauf auf die Suche: „Ich habe vie­le Stei­ne im Bereich, in dem die­ser Krebs gese­hen wur­de, umge­dreht – Ergeb­nis: Nicht einen Krebs gese­hen.“

Hier ent­stand das Foto vom Krebs. Foto: him

Lei­der, denn Roth will her­aus­fin­den, um wel­chen Krebs es sich han­delt: den hei­mi­schen Edel­krebs oder Bach­krebs, der bis zu 20 Zen­ti­me­ter lang wer­den kann oder den uner­wünsch­ten ame­ri­ka­ni­schen Krebs.

Roth hat das Leser-Foto an den Fach­mann im Lan­des­fi­sche­rei­ver­band Ingo Kra­mer geschickt. Die­ser kann die Bestim­mung nicht genau vor­neh­men. „Dazu ist die Auf­nah­me ein biss­chen zu unscharf.“ Er habe Roth des­halb gebe­ten, nach dem Krebs zu suchen und detail­lier­te­re Bil­der vom Kopf und den Sche­ren zu machen. „Und wie ich den Micha­el ken­ne, gibt der so schnell nicht auf…“ Da die Kreb­se nacht­ak­tiv sei­en, kön­ne Roth auch mit der Taschen­lam­pe nach ihm fahn­den.

Micha­el Roth auf der Suche nach wei­te­ren Kreb­sen am Ber­neck­strand.
Foto: him

Wenn der Krebs vom Ber­neck­strand ein Edel­krebs wäre, „wäre das natür­lich wun­der­bar“, fin­det Roth. Wenn es sich jedoch um den bis 16 Zen­ti­me­ter gro­ßen Signal­krebs, der aus Ame­ri­ka stammt, han­delt, wäre es „eine Kata­stro­phe“, so Roth: „Mit die­sem Krebs kann die Krebs­pest ein­ge­schleppt wer­den, was zum siche­ren Tod unse­rer hei­mi­schen Kreb­se füh­ren wür­de.“ Außer­dem sei die­se Krebs­art aggres­si­ver, ver­meh­re sich schnel­ler und ver­drän­ge so die hei­mi­schen Kreb­se. Ein Aqua­ria­ner könn­te ihn aus­ge­setzt haben, ver­mu­tet Roth. Um die Unsi­cher­heit zu besei­ti­gen, um wel­che Krebs­art es sich han­delt, will Roth wei­ter ver­su­chen, „die­sen Kame­ra­den zu fin­den“.

Wasserqualität topp – Gewässergüte flopp

Die Was­ser­qua­li­tät der Schiltach sei aus­ge­zeich­net, so Roth, der das Flüss­chen regel­mä­ßig von der Quel­le ober­halb von Ten­nen­bronn bis Schram­berg unter­sucht. Die Gewäs­ser­gü­te dage­gen sei weni­ger gut: Es fehl­ten die Kleinst­le­be­we­sen wie Flie­gen­lar­ven oder Köcher­flie­gen. „Das hat auch mit dem Insek­ten­ster­ben zu tun“, ver­mu­tet der Gewäs­ser­wart. Die Ang­ler beob­ach­te­ten, dass die Forel­len gute Laich­be­din­gun­gen in der Schiltach fin­den. „Es gibt vie­le Jung­fi­sche.“ Aber wenn die Forel­len grö­ßer wür­den, wan­der­ten sie auf Nah­rungs­su­che tal­ab­wärts.

Inso­fern wäre ein aus­ge­wach­se­ner Edel­krebs ein gutes Zei­chen für die Schiltach.
Ingo Kra­mer meint es sei schon „ein rie­sen­gro­ßer Zufall“, einen sol­chen Krebs ein­fach so zu fin­den. Wenn es sich um einen ein­hei­mi­schen Krebs han­delt, dann dürf­ten sich noch wei­te­re in der Gegend tum­meln.

Ob aller­dings schon bald wie­der Laus­bu­ben wie frü­her in der Schiltach als Mut­pro­be unter die Stei­ne grei­fen, um einen Krebs zu fan­gen, das ist doch eher unwahr­schein­lich.