Fünf Auftritte, fünf Knaller: Villingendorf feiert einen Schmotzigen zum Niederknien

Von der Jubiläumsshow „Die Vier" über das Apotheker-Spektakel bis zu Archie Armleders Ehedrama – ein Abend voller Pointen, Parodien und Lokalkolorit.

Hinweis der Redaktion: Diese Pressemitteilung haben wir nicht oder nur oberflächlich redaktionell bearbeitet. Sie wurde direkt in das Angebot der NRWZ übernommen.

Die Villingendorfer erlebten einen Schmotzigen, wie man ihn sich wünscht – voller Witz, voller Leben und mit reichlich Stoff zum Weiterlachen. Fünf Auftritte, fünf Knaller.

Die Vier: Zehn Jahre Humor, Herz und Fasnet
Mit einem Feuerwerk aus Humor, Selbstironie und lokalem Insiderwissen hat die Schmotzigengruppe „Die Vier“ ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Der Auftritt, der traditionell in Reimform und mit zahlreichen musikalischen Einlagen dargeboten wird, begeisterte das Publikum erneut – und zeigte, warum die Gruppe längst Kultstatus erreicht hat. Schon zu Beginn machten die vier Frauen klar, worum es geht: Dankbarkeit für ein Jahrzehnt Fasnet, für unzählige Ideen und für ein Publikum, das jeden Spaß mitträgt. „Wir sagen danke schön, schon 10 Jahre Die Vier…“, sangen sie und setzten damit den Ton für einen Abend voller Erinnerungen.

In ihrem gewohnt humorvollen Rückblick erzählten sie von ihren ersten Auftritten, vom legendären „Nix“-Jahr, vom digitalen Corona-Schmotzigen und vom Traum, einmal als Schantle mitzulaufen. Mit einem Augenzwinkern erinnerten sie an die Hauptstraßen-Debatte, an den selbstgebauten Weinberg am Schützenhaus und an die Herausforderungen des Alltags – von Haushalt bis Wechseljahre. Besonders viel Applaus gab es für ihre Kritik am neuen Online-Ticketsystem des Bürgerballs. Mit spitzer Zunge, aber viel Herz, machten sie klar: Fasnet lebt von Menschen, nicht von Klicks.

Musikalisch untermalt wurde der Abend mit zahlreichen Parodien bekannter Melodien – vom „Hochmössinger Narrenmarsch“ bis zu „Schön ist es auf der Welt zu sein“. Immer wieder griffen sie dabei Zitate aus ihrem Vortrag auf, etwa: „Fasnet lebt – solang mer se im Herza hät.“ Zum Abschluss versprachen „Die Vier“, dass sie noch lange nicht genug haben. Die nächsten zehn Jahre seien fest eingeplant – was sie dafür vorbereitet haben, bleibe aber streng geheim. Mit ihrem traditionellen Gruß – Speck-Mockel, Grotta-Gosch, Ache-Lau und Haber-Muas – verabschiedeten sie sich von einem Publikum, das ihnen begeistert Applaus spendete.

Zum Jubiläum überreichten Narrenvater Benedikt Schanz (rechts) und sein Vize Aaron Broghammer den Damen eine Torte mit ihren vier Narrenrufen. Foto: Uwe Sauerland


Musikkapelle sorgt für Lachsalven mit „Apotheker-Spektakel“
Mit einem herrlich überdrehten Auftritt hat die Villingendorfer Musikkapelle das Publikum begeistert. Villingendorf hat zwar Räumlichkeiten für eine Apotheke, aber die sind leider noch leer. Mit der Vision der „Meinrad-Apotheke“ nahmen die Musiker das Dorfgeschehen ebenso aufs Korn wie die kleinen Schwächen ihrer Mitbürger. Schon der Einstieg mit lautstarken Rufen wie „Apo-theke, Apo-theke!“ und „Pillen-Dreher!“ setzte den Ton für einen Abend voller augenzwinkernder Spitzen.

Besonders gefeiert wurde die humorvolle Darstellung der medizinischen Versorgung im Ort – vom fehlenden Zahnarzt bis zur verwaisten Apotheke. Mit viel Spielfreude präsentierten die Darsteller schließlich die „Rettung“: eine Apothekertruppe, die angeblich aus der Ferne angereist sei, um Villingendorf endlich mit allen erdenklichen Arzneien zu versorgen. Dazu hieß es im Vortrag: „Bei uns Apothekern bekommt ihr sorgenfrei alle mögliche Arzenei.“

In weiteren Szenen wurden Dorforiginale liebevoll aufs Korn genommen – vom Hundesitter Darko über die parfümverwechselnde Jeanette bis hin zum wanderfreudigen Robert, der seine Bolognesesoßen-Mengen stets neu kalkuliert. Mit Reimen, Wortspielen und einer ordentlichen Portion Selbstironie gelang es der Musikkapelle, das Publikum immer wieder zu überraschen.
Den Abschluss bildete eine „medizinische Live-Behandlung“, bei der ein unfreiwillig-freiwilliger Patient mit Kräuterlikör, Abnehmspritze und Lebertran „geheilt“ wurde. Schließlich endete der Auftritt mit einem kräftigen Narri-Narro und dem gemeinsamen Lied über den „schönsten Platz“ – natürlich die Apotheke. Ein Auftritt der zeigte: Humor ist die beste Medizin.

