Sonntag, 14. April 2024

Tennenbronner Kläranlage weg, Radweg kommt

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

Eine neudeutsch „Win-win-Situation“ bietet sich Schramberg und Tennenbronn im Zusammenhang mit der Zukunft der Tennenbronner Kläranlage. Wird diese stillgelegt, könnte der langersehnte Radweg von Schramberg nach Tennenbronn Wirklichkeit werden.

Was, werden Sie sich fragen, hat bitteschön die Kläranlage mit dem Radweg zu tun? Ganz kurz: Auf einem dann zu bauenden Abwasserkanal entlang der Landstraße könnte obendrauf ein Radweg platziert werden.

Und genau einen solchen Vorschlag hat die Tiefbauabteilung der Stadt Schramberg ausgetüftelt und jetzt in einer Vorlage für den Tennenbronner Ortschaftsrat vorgelegt.

Kläranlage veraltet

Zur Tennenbronner Kläranlage hat ein Gutachten festgestellt, dass sich die notwenige Erweiterung nicht lohnen würde. Der Anschluss an die Gemeinschaftskläranlage im Schiltachtal in Schramberg mache mehr Sinn. Im März hatten Ortschaftsrat und der Ausschuss für Umwelt und Technik dann eine Planung für einen Kanal durchs Bernecktal in Auftrag gegeben.

Die Schramberger Kläranlage. Archiv-Foto: him

Kanal wirtschaftlicher

Ein Fachbüro kommt auf geschätzte 4,2 Millionen Euro Kosten, etwa die Hälfte davon würde bezuschusst, so Tiefbauamtsleiter Konrad Ginter. Ein erstes Strukturgutachten war von 5,8 Millionen Euro ausgegangen. Nach der  neueren Berechnung erhöhe sich die Wirtschaftlichkeit nochmal weiter.

Ginter sieht aber insbesondere für die Ökologie Vorteile: Die Abwässer würden in größeren Anlagen deutlich besser gereinigt. Die Schiltach werde in ihrem Oberlauf entlastet,  „was sich voraussichtlich positiv auf die Gewässerökologie auswirkt und zu einer Verbesserung von Flora und Fauna führen wird“. Schließlich entfielen die aufwändigen Schlammtransporte von Tennenbronn nach Schramberg per LKW.

Endlich möglich: Radweg durchs Bernecktal

Mit dem Bau des Kanals durch das Bernecktal böte sich die Chance, einen Radweg auf dem Kanal anzulegen. Der Radweg sollte dann über Tennenbronn hinaus bis nach St. Georgen weiter geführt werden.

„Im Zeichen des Klimawandels und der allgemeinen Verkehrswende nehmen Radwege eine immer bedeutendere Rolle in der Gesellschaft ein“, betont Ginter in seiner Vorlage für den Ortschaftsrat. Ziel der Stadt Schramberg müsse es sein, die Nutzung des Verkehrsmittels Fahrrad durch den Bau attraktiver Radwegeverbindungen zu ermutigen und zu fördern.

Bisher war der Bau eines Radwegs durch das Bernecktal an den engen Verhältnissen im Tal und an Grundstücksproblemen gescheitert. Der Kanal würde direkt neben der Landstraße gebaut.

Die Verwaltung habe die technische und ökologische Machbarkeit eines solchen Radwegs vorgeprüft. „Ein erstes Teilstück könnte bereits 2024/2025 erstellt werden“, freut sich Ginter.

Viele Vorteile

Der Radweg bis St. Georgen hätte viele Vorteile: mehr Sicherheit für Radelnde, ein Zusammenwachsen Tennenbronns mit der Talstadt, Job Bikes ließen sich besser nutzen. Ein solcher Radweg wäre auch wichtig für Freizeit- und Urlaubsradler, aber auch für Berufspendler.

Die Stadtverwaltung habe bereits mit dem Regierungspräsidium Freiburg wegen Zuschüssen verhandelt. Wenn Schramberg die Projektleitung übernehme, sei das Land bereit, Kosten zu übernehmen. Ginter versichert, seine Tiefbauabteilung könnte diese Projektleitung mit dem bestehenden Personal und unter Beauftragung eines  Ingenieurbüros leisten.

Auf Wunsch der Stadt habe das Landratsamt bereits beantragt, dass der Radweg Schramberg – Tennenbronn – St. Georgen in den Radwegebedarfsplan des Landes aufgenommen wird. Mit einem Grundsatzbeschluss im Ortschaftrat und später im Gemeinderat möchte die Verwaltung das Radwegprojekt nun angehen.

image_pdfPDF öffnenimage_printArtikel ausdrucken
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.