Bauernkrieg in der Region: geraubtes Vieh und renitente Seedorfer „Dorfweiber“

Der größte Aufstand vor der französischen Revolution: In den Bauernkriegen 1524/25 erhoben sich Hundertausende für Freiheit und Gerechtigkeit – auch in der Region, wie eine Ausstellung in Glatt verdeutlicht. In Teil Sieben der NRWZ-Serie schauen wir schlaglichtartig auf Orte und Ereignisse 1525 zwischen Schwarzwald und Neckar.
Horb / Memmingen: Am 20. März 1525 werden die vom Laienprediger Sebastian Lotzer aus Horb verfassten „Zwölf Artikel“ der Bauernschaft verabschiedet. Sie werden als gemeinsame Beschwerdeschrift verstanden, in großer Auflage vervielfältigt und tragen viel dazu bei, dass die einzelnen Aufstände als einheitliche Bewegung gesehen wurden. Die Artikel sind Anklagen gegen herrschaftlichen Zwang, Leibeigenschaft, willkürliche Rechtsprechung, Enteignung von Gemeindeland und Schutzlosigkeit. Dem Unrecht stellen sie das christliche Liebesgebot als soziale Norm entgegen.
Alpirsbach: Drei Bauern protestieren am 10. April 1525 beim Abt von Alpirsbach gegen die hohen Abgaben. Er vertröstet sie. Hans Oswald von Neuneck, Obervogt am Schwarzwald und Martin Epp, Vogt zu Dornstetten, versuchen die Bauern zu beschwichtigen. Sie können die Bauern jedoch nicht auseinandertreiben, da sie keine Pferde haben.
Loßburg/24-Höfe: Rund 150 Bauern versammeln sich 11. April 1525 auf dem Vogelsberg nahe Alpirsbach. Ihr Anführer ist der Loßburger Thomas Mayer. Der Zimmerischen Chronik zufolge wiegelte Mayer überall die Bauern auf. Neben dem Kampf für praktische Verbesserungen und die Minderung der Abgaben teibt Mayer insbesondere sein Glaube an. Er beruft sich das heilige Evangelium. Zugleich ist Mayer ein geschickter Diplomat, der Realitäten anerkennten kann und mit den Städten Oberndorf und Rottweil verhandelt.
Alpirsbach: Am 12. April 1525 besetzen Bauern das Kloster Alpirsbach, nehmen Abt Hamma gefangen und plündern das Kloster.
Dornstetten: Am 22. April 1525 wird Amtsstadt Dornstetten von Bauern unter der Führung von Thomas Mayer und Ludwig Brun ohne Gewalt eingenommen.
Bösingen / Pfalzgrafenweiler: Am 22. April 1525 wird die Burg Mandelberg bei Pfalzgrafenweiler geplündert und später in Brand gesetzt.

Glatten: Der Haufen „vor dem Wald“ fällt am 27. April 1525 in das Dorf Glatten ein und führt die dortigen Bauern teils gewaltsam mit. Bereits zwei Tage zuvor wurde Stuttgart von württembergischen Bauern eingenommen.
Reichenbach: Um die 200 Bauern belagern ab 29. April 1525 das Kloster Reichenbach bei Baiersbronn und nehmen es nach Verhandlungen mit Prior Fabri ein.
Dornhan: Um den 19. April 1525 bringt der Bürger Martin Braun, genannt Glaser, nach der Einnahme der Stadt durch Bauern seine nach dem Aufstand des Armen Konrad 1514 geschworene Urfehdeurkunde an sich und macht sie in einem rebellischen Akt durch Abreißen der Siegel unwirksam.

