Weniger Unfälle, weniger Tote – aber deutliche Warnsignale bei Senioren und E-Scootern

Weniger Unfälle und weniger Verkehrstote im Jahr 2025 – doch die Statistik zeigt deutliche Risikogruppen. Besonders bei Senioren, Radfahrern und E-Scooter-Nutzern steigen die Zahlen. Die Polizei setzt auf verstärkte Kontrollen und Prävention.

Symbolfoto: him
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Die Verkehrsunfallstatistik 2025 des Polizeipräsidiums Konstanz bringt auf den ersten Blick positive Nachrichten: Die Zahl der Unfälle und der Verkehrstoten ist gesunken. Gleichzeitig zeigen die Zahlen jedoch klare Problembereiche – insbesondere bei Senioren, Radfahrern und Nutzern von Elektrokleinstfahrzeugen.

Leichter Rückgang bei Unfällen und Verkehrstoten

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz ist die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Jahr 2025 leicht zurückgegangen. Nach 20.247 Unfällen im Jahr 2024 registrierte die Polizei nun 19.696 Kollisionen – ein Minus von 2,7 Prozent.

Auch die Zahl der Verkehrstoten entwickelte sich rückläufig: 24 Menschen verloren 2025 ihr Leben im Straßenverkehr, nach 28 im Vorjahr. Hauptursachen für schwere und tödliche Unfälle bleiben nicht angepasste Geschwindigkeit sowie die Missachtung der Vorfahrt. Bei den tödlichen Verkehrsunfällen war überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit mit 36 Prozent die häufigste Ursache.

Besorgniserregender Trend bei Senioren

Deutlich weniger erfreulich fällt der Blick auf die Altersgruppe der Senioren (ab 65 Jahren) aus. Hier stiegen die Unfallzahlen in nahezu allen Bereichen.

Die Gesamtzahl der Unfälle erhöhte sich von 1.936 auf 2.019. Noch deutlicher fiel der Anstieg bei den Folgen aus: Die Zahl der verletzten Senioren stieg von 485 auf 539. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Verkehrstoten: Zwölf Senioren kamen 2025 ums Leben – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr (fünf).

Währenddessen blieb das Unfallgeschehen bei jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) weitgehend stabil. Die Zahl der tödlich Verunglückten in dieser Altersgruppe sank leicht von vier auf drei.

Mehr Unfälle mit Fahrrädern, Pedelecs und E-Scootern

Einen spürbaren Anstieg verzeichnete die Polizei bei Unfällen mit Fahrrädern und Pedelecs. Die Zahl stieg von 871 auf 969 Fälle. Sechs dieser Unfälle endeten tödlich.

Auffällig: Drei der tödlich verunglückten Radfahrer trugen keinen Fahrradhelm und erlitten schwerste Kopfverletzungen. Die Zahl der leicht verletzten Radfahrer nahm deutlich zu, während die Zahl der Schwerverletzten leicht zurückging.

Auch bei Elektrokleinstfahrzeugen wie E-Scootern setzte sich der Aufwärtstrend fort. 119 registrierte Unfälle bedeuten einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der verunglückten Personen deutlich.

Rückgang bei motorisierten Zweirädern

Entgegen diesem Trend entwickelten sich die Unfallzahlen bei motorisierten Zweirädern leicht rückläufig. Die Gesamtzahl sank auf 505 Unfälle. Dennoch kamen sechs Zweiradfahrer ums Leben.

Geschwindigkeit bleibt Hauptproblem

Die Verkehrsüberwachung zeigt, dass Geschwindigkeitsverstöße weiterhin ein zentrales Thema bleiben. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 89.475 Geschwindigkeitsverstöße. In 1.425 Fällen führten die Verstöße zu Fahrverboten.

Auch Alkohol- und Drogenunfälle bleiben relevant. Die Zahl der Alkoholunfälle stieg auf 1.168, die der Drogenunfälle auf 733.

Regionale Unterschiede im Präsidiumsbereich

Die Statistik weist zudem auf regionale Unterschiede hin. Während die Unfallzahlen in den Landkreisen Konstanz, Rottweil und Schwarzwald-Baar rückläufig sind, verzeichnete der Landkreis Tuttlingen einen Anstieg.

Besonders auffällig: Die Zahl der Verkehrstoten im Landkreis Tuttlingen stieg von sechs auf neun. Als häufigste Unfallursache nennt die Polizei hier die Missachtung der Vorfahrt.

Polizei kündigt verstärkte Kontrollen an

Das Polizeipräsidium Konstanz kündigt an, weiterhin verstärkt gegen die Hauptunfallursachen vorzugehen. Polizeipräsident von Massenbach-Bardt betont, dass die Verkehrssicherheit oberste Priorität bleibe. Ziel seien verstärkte Kontrollen und eine konsequente Ahndung von Verstößen, insbesondere im Bereich Geschwindigkeit.

Die Statistik ist hier abrufbar.

Info

Das Polizeipräsidium Konstanz ist eine der 13 Polizeibehörden in Baden-Württemberg und zuständig für die Landkreise Konstanz, Tuttlingen, Rottweil, Schwarzwald-Baar und Waldshut. Das Zuständigkeitsgebiet umfasst damit den gesamten südwestlichen Zipfel Baden-Württembergs – von den Ufern des Bodensees über den Schwarzwald bis zur Schweizer Grenze.

Zum Präsidium gehören mehrere Polizeidirektionen, darunter die aus Rottweil und Tuttlingen, die für die NRWZ-Leserregion besonders relevant sind. Insgesamt sind beim Polizeipräsidium Konstanz rund 2.700 Beschäftigte tätig. Der Sitz der Behörde befindet sich in Konstanz.

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