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„Lichtspielhaus ist da, man muss es nur nutzen“

Mitgliederversammlung des Fördervereins Lichtspielhaus Schramberg

Nachdem durch bürgerschaftliches Engagement der im Mai 2024 gegründete Förderverein Lichtspielhaus Schramberg entstand, war er nach außen eher still, aber nach innen recht aktiv. Das berichtete jedenfalls Carsten Kohlmann als 1. Vorsitzender des Fördervereins.

Schramberg. In seiner ersten Mitgliederversammlung am 25. November im Schloss konnte die Vorstandschaft über den Stand der Vereinsarbeit und die visionären Ideen informieren.

In seinem ersten Jahresbericht berichtete Kohlmann, dass seit seiner Gründung „76 Personen unserem Förderverein beigetreten“ seien. Er freue sich besonders, dass die Angehörigen des Vorstandsteams „alle erforderlichen Kompetenzen aus Architektur, Geschichte, Fotographie und Film, Handwerk, Kunst, Literatur, Musik und Theater“ abdecken und trotz „unterschiedlicher Temperamente gut zusammengefunden haben.“

das Lichtspielhaus. Archiv-Foto: him

Kein Zugang zum Lichtspielhaus

Wegen Sicherheitsbedenken seitens der Stadtverwaltung habe der Verein „bis auf weiteres keinen Zugang mehr zum Gebäude“, weshalb auch die Mitgliederversammlung im Schloss stattfand. Zudem musste sie ans Jahresende gelegt werden, da es noch rechtliche Fragen zu klären galt, bei denen Vereinsmitglied und Oberbürgermeister a. D. Herbert O. Zinell behilflich war.

An Veranstaltungen und Aktivitäten nannte Carsten Kohlmann unter anderem einen Vortrag von Niklas Fader aus Sulgen über die Revitalisierung eines Magdeburger Kinos während seines Freiwilligen Sozialen Jahres am 18. Juli 2024 im Lichtspielhaus. Weiterhin fanden Dreharbeiten für den Film „Spiel des Lichts“ statt und in ehrenamtlicher Betreuung Besichtigungen des Gebäudes.

Neue Publikationen

Auch publizistisch gab es einige Neuerscheinungen wie den Artikel der Architekturstudentin Ramona Ruf im Schwarzwälder Hausschatz 2026 oder einem „Wegweiser des Gedenkstättenverbundes Gäu-Neckar-Alb mit Porträts von Schauplätzen von Widerstand und Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus“, so Kohlmann. Diesem Verbund sei der Verein im Juli beigetreten und durch Kohlmann bei einer Tagung am 19. Oktober in Rexingen vertreten gewesen.

Für die Zukunft stehe die Überarbeitung des Internetauftritts „mit begleitenden Social-Media-Kanälen“ auf der Agenda. Außerdem mache sich der Förderverein bereits Gedanken, was zum 100. Jubiläum des Gebäudes im Jahr 2028 umsetzbar wäre.

Sanierung in weiter Ferne

Infolge der Haushaltslage und der aktuellen Stadtentwicklungskonzepte wird es „zu einer Sanierung des Gebäudes“ bis dahin sicher nicht kommen, schließt Kohlmann. Die Gedanken „Kontinuität mit Veränderung zu verbinden“, die der damalige Fachbereichsleiter Rudolf Mager im Rahmen der Bewerbung um eine Landesgartenschau in den Raum stellte, bleiben weiter wegweisend.

Carsten Kohlmann. Foto: DK

Daher fordere der Förderverein ein neues Stadtentwicklungskonzept, um durch eine mögliche „Stadt-Kultur-Halle“ einen neuen Begegnungsraum zu schaffen. Denn „Demokratie fehlt Begegnung“ und die Vision einer Stadthalle steht durch Oberbürgermeister Eugen Ritter (1880-1940) bereits seit über 100 Jahren im Raum. Eine „wichtige Ressource für die Planungen“ stellt hierbei das Vermögen in Höhe von 208.000 Euro des 2023 aufgelösten Fördervereins Fünftälerhalle Schramberg dar.