Mit Musik und Witz wird so mancher Patient wieder geheilt. Foto: Gabriele Sauerland


„Zwei sind oiner z’wenig“ begeistern mit bissigem Humor und viel Gesang
Mit Wortwitz, Lokalkolorit und musikalischer Selbstironie hat die Schmotzigengruppe „Zwei sind oiner z’wenig“ ihr Publikum zum Lachen gebracht. Die drei Sänger nahmen in ihrem närrischen Programm alles aufs Korn, was im Ort und darüber hinaus Gesprächsstoff liefert – vom matschigen Reitturnier über chaotische Umleitungen bis hin zu politischen Spitzen und kirchlichen Kuriositäten. Schon der Einstieg zeigte, wohin die Reise geht: Mit einem augenzwinkernden Blick auf die Fasnet
stimmten sie ein, „Die Narren sind jetzt älle wieder auf der Gass.“ Danach folgte ein pointenreicher Rundgang durch die Ereignisse des Jahres.

Besonders das Reitturnier bot reichlich Stoff – „Überall Dreck… die Wiese war am ärgsten betroffen“ –, was die Gruppe in ein humorvolles Lied über Winden, Schlamm und heldenhafte Nachbarschaftshilfe verwandelte. Auch die Verkehrsführung im Ort aufgrund der Sperrung der B462 bekam ihr Fett weg. Mit scharfem Blick beschrieben die Sänger hupende Autofahrer, Schleichwege und Rathausmitarbeiter „in Hup-hab-Acht“. Dazu gab es ein Lied, das den täglichen Stau an der Kreuzung musikalisch auf die Schippe nahm.

Ein weiterer Höhepunkt war die Betrachtung des neuen Festplatzes am Rathaus und der dekorativen Bäume. Die Gruppe kommentierte trocken, die Festbäume seien so klein, dass sie sich „quasi hinter den Baumbestand ducken“. Auch die gewölbte Gestaltung des Festplatzes wurde mit liebevoller Ironie besungen. Im Gegensatz zum konkaven Kirchplatz wurde der Festplatz konvex gebaut, was vom Büro des Schultes immer noch eben aussieht.

Zum Schluss wagten die drei einen Blick nach Rottweil – samt Testturm, Parkgebühren und Taubenplage. Mit einem augenzwinkernden „Gugug, i han en Knast gsähe“ (Wolle Kriwanek, UFO) und dem Narrensong „Drum uff Ihr Leut und send au g’scheid“ sorgten sie für einen musikalischen Abschluss, der das Publikum noch lange schmunzeln ließ. Mit ihrem Mix aus Gesang, Reim und scharfem Humor haben „Zwei sind oiner z’wenig“ erneut bewiesen, dass Fasnet nicht nur Tradition, sondern auch brillante Unterhaltung ist.

Bissig, witzig und stimmlich gut drauf – 3 Tenöre mit Charme und Gitarre. Foto Aaron Broghammer


Humor im Doppelpack: Archie Armleder und Clemens Hummel
Zwei Auftritte sorgten für besonders viele Lachtränen – und das lag nicht nur am ausgelassenen Fasnetstreiben. Den Anfang machte Archie Armleder, der mit seinem gewohnt derben, aber charmanten Humor über sein Eheleben und vor allem über seine Schwiegermutter herzog. In einem wahren Feuerwerk aus Pointen schilderte er, wie er „zweigeteilt“ aus Rottweil herbeigeeilt sei, wie ihn der „Schwiegermonster-Drache“ täglich zur Weißglut treibe und warum er sich regelmäßig frage,
„oh wenn i bloß nie g’heirotet hett“.

Mit drastischen Bildern – vom nächtlichen Kampf ums Bett bis zur kulinarischen Dauerbelastung durch „Grießbrei“, „Bibbeleskäs“ und „8 Pfund Nuddle aus oim Ei“ – trieb er das Publikum von einem Lacher zur nächsten. Besonders seine Schilderung der gemeinsamen Autofahrten, bei denen er zwischen Lenkkrad, Kommentaren und Schwiegermutterkrallen fast kapitulierte, brachte den Saal zum Toben. Am Ende blieb kein Zweifel: Archie Armleder ist und bleibt ein Meister des schwäbischen Ehedramas in Reimform.

Im Anschluss übernahm Clemens Hummel, Ex-Ex-Narrenvater, der den Abend mit feinsinnigem, fast schon investigativem Humor fortsetzte. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war eine unscheinbare Silvesterbegegnung beim Brezelpaschen in der Zunftstube. Dort hatte er Narrenvater Benedikt Schanz gefragt, wo dieser den Jahreswechsel verbringe. Die Antwort – ein knappes, zögerliches „In Konstanz“ – ließ Hummel nicht mehr los. Mit augenzwinkernder Akribie stellte er Fragen, die von „Folgt er seinem Zweitnamen Konstantin?“ bis hin zu „Wohnt sie in Konstanz?“ reichten. Je spekulativer, desto besser. Das Publikum genoss die immer gewagteren Gedankensprünge, die mal knapp unter, mal knapp über der Gürtellinie lagen. Geklärt wurde letztlich nichts – doch Hummel versprach, die „Recherchen“ fortzuführen.

So bot der Abend zwei vollkommen konträre, aber gleichermaßen brillante Auftritte: Archies brachial-komische Eheballade und Hummels charmant-verschmitzte Detektivarbeit.

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