Betrüger haben am Freitag zwei Frauen mit einem Schockanruf hereingelegt – eine davon aus Rottweil. Die Polizei warnt eindringlich und ruft dazu auf, besonders ältere Menschen zu sensibilisieren.
Was passiert ist
In Schwenningen erhielt eine 84-Jährige zunächst einen Anruf einer angeblichen Polizistin, die von einem tödlichen Unfall ihrer Schwiegertochter sprach und eine hohe Kaution verlangte. Die Seniorin übergab an ihrer Wohnung Schmuck und Bargeld an einen Unbekannten. Später hob sie, nach einem weiteren Anruf eines vermeintlichen Staatsanwalts, zusätzlich Geld bei der Bank ab und übergab es im Bereich des Finanzamts Villingen erneut. Erst zu Hause rief sie über den Notruf 110 an – erst dann flog der Betrug auf.
Kurz darauf traf es eine 57-Jährige in Rottweil: Ein angeblicher Beamter des Landeskriminalamtes schilderte auch ihr einen tödlichen Unfall, verursacht von ihrer Tochter. Eine vermeintliche Staatsanwältin forderte eine Kaution, woraufhin die Frau Schmuck aus ihrem Haus an einen Unbekannten übergab. Als sie zudem dazu gedrängt wurde, weiteres Bargeld abzuheben, wurde sie misstrauisch, verständigte ihre tatsächliche Tochter und durchschaute so den Betrug. Die Kriminalpolizei Rottweil ermittelt und prüft, ob die Fälle zusammenhängen.
Wen die Masche betrifft
Die Täter suchen gezielt lebensältere Menschen aus und nutzen deren Sorge um Kinder oder Enkel aus. In beiden aktuellen Fällen wurde mit einem angeblich tödlichen Unfall und einer sofort fälligen Kaution Druck aufgebaut – ein typisches Muster dieser Betrugsart. Dass die Täter innerhalb kurzer Zeit sowohl in Schwenningen als auch in Rottweil erfolgreich waren, zeigt, wie professionell sie vorgehen.
So schützen sich Bürger
Die Polizei rät, bei solchen Anrufen sofort aufzulegen und über bekannte Nummern direkt Angehörige zu kontaktieren – nicht über Rückrufnummern aus dem Gespräch. Wer unsicher ist, soll sich nicht unter Druck setzen lassen, sondern bei Nachbarn, Bekannten oder direkt bei der Polizei Rat holen. Wichtig: Niemals Geld, Schmuck oder andere Wertgegenstände an unbekannte Abholer übergeben – echte Polizei fordert keine Kaution und schickt niemanden vorbei.
Bankmitarbeiter, die auf einen möglichen Betrug hinweisen, sollten unbedingt ernst genommen werden. Wenn dennoch bereits Geld oder Wertgegenstände übergeben wurden, gilt: sofort den Notruf 110 wählen, je schneller, desto besser die Chancen für die Ermittler.
Konkrete Tipps
Die Polizei empfiehlt, die Telefonnummer des örtlichen Polizeireviers oder -postens gut sichtbar neben dem Telefon zu notieren. Kommt ein vermeintlicher Anruf der Polizei, soll bewusst aufgelegt und anschließend selbstständig unter der notierten Nummer oder über 110 zurückgerufen werden.
Um gar nicht erst in die Auswahl der Täter zu geraten, kann der Telefonbucheintrag gelöscht oder zumindest der Vorname abgekürzt werden, etwa „E. Müller“ statt „Elfriede Müller“. Ein Formular zur Änderung oder Löschung des Telefonbucheintrags stellt die Polizei online zur Verfügung. Zudem gibt es ein Info-Blatt, das das Verhalten bei Schockanrufen und Anrufen falscher Polizeibeamter erklärt; Angehörige können es für ältere Menschen herunterladen, ausdrucken und mit ihnen durchgehen.
Aufruf an Angehörige
Die Polizei bittet darum, insbesondere ältere Angehörige, Nachbarn und Bekannte offen über diese Betrugsmasche zu informieren. Wer verdächtige Anrufe erhält oder beobachtet, dass ältere Menschen Geld an Unbekannte übergeben sollen, soll sofort den Notruf 110 wählen.
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