Seedorf: Im April 1525 lehnen sich die Seedorfer Bauern gegen ihren Ortsherrn auf, den Freiherrn von Zimmern von Zimmern. Die Zimmerische Chronik berichtet, Gattin und Söhne des Freiherrn seien durch aufgebrachte „Dorfweiber“ heftig bedroht worden.
Schenkenzell: Aufständische Bauern unter Thomas Mayer nehmen dem Freiherrn Johann Wernher von Zimmern im April 1525 60 Stück Vieh weg.
Fischbach-Sinkingen: Unter Führung des Bauernhauptmanns Blasius Blust aus Dornstetten rotten sich vom 18. bis 22. April 1525 Bauern zusammen und rauben aus dem Hof des Klosters Alpirsbach in Fischbach-Sinkingen 26 Ochsen und rund 100 weitere Stück Vieh.
Bei Glatt: Am 19. April 1525 wird der Vogt von Hornberg, der von Stuttgart nach Hornberg unterwegs ist, durch aufständische Bauern gefangengenommen. Er wird vom Pferd gerissen und muss neben den Bauern herlaufen.
Kirchberg: Am 25. April 1525 wird das Kloster Kirchberg durch den Balinger Haufen zum ersten Mal besetzt und geplündert. Die Bauern schlachten zwei Ochsen und etliche Kälber und rauben dem Kloster Wein und Brot.
Neuneck: Gall Kueffer, Schultheiss von Schopfloch, übergibt am 27. April 1525 den Schlüssel des unteren Neunecker Schlosses, den er dem Vogt Hans Stänlin mit Gewalt abgenommen hat, an die Bauern. Die Wachmannschaft macht gemeinsame Sache mit den Aufständischen und übergibt das Schloss kampflos.
Glatt: Auch die Besatzung des Schlosses Glatt übergibt tags darauf, am 28. April 1525, das Schloss kampflos. Die Bauern erbeuten Waffen, darunter Feuerpfeile.
Rottweil/Herrenzimmern: Im April 1525 bemühen sich Rottweil und Wilhelm Werner von Zimmern erfolgreich, einen Durchzug der von Süden anrückenden Truppen des Schwäbischen Bundes unter dem für Grausamkeiten verschrienen Truchsess Georg III. von Waldburg durch Rottweiler und Zimmerisches Gebiet abzuwenden.
Balingen: Vom 27. April bis 1. Mai belagert der Balinger Bauernhaufen die Stadt erfolglos, auch eine anderthalbtägige Beschießung führt nicht zum gewünschten Ziel. Das Kloster Kirchberg muss den unter Hunger leidenden Bauern zwei Wagen Brot liefern.
Sulz: Als Sulz den Bauern immer noch Widerstand leistet, beschießen diese die Stadt vom 30. April bis 1. Mai 1525 mit Feuerpfeilen. Die dadurch ausgelösten Brände sowie Drohungen der Bauern, die großen Holzvorräte der Sulzer Saline anzuzünden, führen zur Übergabe der Stadt an die Bauern.
Rottweil: Um den 2. Mai 1525 geht der Rottweiler Ratsherr Konrad Mock in das Lager der Bauern nach Sulz und kann einen großen Teil der Bauern aus dem Territorium der Reichsstadt und der Zimmerischen Gebiete dazu überreden, nach Hause zurückzukehren.
Rottweil: Mehrere Tausend Mann der Bauernhaufen aus dem Hegau und dem Südschwarzwald lagern vom 29. April bis 4. Mai 1525 in der Altstadt mit dem vertriebenen Herzog Ulrich in ihrer Mitte.
Dotternhausen: Georg Truchsess von Waldburg lagert am 1. Mai 1525 mit seinen Truppen bei Dotternhausen. Die Stadt Horb bittet ihn um rasche Hilfe. Drei Bauernhaufen rings um Horb hätten vor, die Stadt zu belagern und einzunehmen.
Oberndorf: Thomas Mayer fordert die Stadt Oberndorf am 4. Mai 1525 in einem Brief auf, sich dem Haufen vor dem Wald anzuschließen. Für den Fall, dass diese die „freundliche Bitte“ nicht erfülle, droht er mit Gewalt.

Sulz: Am 1./2. Mai 1525 schließt sich der Balinger Haufen dem Bauernhaufen vor dem Wald unter Thomas Mayer an. Die Stadt Sulz muss die Bauern verköstigen.
Rottweil: Herzog Ulrich schreibt am 7. Mai 1525 an den bei den Bauern befindlichen Ritter und Doktor Johann von Fuchsstein, er solle alles daransetzen, dass die Bauern den Feind des Herzogs, Gangolf von Geroldseck, nicht wieder in die Stadt Sulz hineinlassen.
Böblingen: In der Schlacht am Goldberg bei Böblingen werden die Bauern von den Truppen des Schwäbischen Bundes am 12. Mai 1525 vernichtend geschlagen.
Tübingen: Thomas Mayer, der Anführer des Haufens vor dem Wald, wird am 12. Mai 1525 an der Zinsbachkapelle bei Pfalzgrafenweiler festgenommen und in Tübingen enthauptet.
Info: Die Ausstellung im Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt ist bis 1. Februar 2026 zu sehen. Weitere Informationen unter www.schloss-glatt.de.