Schramberg. Alle Jahre wieder, kommt der Elferrat am Aschermittwoch reumütig ins Rathaus geschlichen, um den Rathausschlüssen zurückzugeben.
Laut heulend und die Tränen mit weißen Taschentücher abwischend, kamen die Elfer in Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohrs Amtszimmer getrottet.

Tobse poetryslammt
Zunftmeister Tobias Dold hatte diesmal den Schlüssel auch tatsächlich dabei.

Zum guten Ton gehöre ja heute das Poetry-slammen, meinte er, drum slamme er jetzt auch. „Manchmal reimts sich, aber ned immer“, warnte er die Zuhörer, um dann mit todernster Miene eine Lobeshymne auf die heimische Fasnet anzustimmen:
„Fasnet isch lebendig, lebendige Tradition, Fasnet isch Emotion.“
In seinem Poetrybeitrag stellte er außerdem fest:
„Friedlich und fröhlich, seit Jahren schon, Jung und Alt, arm und reich, Seite an Seite, lebendige Tradition. Die Welt braucht ein Zusammen und nicht nur ein Ich.“
Beifall für so viel Tiefsinn.


Eisenlohr: Gutachten bestellt
Im Gegenzug dankte Eisenlohr für die rechtzeitige Schlüsselrückgabe. Dold habe „alle wichtigen Worte ja schon gesagt“, fasste sie sich kurz und hatte dann eine Überraschung bereit. Die Mitarbeiterinnen im Rathaus würden ja vier Wochen vor der Fasnet die Arbeit einstellen und sich ausschließlich mit der Überraschung für die Elfer am Aschermittwoch beschäftigen.
Diesmal habe die Stadt eine Werbeagentur mit einem Gutachten beauftragt – 200.000 Euro habe es gekostet. „Ein Schnäpple“, wie Eisenlohr versichert. Herausgefunden habe die Agentur, dass der Schramberger Wappenvogel, ein Greif mit Schwert, zwar „imposant und seriös“, wirke, aber für den Tourismus und für Kinder nicht das Richtige sei.
Der „Hoorig Greif“ auf Armen und so weiter
Etwas Kreatives und Witziges müsse her. So sei der „Hoorig Greif“ entstanden. Dieser verbinde Seriosität mit dem Verspielten der „Hoorig Katz“.
Ob das auch wirklich gut ankommt, sollen nun die Elfer daheim testen. Deshalb sollten sich die Elfer den „Hoorig Greif“ von OB-Mitarbeiterin Barbara Goertz tätowieren lassen, die Elfer als „Role Models“ sozusagen. sie sollten dann ein feed-back geben. wie die Frauen auf das neue Logo reagiert haben.

Probleme bei Ü-50
Den Anfang machte Udo Neudeck, dessen Oberarm bald schon ein Hoorig Greif zierte. Schließlich hatten alle, einschließlich der Pressevertreter, den Hoorig Greif auf Armen, Händen, ja sogar auf der Brust. Das Problem bei den über 50-Jährigen, wir wissen es: Die sind reparaturanfällig und haben schrumpelige Haut. Entsprechend schrumpelig sah da das neue Wappentier bei manchem halt aus.

Auf zum Fischessen
Bis alle ihr Tattoo „gestochen“ bekommen hatten, verging einige Zeit. Die verkürzten sich die Elfer mit Sekt oder auch Kaffee.
Nach dem obligatorischen Foto auf der Rathaustreppe schritten die schwarzen Herren mit der OBine in Pink von dannen. Fischessen war angesagt. Auch das eine jahrzehntelang gepflegte Tradition. Diese Jahr im Zorbas.