Exkursion nach Laupheim geplant

Des Weiteren sei für das kommende Jahr eine Exkursion nach Laupheim geplant, woher Carl Laemmle (1867-1939) stammte. Derselbe war Gründer der Laupheimer Lichtspielbetriebs GmbH und nach seiner Emigration in die USA ein Mitbegründer von Hollywood.

Filmprojekt

Unter dem zweiten Tagesordnungspunkt informierte Carsten Kohlmann in Vertretung für Volker Armbruster vom Film-Theater-Forum Freudenstadt über die Fortschritte des Filmprojekts. Die Unterstützung des Projektes „war und ist“ ein „zentraler Schwerpunkt“ der Vereinsarbeit, so Kohlmann. Insgesamt konnten 14 Personen interviewt und jüngst an der Hochschule für Medien in Stuttgart gedreht werden.

Kinostart sei für das nächste Jahr geplant, „allerdings fehlt noch eine wichtige Szene zum Abschluss des Filmes – die Präsentation des ersten Kinofilms im Gebäude zwei Jahrzehnte nach seiner Schließung vor einem begrenzten Publikum“, so der Vorsitzende. Eine Dreherlaubnis sei schon beantragt und „zur Filmpräsentation würden die Mitglieder des Fördervereins eine exklusive Einladung erhalten.“

Lichtspielhaus als Treffpunkt

Anhand einer ansehnlichen Broschüre erläuterte Lars Bornschein im Anschluss das weitere Vorgehen zum Erhalt des Gebäudes, zu dem die Stadt verpflichtet sei. Mit einer Priorisierung soll das Thema Lichtspielhaus für künftige Stadtentwicklungskonzepte bedacht werden, denn „man lässt es nur rumstehen, trotz Denkmalschutz“, ärgert sich Bornschein. Mit dem Lichtspielhaus könne die Stadt einen Ort schaffen, an dem „man sich niederschwellig treffen kann.“

Lars Bornschein. Foto: rl

Schließlich kosten Veranstaltungsräume wie die Szene 64 oder der Bärensaal die Stadt Geld. Das Lichtspielhaus stehe hingegen bereits da, „man muss es nur nutzen“, so Bornschein weiter. Die Umsetzung würde ein „Zeichen für eine lebendige Stadt“ setzen und langfristig Kosten sparen und eine Vermietung an Vereine oder Firmen möglich machen.

Joe Glaser konkretisierte diese visionelle Idee mit seinem handwerklichen Wissen und anhand bestehender Kontakte in die Projektbranche. Er kritisierte zunächst, dass in einem Gespräch mit der Stadtverwaltung das grundsätzliche Verständnis fehle. In jedem zweiten Satz ginge es um das Thema Geld oder die Schadstoffbelastung. Doch die Landesbauordnung „erlaubt eine befristete Nutzung ohne dauerhafte bauliche Veränderung“ (§49 LBO BW).

„Super Konzertraum“

Damit wäre das Lichtspielhaus für Veranstaltungen grundsätzlich bespielbar und es könne ein gesteigertes Interesse von Stadt und Bevölkerung zum Erhalt des Gebäudes entstehen. Denn durch die hervorragende Akustik, stellt das Lichtspielhaus einen super Konzertraum dar. Während der interimistischen Nutzung des Gebäudes könne der Verein Geld sammeln, um sich finanziell an der Planung einer Sanierung zu beteiligen, die das langfristige Ziel bleibe.

Jo Glaser. Foto: rl

Glaser ist sich sicher, dass diese Vision realistisch ist, wenn „wir mutig bleiben“ und „das Gebäude mit Leben füllen“, denn dann erkennen auch andere seinen Charme. Ganz groß gedacht stellt sich der musikaffine Handwerker ein Konzert von Max Raabe zum 100. Jubiläum vor, den er potentiell bereits anfragte.

Kasse ok

Anschließend folgten die „nüchternen Gedanken des Geldes“ durch Kassier Rainer Langenbacher. Im Grunde „war nichts los.“ Abgesehen von einem Zuschuss der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke für den Kinofilm in Höhe von 5000 Euro und die Mitgliedbeiträge von rund 2064 Euro gab es keine Einnahmen. Da erstere auf dem Vereinskonto nur Zwischenstation machten und noch Druckkosten für die Broschüren zum weiteren Vorgehen mit 114 Euro zu Buche standen, beläuft sich der Kontostand aktuell auf 1954,83 Euro.

