Zugenagelt und abgedichtet: Tatort in Hardt am Tag nach der Tat. Foto: him

Wäh­rend die Poli­zei und die Staats­an­walt­schaft wei­ter die Hin­ter­grün­de für die schreck­li­che Blut­tat vom Sonn­tag­nach­mit­tag ermit­teln, haben die Nar­ren in Hardt ihre Kon­se­quen­zen gezo­gen und den tra­di­tio­nel­len Rol­letag am 31. Janu­ar abge­sagt.

Wie berich­tet, steht eine 56-jäh­ri­ge Frau unter drin­gen­dem Tat­ver­dacht, zuerst ihre 22-jäh­ri­ge Toch­ter in Hardt ersto­chen, und dann ihren 25-jäh­ri­gen Sohn in sei­ner Woh­nung in Ten­nen­bronn schwer ver­letzt zu haben. Die Frau befin­det sich in Unter­su­chungs­haft.

Nach wie vor sind die Hin­ter­grün­de für das Gesche­hen in einem älte­ren Haus in Hardt und einem Zwei-Fami­li­en­haus in Ten­nen­bronn nicht voll­stän­dig  auf­ge­klärt. Über Moti­ve der 56-Jäh­ri­gen, den genau­en Tat­ab­lauf, mög­li­che Zeu­gen und Aus­sa­gen der Beschul­dig­ten woll­te Staats­an­walt Mar­kus Wag­ner kei­ne Aus­kunft ertei­len.

Viele offene Fragen

In einer Mit­tei­lung von Staats­an­walt­schaft und Poli­zei vom Diens­tag­nach­mit­tag heißt es zur mut­maß­li­chen Täte­rin ledig­lich: „In den nächs­ten Tagen wird sie sich zur Klä­rung der Schuld­fä­hig­keit einer rechts­me­di­zi­nisch-psy­cho­lo­gi­schen Unter­su­chung unter­zie­hen müs­sen.“ Wei­ter  heißt es, dass „die kri­mi­nal­tech­ni­sche Spu­ren­si­che­rung am Tat­ort fort­ge­setzt“ wer­de. Und schließ­lich: „Die kri­mi­nal­po­li­zei­li­chen Ermitt­lun­gen zum Ablauf und den Hin­ter­grün­den der Tat dau­ern an.“

Wie bereits am Mon­tag gemel­det, befin­det sich die Frau inzwi­schen in Unter­su­chungs­haft, nach­dem am Mon­tagspät­nach­mit­tag ein Haft­rich­ter wegen Mor­des Haft­be­fehl erlas­sen hat­te. Sie hat­te sich am Sonn­tag am zwei­ten Tat­ort  in Ten­nen­bronn wider­stands­los fest­neh­men las­sen.

Nach­dem die Poli­zei am Sonn­tag in Ten­nen­bronn an den Tat­ort geru­fen wor­den war, ergab sich der Ver­dacht, dass die 56-Jäh­ri­ge zuvor in Hardt bei ihrer Toch­ter gewe­sen sein könn­te. Dort fan­den die Beam­ten dann die getö­te­te jun­ge Frau. Auf Anwei­sung der Kri­mi­nal­po­li­zei haben Feu­er­wehr­leu­te dann  eini­ge Fens­ter mit Holz­plat­ten ver­hängt und Pla­nen über eine Haus­wand gespannt.

Reaktionen: Rolletag abgesagt

Am spä­ten Mon­tag­abend hat die Hard­ter Kat­zen­zunft ihren tra­di­tio­nel­len „Rol­letag“ abge­sagt. In der Begrün­dung heißt es, die gesam­te Dorf­ge­mein­schaft Hardt sei „tief erschüt­tert“ und es sei der Zunft „ein­fach nicht mög­lich, nach so einer unbe­greif­li­chen Tat ein­fach zur Tages­ord­nung über­zu­ge­hen und zu fei­ern, als ob nichts pas­siert wäre.“ Zumal das Opfer lan­ge Zeit im Zunft­bal­lett X‑Plosion getanzt hat­te.

Die Zunft habe sich des­halb ent­schlos­sen, den Rol­letag 2019 abzu­sa­gen. Man bedan­ke sich aus­drück­lich beim För­der­ver­ein des AV Hardt dafür, dass sie die­se Ent­schei­dung sofort mit­ge­tra­gen haben“. Auf der Face­book­sei­te der NRWZ äußern sich die User durch­weg posi­tiv und zol­len der Kat­zen­zunft Respekt für ihre Ent­schei­dung.

Bürgermeister Moosmann: Betroffen

Auch Hardts Bür­ger­meis­ter Micha­el Moos­mann hält die Ent­schei­dung für „voll­kom­men in Ord­nung“. Er war von der Poli­zei am Sonn­tag über die Tat infor­miert wor­den und berich­te­te dem Rat­haus­team am Mon­tag­mor­gen. „Bei den Leu­ten im Dorf merkt man die Betrof­fen­heit“, so Moos­mann. Von Wut oder „Schock­star­re, die die Men­schen um Atem rin­gen lässt“, wie in einer Zei­tung zu lesen war, kön­ne aber kei­ne Rede sein.

Ein Gerücht, die Gemein­de habe wegen der Tra­gö­die vom Sonn­tag die Fah­ne vor dem Rat­haus auf halb­mast gesetzt, hat sich als falsch her­aus­ge­stellt. Die Fah­ne war wegen des Gedenk­ta­ges für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus am Sonn­tag auf Halb­mast gesetzt wor­den.