So gegen elf Uhr kamen sie aus dem Rathaus auf den Elferwagen: Oberbürgermeisterin, Elferräte und Gemeinderat. Das Wetter ganz und gar nicht Valentinstag-angemessen eher trüb. Aber es ist Fasnetssamstag und damit Schlüsselübergabezeit in Schramberg. Die Stadtmusik hatte schon den Narrenmarsch gespielt und alles war bereit.
Schramberg. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr im sportlichem Trainingsoutfit begrüßte die Narrenschar und verkündete, sie und ihr gesamtes Rathausteam seien im „Fettnäpfle-Wettjucke-Training“. Sie habe ja schon mal ein Fettnäpfle überreicht bekommen und sich damals gedacht: „Da ist noch mehr drin.“ Vom Rathaus bis zum GVD seien alle feste dabei, ins Fettnäpfle zu treten.

Beispiel Gemeindevollzugsdienst: Blitzt er, dann an der falschen Stelle und die falschen Leute, blitzt er nicht, ist er zu faul. Schramberg sei „der ideale Ort fürs Fettnäpfle-Wettjucke“, so Eisenlohr. Auch gebe es sehr viele Linienrichter, „die gucke, wo ein Fettnäpfle stehen könnte“.
Fettnäpfle für die Presse
Aber Eisenlohr hatte auch für die Presse ein Fettnäpfle: Für den Schwabo wegen einer Wetter und einer umgekehrt aufgehängten Fahne am Rathaus, die prompt zu einer Glosse führte. Da die Schwabo-Redaktionsleiterin Karin Zeger ja jetzt zu weit weg sei – sie schaute aus der Redaktionsstube gegenüber zu – überreiche sie das Fettnäpfle Stadtrat Michael Melvin, der könne ihr das Fettnäpfle ja nachher mitbringen….(im Saal hätten jetzt alle gesungen: uiuiuiuiuiuiui auauauaau.)

Auch die NRWZ hat Eisenlohr bedacht, die Geschichte ist kompliziert, drum hier der Verweis auf die Hoorig Katz. Nur kurz: Es geht um eine verschwundene Stadt-Fahne aus der ZDF-Produktion zur Kryptoqueen. Nach der habe ich tagelang vergebens gefahndet. Ich bestätige gern, das biologisch abbaubare, grün drapierte Fettnäpfle war ehrlich verdient.
Eisenlohr verwies auf die lokale Wertschöpfung beim Fettnäpfle-Wettjucken, die Möglichkeit eine Gesetzeslücke zu schließen und das IOC davon zu überzeugen, die Sportart olympisch werden zu lassen. Ihr Fazit: „Guck i rum, guck i num, Fettnäpf überall um mich rum.“
Schlüssel mit Ortungssystem
Mit Hinweis auf die verunglückte Schlüsselrückgabe vom letzten Jahr überreicht sie dem Zunftmeister den Schlüssel, an dem ein Ortungssystem angebaut sei. 2025 hatte Dold erst an Ostern den richtigen Schlüssel zurückgegeben. Am Aschermittwoch habe er den Schlüssel seines Autohauses dem Rathaus anvertraut, verrät Eisenlohr: „Hätten wir das gewusst, hätte die Stadt mit dem Verkauf von Dolds Autos das Haushaltsloch der Stadt leicht stopfen können.“



Wegen des Valentinstags hatten sich die Bach-na-Fahrer in verliebte Herzigkleider gesteckt, ein „Kiss-Cam“ Plakat gebaut und dutzende rote Rosen verteilt.
Mit einer Trommel-Challenge zu „I will always love you“ sind allerdings sowohl Eisenlohr als auch Dold hoffnungslos überfordert. Mit dem Hinweis: „Wenn der Kropf voll ist, muss mer einfach mol schwärze“, überreicht Eisenlohr dem Zunftmeister schließlich das Mikro.

Fasnet als friedliches Volksfest
Der dankt auch für das inzwischen verabschiedete Sicherheitskonzept. Das sei in einem verträglichen Maß, „hoffen wir, dass es ein paar Jahre so hält“. Die besondere Stimmung an der Fasnet sei den Narren, den Musikerinnen und Musikern und den Kleidlesträgern zu verdanken. „Es ist ein friedliches Volksfest unter dem Motto: ‘Jedem zur Freud, niemand zu Leid!‘“, so Dold.

Man könne die Fasnet entspannt feiern, denn Schadstoffe gäbe es hier keine. Eigentlich erstaunlich, dass so viele Leute auf dem Platz sind, wunderte sich Dold: „Denn wir sind doch alle schon im Gymnasium, im Lichtspielhaus und der Villa Junghans gewesen.“
Er spottet über die Aufforderung des Straßenbauverwaltung, ein Transparent der Bittlosen an der grüne Baum Kurve zu entfernen. Begründung, die Autofahrer würden abgelenkt. Gleichzeitig hänge an einem langen Bauzaun an der Bundesstraße Richtung Schiltach zig große Transparente zur Stadt zum Landkreis zu Bauvorhaben.
Er schlägt eine Winter-Olympiabewerbung Schrambergs vor: „Hotels, die aus dem Boden sprießen – in Rottweil sind se noch am Blümle gießen!“ Bei der Fasnet gelte das Olympische Motto: „Dabei sein ist alles!“

Hilfe von der Narrenzunft angeboten
Die Narrenzunft biete der Stadtverwaltung ihre Hilfe an. die Wirtschaft(en) kurble man an. Die Narrenzunft werde alle Mails entgegennehmen und an die richtigen Stellen weiterleiten und, wenn Fristen festgesetzt seien, nachhaken.
Zum Wahlkampf beklagt Dold, dass die vielen Wahlplakate die schönen Fahnen der Zunft verdecken. „Da stimmt das Stadtbild nicht“ – zumal die Köpfe auf manchen Plakaten aussehen, „als ob die Körperwelten nach Schramberg kommen“.

Schirm für Eisenlohr
Angesichts des einsetzenden Nieselregens überreicht Dold Oberbürgermeisterin Eisenlohr noch einen Regenschirm mit schwarzen Katzen drauf. Den könne sie auch im Ratssaal bei der nächsten Gemeinderatsattacke verwenden, „damit du nicht wie ein begossener Pudel dasitzt“.
Schließlich rät Dold dem närrischen Volk, man möge in den kommenden Tagen seine eigene Blase verlassen und mal mit anderen zusammenkommen, andere Meinungen hören – denn „mit Humor geht alles besser“.
Dreimal Narri- Narro, die Stadtmusik unter Daniel Weisser stimmt den Narrenmarsch an und weiter geht’s im Nieselregen zur Ordensverleihung und Wurstsalatessen im Bruckbeck.