Eine ungewöhnliche Situation ereignete sich bei der Mitgliederversammlung bei der Kassenprüfung, denn der erste Prüfer feierte zeitgleich seinen runden Geburtstag und lud hierzu seinen Amtskollegen ein. Aus diesem Grund verlas Kassier Langenbacher die erfolgte Kassenprüfung per Brief und durfte sich anschließend über seine Entlastung freuen.

Kassierer Rainer Langenbacher. Foto: DK

Viele Ideen

Unter dem sechsten Tagesordnungspunkt „Aussprache und Diskussion“ zeigten sich die anwesenden Mitglieder erstaunt, „dass man heute so viel hört.“ Daniel Weisser, Dirigent der Stadtmusik, freute sich sehr über die Neuigkeiten zur Akustik und ließ anklingen, dass bereits über ein Filmmusikkonzert nachgedacht werde. Eine offizielle Anfrage stellte die Stadtmusik bereits an die Stadtverwaltung.

Joe Glaser informierte in diesem Zusammenhang nochmals über die Schadstoffbelastung und versicherte, dass lediglich der Tresorraum ein Problem darstelle. Dieser könne jedoch sehr leicht abgeschirmt werden. Weiterhin sollte der Boden begradigt und die Decke gesichert werden, um Veranstaltungen durchführen zu können. Eine provisorische Bühne sei schnell eingebaut und sanitäre Einrichtungen könnten im Außenbereich aufgestellt werden.

Als weitere Idee brachte Rainer Langenbacher ein, dass die Oscar-Verleihung in Schramberg stattfinden könnte – na gut, vielleicht nicht diejenige von Hollywood, aber durchaus eine lokale Preisverleihung. Dennoch könnte es sich lohnen, wenn der Förderverein den Trailer des Kinofilms nach Hollywood schicke, um für das Projekt eine Finanzspritze zu erhalten. Denn „hoffen darf man“, wie Langenbacher betonte.

Mitglied Andreas Herr warf ein, dass der Förderverein durch Werbetafeln oder einen Informationsstand einen Imagegewinn erzielen könne. Dieses Ziel soll vor allem durch die erstellte Broschüre erreicht werden, um eine Begeisterung mit Perspektive vermitteln zu können, antwortete Joe Glaser. Als weitere Möglichkeit verwies er auf die Firma D&B aus Backnang, die grundsätzliches Interesse am Lichtspielhau für „einen Life-Mixing-Workshop“ habe.

Es wäre denkbar, an den daran anschließenden Wochenenden mit bester Tontechnik Veranstaltungen durchführen zu können. Ein Problem stellen jedoch die infrastrukturellen Rahmenbedingungen in Schramberg dar, die nicht für den Standort sprechen. Nicht entmutigt, aber ernüchtert stellte Glaser fest, „so weit sind wir leider noch nicht, aber in diese Richtung soll es gehen.“

Herbert O. Zinell. Foto: rl

Abschließend nahm Herbert O. Zinell die Entlastung der Vorstandschaft vor und bedankte sich im Namen aller Mitglieder für die vermittelte Hoffnung und Zuversicht in einer insgesamt eher dürftigen Zeit. Als Beigabe lag den Anwesenden Fördervereinsmitgliedern nach der einstimmig erfolgten Entlastung der Wegweiser des Gedenkstättenverbandes und der Artikel von Ramona Ruf zur Mitnahme bereit.




David Kuhner (dk)

David Kuhner (*2002) geboren in Rottweil und aufgewachsen in Schramberg. Nach dem Abitur am Gymnasium Schramberg im Jahr 2020 absolvierte er ein FSJK im Stadtarchiv und Stadtmuseum Schramberg. Sein großes Interesse gilt der Lokalgeschichte seines Heimatortes Schramberg. Seit dem Wintersemester 2021/22 studiert er an der Eberhard Karls Universität Tübingen Geschichtswissenschaft im Hauptfach und katholische Theologie im Nebenfach.
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